Optimiertes Schaltverhalten Elektronenbestrahlte Leistungshalbleiter

Von Wilhelm Schneider* 5 min Lesedauer

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Leistungshalbleiter sind essenziell – und müssen höchste Anforderungen erfüllen. Die gezielte Elektronenbestrahlung ermöglicht es, elektrische Eigenschaften präzise zu optimieren und damit Schaltverhalten, Effizienz und Zuverlässigkeit zu verbessern.

Effizient und zeitsparend: 
Durch Stapelbestrahlung optimiert BGS mehrere Leistungshalbleiter gleichzeitig per Elektronenstrahl – für hohe Effizienz und verkürzte Prozesszeiten.(Bild:  iStock.com/kynny)
Effizient und zeitsparend: 
Durch Stapelbestrahlung optimiert BGS mehrere Leistungshalbleiter gleichzeitig per Elektronenstrahl – für hohe Effizienz und verkürzte Prozesszeiten.
(Bild: iStock.com/kynny)

Leistungshalbleiter bilden das Herzstück moderner Hochleistungs-Elektronik. Ob in der Elektromobilität, bei erneuerbaren Energien oder in industriellen Antriebssystemen – die Anforderungen an diese Komponenten steigen stetig. Die gezielte Elektronenbestrahlung ist ein bewährtes Verfahren, um die elektrischen Eigenschaften von Leistungshalbleitern zu verbessern und sie für den Einsatz unter anspruchsvollen Bedingungen zu optimieren.

Schaltzeiten, Energieverluste und thermische Belastbarkeit sind zentrale Optimierungsparameter. Durch die kontrollierte Erzeugung von Defekten im Kristallgitter lassen sich Rekombinationsprozesse gezielt beeinflussen, wodurch sich das Schaltverhalten verbessern und Leckströme reduzieren lassen. Im Vergleich zur klassischen Dotierung mit Schwermetallen bietet die Elektronenbestrahlung entscheidende Vorteile hinsichtlich Prozessgenauigkeit, Reproduzierbarkeit und Materialintegrität.

Vorteile der Elektronenbestrahlung gegenüber anderen Verfahren

Im Vergleich zu anderen Verfahren, wie der Diffusion (z. B. Platin- Gold- oder Palladiumdiffusionen), bietet die Elektronenbestrahlung den Vorteil, dass sie ohne den Einsatz zusätzlicher Dotierungselemente auskommt und somit keine Veränderung der chemischen Zusammensetzung des Halbleitermaterials erforderlich ist. Insbesondere können hierdurch Ausscheidung oder Agglomerationen der Schwermetalle im Halbleiter vermieden werden. Dies ermöglicht eine sehr feine Steuerung der Schaltzeiten und der Sperrschichtkapazität des Halbleiters. Darüber hinaus kann die Elektronenbestrahlung bei relativ niedrigen Temperaturen durchgeführt werden, was die thermische Belastung des Halbleiters minimiert und die Integrität des Kristallgitters bewahrt. Die zu der Stabilisierung der erzeugten Defekte erforderliche Temperatur liegt unterhalb von 270°C. Ebenso ist der durch die Bestrahlung erzeugte Leckstrom im Sperrzustand relativ gering. Insbesondere ergibt sich über die Auswahl der Ausheiltemperatur und Bestrahlungsdosis auch die Möglichkeit, das Verhältnis der durch die Elektronenbestrahlung im Silizium erzeugten Doppelleerstellen und Sauerstoff-/Leerstellenkomplexe zu steuern und somit auch die Eigenschaften dieser Rekombinationszentren in Abhängigkeit von der Stromdichte im Halbleiter.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Elektronenbestrahlung ist ihre Flexibilität: Durch Anpassung der Elektronenfluenz und der Bestrahlungsenergie kann die Art und Dichte der erzeugten Defekte variabel gestaltet werden. Dies erlaubt eine sehr spezifische Einstellung der Halbleitereigenschaften, sodass die Bauelemente für verschiedene Anwendungsbereiche optimiert werden können, sei es für schnelle Schaltvorgänge oder für den Betrieb unter hohen Spannungen. Auch die vertikal erzeugte Verteilung der Minoritätsträgerlebensdauer sieht nach einer Diffusion deutlich anders aus. Während sich bei der Elektronenbestrahlung eine gut reproduzierbare vertikal und lateral homogene Minoritätsträgerlebensdauer ergibt, ist diese nach einer Diffusion lateral und vertikal inhomogen und somit auch deutlich anfälliger gegen prozessbedingte Schwankungen. Bei einer Diffusion spielt insbesondere die laterale Verteilung der Siliziumleerstellen eine entscheidende Rolle, wobei diese einerseits inhomogen und andererseits auch schlecht reproduzierbar sind. Bei dieser Verteilung der Leerstellen haben zum Beispiel Getterprozesse einen wesentlichen Einfluss. Ein weiterer Vorteil der Elektronenbestrahlung besteht auch darin, dass die zur Absenkung der Trägerlebensdauer verwendeten Schwermetalle mittlerweile immer kostenintensiver werden.

