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Ein zweiter Erfolgsfaktor war die eingebaute Programmiersprache Locomotive BASIC, die über einen wesentlich umfangreicheren Befehlsumfang verfügte als beispielsweise das Standard-BASIC des Commodore 64. Das machte sich vor allem im Grafikbereich bemerkbar. Während beim C64 die einzelnen Speicherzellen des Grafikspeichers über den Befehl POKE direkt angesprochen werden mussten, besaß der Amstrad CPC vordefinierte Befehle zum Zeichnen von Punkten und Linien. Geometrische Figuren wie zum Beispiel Kurven ließen sich auf damit ohne großen Aufwand auf den Bildschirm bringen.
Zudem besaß der CPC 464 drei Bildschirmmodi: Einen hochauflösenden Modus mit 640 x 200 Pixeln bei zwei Farben, einen mittleren Modus mit 320 x 200 Punkten und vier Farben sowie einen Multicolor-Modus mit 160 x 200 Pixeln bei 16 Farben. Zwischen diesen Videomodi konnte sehr einfach durch die Befehle MODE 0, MODE 1 und MODE 2 hin- und hergeschaltet werden. Zudem ließen sich Text und Grafik auf dem CPC problemlos mischen.
Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der Schweiz wurde der Amstrad CPC außerordentlich populär. Das lag nicht zuletzt am Engagement des Vertriebspartners Schneider Rundfunkwerke aus Türkheim im Allgäu. Schneider vermarktete die Rechner unter dem eigenen Namen und gründete hierfür einen eigenen Geschäftsbereich, die „Schneider Computer Division“. Zudem übernahmen die Türkheimer den Support und gaben den Usern somit das Gefühl, ein Produkt „made in Germany“ zu nutzen. Zudem konnte Schneider auf ein umfangreiches Netz von Handelspartnern zurückgreifen. Außerdem wurde der CPC über die einschlägigen großen Versandhäuser verkauft.
Das Gerät für den ernsthafteren Anwender
Während der Konkurrent C64 in Deutschland vor allem als Spielerechner reüssierte, war der Schneider CPC eher das Gerät der Wahl für die etwas ernsthafteren Anwender. Der hochauflösende Modus von 640 x 200 Pixeln prädestinierte den Rechner für Bürozwecke; Softwarehäuser wie Data Becker veröffentlichten ihre Bürolösungen unter anderem nativ für den Schneider-Computer.
Da der CPC auch unter dem damals sehr populären PC-Betriebssystem CP/M betrieben werden konnte, stand dem Rechner zudem eine umfangreiche Anwendungsbibliothek zur Verfügung. Die Voraussetzung für den CP/M-Betrieb war ein Diskettenlaufwerk. Für den CPC 464 gab es ein externes Drei-Zoll-Laufwerk zum Nachkaufen, spätere Modelle wie der CPC 664 oder der CPC 6128 besaßen ein fest eingebautes Floppy-Laufwerk. Somit waren Programme wie die damals weltweit führende Textverarbeitung Wordstar oder die Datenbanklösung dBase II über CP/M auf dem Schneider nutzbar.
Dank seiner einfachen Programmierbarkeit wurde der CPC auch als Schulrechner populär. Viele Schulen, die Mitte der achtziger Jahre das Fach Informatik einführten, beschafften den Schneider-Rechner für den Unterricht.
Kurioserweise entstand Ende der achtziger Jahre in der DDR ein Klon des Amstrad-Rechners. Der VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ in Mühlhausen entwickelte unter dem Namen „KC compact“ einen Nachbau des CPC. Gerüchteweise stand einer weiteren Verbreitung des „KC compact“ der Mauerfall im Wege, denn aufgrund der Grenzöffnung bestand kein Bedarf mehr für die DDR-Eigenentwicklung.
Zu diesem Zeitpunkt war allerdings auch im Westen die Popularität des Schneider CPC im Schwinden begriffen. Die Schneider-Rundfunkwerke hatten die Partnerschaft mit Amstrad aufgekündigt und boten unter dem Namen „Euro PC“ hauptsächlich IBM-kompatible Rechner an. 2002 ging Schneider schließlich in die Insolvenz. Amstrad dagegen existiert immer noch: Firmengründer Alan Sugar verkaufte das Unternehmen an den britischen Pay-TV-Anbieter BSkyB. Es entwickelt und fertigt heute die Set-Top-Boxen für den Bezahlfernsehsender.
40 Jahre C64
Januar 1982: Der Commodore C64 erblickt das Licht der Welt
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