Die DNA der Halbleiterfertigung Wie IC-Fertigung früher funktionierte

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 4 min Lesedauer

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60 Jahre Elektronikpraxis hinterlassen Spuren. Unser Archiv zeigt: Vieles kommt uns bekannt vor. Technologien erleben ein Comeback, Krisen folgen alten Mustern, und bewährtes Fachwissen bleibt relevant. In der Rubrik Damals wie heute schauen wir uns diese Parallelen an.

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Epitaxialverfahren.(Bild:  Dipl.-Ing. Peter Makin, Texas Instruments)
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Epitaxialverfahren.
(Bild: Dipl.-Ing. Peter Makin, Texas Instruments)

Der vorliegende Artikel aus dem Jahr 1967 dokumentiert eine Phase, in der die Fertigung integrierter Schaltungen noch stark von thermischen Diffusionsprozessen geprägt war und sich grundlegende Technologien erst etablierten. Der Autor Dipl.-Ing. Peter Makin aus Bedford in England, gehörte zum Entwicklungsteam für integrierte Schaltungen bei Texas Instruments.

Die Herstellung integrierter Schaltungen war in ihren Anfängen ein vergleichsweise grobmechanischer, thermisch dominierter Prozess. Hohe Temperaturen, Diffusionsvorgänge und einfache Maskentechniken bestimmten die Strukturierung der Bauelemente. Heute hingegen entstehen Strukturen im Nanometerbereich mit atomarer Präzision. Und dennoch: Die grundlegende Logik der Halbleiterfertigung ist erstaunlich konstant geblieben.

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Der Anfang: Kristall, Wafer und Diffusion als Basis der Bauelemente

Am Beginn stand – damals wie heute – ein Silizium-Einkristall. Über das Czochralski-Verfahren gezogen, in Scheiben geschnitten, geläppt und poliert, bildete er die Ausgangsbasis für alle weiteren Prozessschritte.

Die eigentliche Bauelementestruktur entstand in der Frühphase der IC-Fertigung – etwa bis Ende der 1960er Jahre – fast ausschließlich durch Diffusion. Dotierstoffe wurden bei Temperaturen von etwa 800 bis 1.200 °C in das Silizium eingebracht, wobei der eigentliche Diffusionsvorgang typischerweise im oberen Bereich um 1.200 °C stattfand. Über Oxidschichten und geätzte Fenster ließ sich lokal steuern, an welchen Stellen Transistoren, Widerstände oder Dioden entstehen sollten.

Diese Vorgehensweise hatte jedoch klare Grenzen, denn Dotierungsprofile waren schwer kontrollierbar, laterale Ausbreitungseffekte führten zu ungenauen Strukturen, und parasitäre Kapazitäten beeinträchtigten die elektrische Leistung.

Drei Wege zum integrierten Bauelement: Von der Diffusion zur Epitaxie

Frühe Herstellverfahren unterschieden sich vor allem darin, wie die aktiven Zonen im Substrat erzeugt wurden. Das Kollektordiffusionsverfahren war konzeptionell einfach, führte jedoch zu ungünstigen Dotierungsgradienten und hohen Kapazitäten zwischen Kollektor und Substrat. Die Dreifachdiffusion ging einen Schritt weiter und erlaubte komplexere Strukturen, erkaufte sich diese jedoch mit langen Prozesszeiten und zusätzlichem Flächenbedarf.

Erst das Epitaxialverfahren markierte einen echten technologischen Durchbruch. Hier wurde eine dünne, definierte Siliziumschicht auf das Substrat aufgewachsen. Dadurch ließ sich die Dotierung deutlich präziser einstellen, und parasitäre Effekte konnten gezielt reduziert werden. Dieses Prinzip ist bis heute der Standard der Halbleiterfertigung.

Oxid, Maske, Struktur: Die Geburt der Lithografie

Im damaligen Prozess war die thermisch gewachsene Siliziumdioxidschicht der entscheidende Schlüssel. Sie diente gleichzeitig als Schutz und als Maske für nachfolgende Diffusionsschritte – eine Revolution, die als Planarprozess in die Geschichte einging. Bereits hier kam eine frühe Form der Fotolithografie zum Einsatz. Ein lichtempfindlicher Schutzlack wurde aufgebracht und durch eine Maske meist im Kontaktverfahren belichtet. Auch wenn die Auflösung grob war und der direkte Kontakt zwischen Maske und Wafer oft Defekte verursachte, entstand damit das grundlegende Prinzip der strukturierten Halbleiterfertigung, das heute in hochpräzisen, berührungslosen Projektionssystemen (Steppern) seine Vollendung findet.