Zusammenfassend bietet die Elektronenbestrahlung als Alternative zu Methoden wie der Platindiffusion eine hochpräzise und flexible Möglichkeit zur Einstellung der Rekombinationszentren und damit zur Optimierung des Schaltverhaltens von Leistungshalbleitern. Dies macht sie zu einem wichtigen Werkzeug in der modernen Halbleitertechnologie, das dazu beiträgt, die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit dieser Bauelemente kontinuierlich zu verbessern. Diese Technologie bietet gegenüber herkömmlichen Verfahren wie der Diffusion von Schwermetallen signifikante Vorteile, darunter eine homogenere Verteilung der Rekombinationszentren, geringere Leckströme und eine flexiblere Einstellung der Halbleitereigenschaften. In verschiedenen Hochleistungsanwendungen machen elektronenbestrahlte Leistungshalbleiter den entscheidenden Unterschied hinsichtlich Effizienz, Zuverlässigkeit und Leistungsvermögen.

Elektronenbestrahlte Leistungshalbleiter: Schlüsseltechnologie für viele Branchen

Langlebig: 
Modifizierte Dioden und Thyristoren erhöhen die Energieeffizienz und Lebensdauer von Motorsteuerungen, besonders in Anwendungen der Fertigungsautomatisierung.(Bild:  iStock.com/alvarez)
Langlebig: 
Modifizierte Dioden und Thyristoren erhöhen die Energieeffizienz und Lebensdauer von Motorsteuerungen, besonders in Anwendungen der Fertigungsautomatisierung.
(Bild: iStock.com/alvarez)

Elektronenbestrahlte Leistungshalbleiter spielen eine wichtige Rolle in intelligenten Stromnetzen (Smart Grids), wo sie die schnelle und effiziente Schaltung großer elektrischer Ströme und Spannungen ermöglichen. Diese Fähigkeit ist entscheidend für die Regelung und Stabilität moderner Energieverteilungssysteme. Smart Grids sind ein fundamentaler Bestandteil der Energiewende, da sie die Integration dezentral erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen wie Solar- und Windkraftanlagen effizient in das Netz einleiten können.

Der Einsatz elektronenbestrahlter Leistungshalbleiter in Smart Grids verbessert die Zuverlässigkeit und Effizienz der Stromnetze erheblich. Durch ihre optimierten Schalteigenschaften ermöglichen sie eine präzisere Steuerung der Energieflüsse, was besonders bei schwankender Einspeisung aus erneuerbaren Quellen von Bedeutung ist. Ihre Fähigkeit zwischen blockierendem und leitendem Zustand in Millionstel-Sekunden umzuschalten, trägt maßgeblich zur Stabilisierung der Netze bei. Der Markt für Smart Energy wächst rasant und wird laut Prognosen von 170 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 283 Milliarden US-Dollar bis 2027 anwachsen. Elektronenbestrahlte Leistungshalbleiter sind ein wichtiger technologischer Baustein dieser Entwicklung und tragen wesentlich zur Verbesserung der Energieeffizienz bei.

