Microelectronics for Future 2022 ZVEI und VDE: Brauchen jährlich fast 20.000 neue Elektroingenieure

Von Michael Eckstein

Anbieter zum Thema

Auf dem „Summit Microelectronics for Future 2022“ haben die Branchenverbände ZVEI und VDE betont, wie wichtig es ist, mit dem EU Chips Act ein global wettbewerbsfähiges Investitionsumfeld in Deutschland und Europa zu schaffen. Im Fokus müssten alle Technologien und Strukturgrößen stehen – und ganz besonders auch Programme für Ingenieursnachwuchs.

Strategischer Rohstoff: Ohne Mikrochips und Mikroelektronik stehen in vielen Fabriken die Produktionslinien still.
Strategischer Rohstoff: Ohne Mikrochips und Mikroelektronik stehen in vielen Fabriken die Produktionslinien still.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der VDE und der ZVEI setzen sich dafür ein, dass Deutschland und Europa ihre Kapazitäten für die Produktion von Mikroelektronikchips steigern. Das haben die beiden Branchenverbände gestern beim Summit Microelectronics for Future 2022 in Berlin erklärt. Eine besondere Rolle spielt dabei der EU Chips Act, den die EU-Kommission Ende 2021 vorgelegt hat. Essenziell sei es zudem, wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Elektro- und Informationstechnik zu gewinnen – hier sind die Zahlen der Studienanfänger seit geraumer Zeit rückläufig.

„Der EU Chips Act ist von hoher Bedeutung, denn der Mikroelektronikindustrie kommt in Deutschland und Europa eine essenzielle Rolle zu, weil sie die in der Lieferkette nachgeschalteten Anwenderindustrien versorgt“, so ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel. Allerdings müssen laut Kegel zusätzliche Mittel für die Vorhaben des EU Chips Act zur Verfügung gestellt werden. „Im internationalen Wettbewerb können wir nur bestehen, wenn wir wichtige europäische Industrieprojekte mit hohem Einsatz umsetzen“, betonte Kegel in diesem Kontext.

Ziel müsse sein, Forschung, Entwicklung und Produktion durch eine aktive Standortpolitik und Industrialisierungsförderung substanziell auszubauen. Dazu gehöre auch, das Konzept des EU Chips Act weit auszulegen, um nicht an den Bedarfen der europäischen Schlüsselindustrien vorbeizugehen. „Notwendig ist, dass beim Chips Act alle Technologien und Strukturgrößen von Chips berücksichtigt werden“, so Kegel.

Nicht nur neuste Technologieknoten unterstützen

Damit spielt Kegel auf die Befürchtungen an, dass die Mittel aus dem Paket nur in den Aufbau von Fabriken fließen, die mit neusten Technologieknoten etwa von unter 7 nm arbeiten. So ist etwa erklärtes Ziel des Chips Act, dass die EU bis 2030 bei Strukturgrößen von 5 nm abwärts einen Weltmarktanteil von 20 Prozent erlangt.

Viele der angesprochenen europäischen Schlüsselindustrien setzen jedoch nach wie vor Chips mit deutlich größeren Strukturbreiten ein, da sie bewährt sind und gerade in anspruchsvollen Umgebungen zuverlässig funktionieren. Sollten diese nur noch in Fernost – Stichwort China – gefertigt werden, bestünde wieder eine Abhängigkeit, von der sich die EU ja gerade lösen will. In diesem Zusammenhang ist auch die Entscheidung der Bundesregierung für ein Verkaufsverbot der Chipfabrik von Elmos zu sehen: Hier fertigt der westfälische Chiphersteller primär Chips für die Automobilbranche mit Strukturbreiten von über 130 nm.

„Brauchen Fördersystem, das regional, national und europaweit schnell Entscheidungen trifft und umsetzt“

Mit deutlich über 50 Prozent der Mikroelektronikproduktion Europas spielt Deutschland eine führende Rolle und muss sich seiner Verantwortung stellen. VDE-Präsident Dr. Armin Schnettler: „Der Bedarf an Mikroelektronik wird durch die Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Energiewende immer weiter steigen.“

Standortnachteile im Bereich der Ansiedlungs- und Betriebskosten, des Wettbewerbsrechts und der Besteuerung müssten abgebaut werden. Gleichzeitig müsse ein Fördersystem etabliert werden, das regional, national und europaweit schnell Entscheidungen trifft und umsetzt, fügt Schnettler hinzu: „Europa braucht einen diskriminierungsfreien und krisenfesten Zugang zu den weltweiten Lösungen der Mikroelektronik, um technologisch souverän bleiben zu können.“

Im Wintersemester 2021/2022 waren rund 64.400 Studenten und Studentinnen für ein Elektrotechnik/Elektronikstudium an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl ist seit einigen Jahren rückläufig.
Im Wintersemester 2021/2022 waren rund 64.400 Studenten und Studentinnen für ein Elektrotechnik/Elektronikstudium an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl ist seit einigen Jahren rückläufig.
(Bild: Statista)

Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Thema Nachwuchs. Der VDE schätzt, dass jedes Jahr über 19.000 neue Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure gebraucht werden. Schnettler verweist darauf, dass stattdessen die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger voriges Jahr nochmal um gut vier Prozent zurückgegangen sei: „Wir müssen der jungen Generation besser vermitteln, dass die Berufe in der Elektro- und Informationstechnik viel zu bieten haben. Das sind nicht nur sichere, gut bezahlte Jobs mit Zukunft. Wir wirken aktiv daran mit, dass diese Welt eine lebenswerte Welt bleibt.“ (me)

(ID:48733935)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung