Mit Lip-Bu Tan ernennt Intel einen erfahrenen Branchenkenner zum CEO, der nicht nur Intel selbst, sondern auch die Halbleiterindustrie aus verschiedenen Blickwinkeln kennt. Er passt wie kaum ein Zweiter für diese Aufgabe.
Intel hat mit Lip-Bu Tan den richtigen Mann zum neuen CEO bestellt.
(Bild: Intel)
Intels Produktionsprobleme und der Druck durch AMD, Nvidia und TSMC haben dem Unternehmen in den vergangenen Jahren zugesetzt. Tan könnte der richtige Mann sein, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen. Seine Erfahrung als langjähriger CEO von Cadence Design Systems, einem führenden Anbieter von Software für die Chipentwicklung (EDA), gibt ihm einen tiefen Einblick in Fertigung und Entwicklung von Halbleitern – ein Know-how, das Intel dringend benötigt, um im Foundry-Geschäft gegen TSMC und Samsung bestehen zu können.
Noch kurioser ist jedoch seine Rückkehr zu Intel. Tan saß bereits im Verwaltungsrat des Unternehmens, bevor er sich erst im August 2024 frustriert zurückzog. Er galt als einer der schärfsten Kritiker von Intels langsamem Wandel und den internen Problemen, die die Fertigung und Innovationskraft des Konzerns hemmten.
„Culture eats strategy for breakfast“, sagte einst Management-Vordenker Peter Drucker.
In persönlichen Gesprächen mit Intel-Vertretern fiel dieses Zitat unter der Hand nicht nur einmal. Hier könnte Tan einen entscheidenden Vorteil mitbringen: Er ist nicht nur ein Stratege, sondern auch ein Praktiker, der versteht, wie die Halbleiterentwicklung funktioniert. Ja, das gilt auch für Pat Gelsinger, aber ihm haftete der langjährige Intel-Stallgeruch an, welcher im unterm Strich mehr schadete als nutzte.
Dass Tan nun als CEO zurückkehrt, zeigt, dass er sich zutraut, Intel nicht nur zu analysieren, sondern auch aktiv zu reformieren. Eines der Hauptprobleme sah er im aufgeblähten mittleren Management. Nun ist er in der Position, das anzugehen. Es wird also spannend, ob er das noch immer so sieht und entsprechend handeln wird.
Intel steht vor mehreren Baustellen: Die Probleme in der eigenen Chipproduktion müssen gelöst werden, das Foundry-Geschäft muss sich gegenüber TSMC und Samsung behaupten, und das Unternehmen muss sich wieder als Technologieführer gegen Chip-Riesen wie AMD oder Nvidia positionieren Die Marktdynamik hat sich stark verändert: Intel war einst Marktführer, steht heute jedoch in direkter Konkurrenz mit Unternehmen, die in KI-Chips, Serverprozessoren und Mobilhardware stark sind.
Als CEO von Cadence hat Lip-Bu Tan eng mit den größten Chipdesignern der Welt zusammengearbeitet und weiß, welche Stellschrauben im Konzern wie optimiert werden müssen. Seine Kontakte zur Industrie und seine Erfahrung könnten Intel wieder zu altem Glanz verhelfen.
Der richtige Mann für den Job
Tans Ernennung wird von Brancheninsidern und Analysten mit Erleichterung aufgenommen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Pat Gelsinger, der als visionärer Technologe galt, aber nicht alle wirtschaftlichen und strukturellen Probleme lösen konnte, bringt Tan eine Kombination aus technischer Expertise und Geschäftssinn in beiden Intel-Welten mit – also sowohl im Foundry- als auch IDM-Geschäft. Er versteht also sowohl die Design- als auch die Fertigungsseite der Halbleiterproduktion – eine entscheidende Fähigkeit, um Intel im Wettbewerb gegen die asiatische und einheimische Konkurrenz wieder schlagkräftig zu machen.
Natürlich wird er sich beweisen müssen. Intel ist ein Konzern mit tief verwurzelten Strukturen, die sich nur schwer ändern lassen – gerade weil man sich auf die Platzhirsch-Position zu sehr verlassen hat. Tans Erfolg wird davon abhängen, wie schnell er interne Widerstände überwindet und ob er die richtigen strategischen Entscheidungen trifft. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er tatsächlich der Mann ist, der Intel aus der Krise führen kann.
Eines steht jedoch fest: Wenn es jemand überhaupt schaffen kann, Intel sowohl als Foundry als auch als Chipgiganten wieder konkurrenzfähig zu machen, dann jemand wie Lip-Bu Tan. (mc)
Stand: 08.12.2025
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