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Elektronenbehandelte Leistungshalbleiter wie z.B. MOSFETs und IGBTs kommen auch in der Elektromobilität zum Einsatz. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen von elektrischen Antrieben bis hin zu der verwendeten Leistungselektronik. Sie leisten einen positiven Beitrag zur Effizienz und Zuverlässigkeit dieser Systeme, was vor allem unter außergewöhnlichen Betriebsbedingungen wie hohen Temperaturen und starker Beanspruchung von Bedeutung ist. Die Leistungshalbleiter in Elektrofahrzeugen profitiert in mehrfacher Hinsicht von elektronenbestrahlten Halbleitern. Zum einen ermöglichen sie eine effizientere Energienutzung durch geringere Schaltverluste, was sich in einer Erhöhung der Reichweite widerspiegelt. Zum anderen gewährleisten sie eine höhere Zuverlässigkeit der Leistungselektronik, was angesichts der hohen Anforderungen an die Sicherheit und Langlebigkeit von Fahrzeugen entscheidend ist. Moderne Wide-Band-Gap-Halbleiter (WBG) wie Siliziumkarbid (SiC) bieten zwar ebenfalls Vorteile wie einen höheren Wirkungsgrad und bessere Temperaturstabilität, jedoch kann die Elektronenbestrahlung auch bei diesen neuen Materialien zum Einsatz kommen.

Photovoltaik: 
Die Elektronenbestrahlung ermöglicht eine präzise Defektkontrolle und optimiert die thermische Stabilität und Schaltleistung. (Bild:  iStock.com/ewg3D)
Photovoltaik: 
Die Elektronenbestrahlung ermöglicht eine präzise Defektkontrolle und optimiert die thermische Stabilität und Schaltleistung.
(Bild: iStock.com/ewg3D)

Die mit Elektronen bestrahlten schnellen Dioden und Thyristoren ermöglichen bei industriellen Antrieben und in der Automatisierung die Energieeffizienz zu erhöhen und die Lebensdauer von Motorsteuerungen zu verlängern. Die genau einstellbaren Schalteigenschaften dieser Bauteile ermöglichen eine bessere Steuerung von Hochleistungsmotoren. Die Frequenzumrichter, die zur Drehzahlregelung von Elektromotoren eingesetzt werden, profitieren ebenfalls von elektronenbestrahlten Leistungshalbleitern. Durch die verbesserten Schalteigenschaften können sie Motoren präziser steuern und verbrauchen dabei weniger Energie. Dies trägt zur Gesamteffizienz industrieller Anlagen bei und reduziert Betriebskosten sowie CO₂-Emissionen.

In der Leistungselektronik von Photovoltaikanlagen werden Halbleiter auf Siliziumbasis eingesetzt, die sich durch hohe Sperrspannungen sowie verbesserte dynamische Eigenschaften auszeichnen. Die Elektronenbestrahlung ermöglicht eine Optimierung des Schaltverhaltens bei solchen Halbleitern. Diese Fortschritte tragen indirekt zur Steigerung des Gesamtwirkungsgrads von Wechselrichtersystemen bei, deren Effizienz von den verwendeten Halbleitereigenschaften abhängt. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen.

Maßgeschneiderte Performance für Hochleistungsanwendungen

Die elektronenbestrahlten Leistungshalbleiter haben für zahlreiche Anwendungen entscheidende Vorteile gegenüber konventionellen Halbleitern. Durch die präzise Einstellbarkeit ihrer elektrischen Eigenschaften ermöglichen sie eine sehr genaue Anpassung an die jeweiligen Anforderungen, sei es für schnelle Schaltvorgänge oder für den Betrieb unter hohen Spannungen. Die Elektronenbestrahlung stellt damit eine technologisch und wirtschaftlich attraktive Alternative zu herkömmlichen Verfahren wie der Metalldiffusion dar, zumal letztere mit steigenden Kosten verbunden ist. Mit dem wachsenden Bedarf an energieeffizienten Lösungen in der regenerativen Energietechnik, der E-Mobilität und der industriellen Antriebstechnologie wird die Bedeutung elektronenbestrahlter Leistungshalbleiter weiterwachsen. Ihre Rolle als Schlüsselkomponenten in der modernen Leistungselektronik macht sie zu wichtigen Bausteinen für die Energiewende und die Elektrifizierung verschiedener Wirtschaftssektoren. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Bestrahlungstechnologien, wie z.B. die Stapelbestrahlung, trägt zur Kostenreduktion bei. In Kombination mit fortschrittlichen Halbleitermaterialien wie Siliziumkarbid eröffnet die Elektronenbestrahlung zudem neue Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit elektronischer Systeme. (mr)

* Wilhelm Schneider ist Key Account Manager Strahlenvernetzung bei BGS Beta-Gamma-Service GmbH & Co. KG

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