CHIPS and Science Act zeigt Wirkung Chipkonzern Micron kündigt Mega-Investition in den USA an

Von Michael Eckstein

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Heute wird US-Präsident Joe Biden wohl den CHIPS and Science Act unterzeichnen – das Gesetz zur Förderung der Halbleiter-Produktion in den USA. Das trägt bereits erste Früchte: Halbleiterhersteller und Branchen-Schwergewicht Micron will insgesamt 40 Milliarden US-Dollar in die Speicherchip-Fertigung in den USA stecken – und 40.000 neue Jobs schaffen.

Seit 1978 ist Microns Gründungsstandort in Boise, USA auch sein Hauptstandort. Mit rund 40 Mrd. US-Dollar – mehr als einem Viertel der weltweit geplanten Investitionen – will der Speicherspezialist seine Kapazitäten in seiner Heimat über das nächste Jahrzehnt ausbauen.
Seit 1978 ist Microns Gründungsstandort in Boise, USA auch sein Hauptstandort. Mit rund 40 Mrd. US-Dollar – mehr als einem Viertel der weltweit geplanten Investitionen – will der Speicherspezialist seine Kapazitäten in seiner Heimat über das nächste Jahrzehnt ausbauen.
(Bild: Micron Technology)

Micron Technology (Micron) ist eines der weltweit größten Halbleiterunternehmen und der einzige noch in den USA ansässige Speicherhersteller. Heute hat das Unternehmen seine Pläne bekannt gegeben, bis zum Ende des Jahrzehnts in mehreren Phasen insgesamt 40 Milliarden US-Dollar in den Aufbau einer hochmodernen Speicherfertigung in den USA zu investieren.

Dies sei die größte jemals getätigte Investition in die US-amerikanische Speicherproduktion und soll schätzungsweise 40.000 amerikanische Arbeitsplätze schaffen, darunter etwa 5.000 hoch bezahlte technische und betriebliche Stellen bei Micron. Darüber hinaus werde sie die nationale Sicherheit stärken und die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette verbessern, gibt der Konzern an.

CHIPS and Science Act zeigt offenbar Wirkung

Mit den erwarteten Zuschüssen und Krediten, die durch den CHIPS and Science Act ermöglicht werden, wird diese Investition die weltweit fortschrittlichste Speicherfertigung in Amerika ermöglichen. Micron geht davon aus, dass die Produktion in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts anlaufen wird. So sei man in der Lage, das Gesamtangebot im Einklang mit den Nachfragetrends der Branche zu erhöhen.

Mit dem Gesetz wollen die USA ihre Abhängigkeit von der Chip-Produktion in Asien verringern. Unter anderem in Taiwan befinden sich große Fertigungskapazitäten - angesichts der Spannungen mit China macht sich die US-Politik Sorgen um die Versorgungssicherheit.

Auch umliegende Gemeinden sollen von Microns Expansionsplänen profitieren

Micron ist überzeugt, dass von dem Vorhaben auch die umliegenden Gemeinden profitieren werden, etwa indem es das Bildungswesen, die Ausbildung von Arbeitskräften, das Transportwesen und verschiedene andere Dienstleistungen fördert. Aktuell ist das Unternehmen dabei, seine spezifischen Expansionspläne für die USA fertig zu stellen und will in den kommenden Wochen weitere Einzelheiten bekannt geben.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Speicher in wichtigen Marktsegmenten wie der Automobilindustrie und den Rechenzentren in den nächsten Jahren enorm zulegt. Auch die zunehmende Verbreitung von künstlicher Intelligenz und modernen Mobilfunktechniken wie 5G heizen die Nachfrage an. Wenn in diesen Bereichen die Lieferkette zusammenbricht, hat das zum Teil drastische Auswirkungen – bis hin zur Gefährdung der nationalen Sicherheit. Das haben die vergangenen Monate gezeigt, in denen ausbleibende Chiplieferungen teilweise zum Stillstand in etlichen Produktionen geführt haben. Eine starke nationale Lieferkette kann das verhindern, ist Micron überzeugt.

Weltweit will Micron 150 Mrd. US-Dollar investieren

Die jetzige Ankündigung erfolgte im Vorfeld des Zusammentreffens von Micron-Führungskräften mit Präsident Joe Biden im Weißen Haus anlässlich der Unterzeichnung des CHIPS and Science Act. Nach eigenen Angaben steht sie im Einklang mit den Finanzplänen des Unternehmens und ist ein Schlüsselelement der weltweiten Investitionen von Micron in Höhe von mehr als 150 Milliarden US-Dollar in Produktion und Forschung und Entwicklung im nächsten Jahrzehnt.

„Ich danke Präsident Biden, US-Handelsministerin Gina Raimondo und der gesamten Regierung sowie den Mitgliedern des Kongresses für ihre parteiübergreifende Unterstützung des CHIPS and Science Act“, sagt Sanjay Mehrotra, Präsident und CEO von Micron. Dies sei ein wichtiger Schritt zur Festigung der amerikanischen Führungsposition im Halbleiterbereich für die kommenden Jahrzehnte.

Das Gesetz werde Micron in die Lage versetzen, die heimische Speicherproduktion von weniger als zwei auf bis zu zehn Prozent des Weltmarktes im nächsten Jahrzehnt zu steigern und die USA zur Heimat der fortschrittlichsten Speicherproduktion und Forschung und Entwicklung der Welt zu machen.

Micron hält über 50.000 Patente für Speicherinnovationen

Micron wurde 1978 in Boise, Idaho, gegründet und ist mit mehr als 50.000 Patenten führend im Bereich der Speicherinnovation, Tendenz steigend. Zuletzt hatte das Unternehmen den erste Flash-Speicher mit über 200, konkret 232 Chipebenen vorgestellt, der in der TLC-Variante 1 Terabit (128 GByte) Speicherkapazität auf einem IC vereint.

Boise ist das Epizentrum von Microns Forschungsbemühungen zur Entwicklung der weltweit fortschrittlichsten Speichertechnologien. Auch in Deutschland unterhält das Unternehmen Forschungsstandorte, etwa in der bayerischen Landeshauptstadt München.

DDR- und GDDR-SDRAM-Entwicklung in München

Hier hat der Konzern sein weltweit erstes Entwicklungszentrum aufgebaut, in dem eigene Ingenieure mit denen seiner Kunden zusammenarbeiten. Für Deutschland spricht unter anderem die Nähe zu den hiesigen Automobilherstellern – zum Beispiel BMW, mit dem Micron 2018 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet hat. Darüber hinaus entwickelt Micron in München Hochleistungsspeicher für Grafikkarten etwa von Nvidia oder AMD.

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Für die Amerikaner ist München auch deshalb attraktiv, weil hier viele Spezialisten zu finden sind. Tatsächlich hat Micron nach der Insolvenz von Qimonda 2009 kurzerhand die Mitarbeiter der abgespaltenen Speichersparte von Infineon übernommen.

Seit jeher hohe Investitionen in Forschung & Entwicklung

Micron hat im Geschäftsjahr 2021 fast 3 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investiert. In den kommenden Jahren will der Konzern seine F&E-Bemühungen in einem hohen Tempo ausbauen. So will man „zur technologischen Führung Amerikas und seiner globalen Wettbewerbsfähigkeit“ beizutragen.

Die heutige Ankündigung baut auf den Investitionen in Milliardenhöhe auf, die Micron in den letzten Jahren in US-amerikanische Produktions- und F&E-Einrichtungen getätigt hat, darunter das neu gegründete Design Center in Atlanta, die Produktionsstätte in Manassas, Virginia, und die Unternehmenszentrale in Boise.

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