Finalisierung des ICs: Von der Leitfähigkeitssteuerung zur Systemprüfung

Mit zunehmender Komplexität rückten elektrische Effekte stärker in den Fokus. Besonders kritisch war die Kapazität zwischen Kollektor und Substrat, die Schaltgeschwindigkeit und Verluste begrenzte. Eine wichtige Innovation war die Einführung vergrabener n+-Schichten (Buried Layer). Sie reduzierten den Serienwiderstand im Kollektorpfad und verbesserten die Sättigungseigenschaften der Transistoren massiv. Gleichzeitig wurde deutlich, dass nicht nur die Geometrie, sondern – genau wie heute – vor allem das Dotierungsprofil über die Leistungsfähigkeit entscheidet. Damit verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die gezielte Einstellung von Ladungsträgerverteilungen und parasitären Bauelementparametern sowie auf deren Einfluss auf Durchbruchverhalten und Verluste.

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Nachdem die Halbleiterstrukturen definiert waren, folgte die Kontaktierung. Aluminium wurde im Vakuum aufgedampft und anschließend strukturiert. Dieses Verfahren wurde heute weitgehend durch das deutlich präzisere Sputtern (PVD) abgelöst. Auch dieser Schritt wirkt aus heutiger Sicht einfach, bildet jedoch die Grundlage moderner Mehrlagenmetallisierungen. Schon damals zeigte sich, dass die Integration vieler Funktionen auf kleinem Raum steht und fällt mit der Qualität der Verbindungstechnik. Bereits auf Wafer-Ebene wurden die Schaltungen elektrisch geprüft. Defekte Chips markierte man vor dem Vereinzeln, um sie später auszusortieren. Anschließend erfolgten das Vereinzeln, das Bonden und das hermetische Verschließen. Auffällig ist der hohe Stellenwert der Prozesssauberkeit. Schon kleinste Verunreinigungen konnten die Funktion eines Bauelements zerstören. Diese Erkenntnis wird heute durch die Reinraumtechnologien der höchsten Klassen umgesetzt.

Grundlegende Veränderungen in der IC-Fertigung

Die moderne Halbleiterfertigung unterscheidet sich in mehreren Punkten fundamental von den frühen Verfahren. Die Diffusion als dominierender Dotierungsmechanismus wurde weitgehend durch die Ionenimplantation ersetzt. Sie erlaubt eine deutlich präzisere Einstellung von Konzentration und Tiefenprofil, während thermische Schritte heute primär als Rapid Thermal Annealing (RTA) zur Ausheilung von Gitterdefekten und zur Aktivierung der Dotanden dienen. Die Lithografie hat sich von mikrometergenauen Strukturen zu Auflösungen im einstelligen Nanometerbereich entwickelt. Extreme-Ultraviolett-Technologie (EUV) mit einer Wellenlänge von 13,5 nm ermöglicht heute in Kombination mit Mehrfachmusterung Technologieknoten von 2 bis 3 nm, die damals physikalisch nicht vorstellbar waren. Auch die Materialsysteme haben sich erweitert: Neben Silizium spielen heute Wide-Bandgap-Halbleiter wie Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN) eine zentrale Rolle, insbesondere um in der Leistungselektronik die thermische Leistungsdichte und Effizienz weiter zu steigern.

Beständige Prinzipien der IC-Fertigung im Wandel der Zeit

Trotz aller technologischen Fortschritte ist die Grundlogik der Fertigung nahezu unverändert. Ein Substrat wird gezielt modifiziert, Schichten werden aufgebaut, Bereiche strukturiert, Dotierungen eingebracht und schließlich elektrische Verbindungen hergestellt.

Die Herausforderungen sind geblieben. Kontrolle von parasitären Effekten, thermisches Management und die präzise Einstellung elektrischer Eigenschaften. Gerade in der Leistungselektronik zeigt sich, wie relevant diese klassischen Prinzipien weiterhin sind. Dotierungsprofile, Schichtaufbau und parasitäre Kapazitäten bestimmen noch immer maßgeblich das Verhalten moderner Bauelemente.

Die frühen Verfahren wirken aus heutiger Sicht simpel, doch sie haben die Grundlage für die gesamte Halbleiterindustrie geschaffen. Viele der damals entwickelten Konzepte wie Epitaxie, Maskentechnik und strukturierte Dotierung, sind bis heute Bestandteile des Fertigungsprozesses. Die Geschichte der IC-Fertigung ist daher eine kontinuierliche Verfeinerung bestehender Prinzipien. Genau darin liegt ihre Faszination – damals wie heute. (mr)

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