Donald Trump greift in die Unternehmensführung von Intel ein. Der US-Präsident wirft Konzernchef Lip-Bu Tan Interessenkonflikte wegen Investitionen in China vor und fordert seinen Rücktritt. Intels Börsenkurs bekam darauf hin ein deutliches Minus.
Intel-CEO Lip-Bu Tan: Trump hält ihn wegen chinesischen Fonds für "hochgradig konfliktbehaftet".
(Bild: Intel)
Donald Trump hat am 6. August auf seiner Plattform Truth Social den sofortigen Rücktritt von Intel-Chef Lip-Bu Tan gefordert. Der Manager sei „hochgradig konfliktbehaftet“. Vorausgegangen war ein Brief des republikanischen Senators Tom Cotton an Intels Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Yeary. Darin äußerte der Senator Zweifel an Tans Eignung: Der langjährige Risikokapitalgeber habe Dutzende Beteiligungen an chinesischen Tech-Firmen, darunter auch Unternehmen mit Verbindungen zum chinesischen Militär.
Reuters hatte bereits im April recherchiert, dass Tan über Firmen wie Walden International und zwei Hongkonger Holdings mehr als 40 chinesische Unternehmen kontrolliert. Zusätzlich hält er Minderheitsbeteiligungen an über 600 weiteren Firmen. Darunter sind laut Reuters auch acht Firmen mit mutmaßlichen Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee. Bisher gibt es keine Hinweise, dass diese Investments gegen US-Sanktionsrecht verstoßen.
Brisant ist ein anderer Punkt: Als CEO von Cadence Design Systems soll Tan laut Cotton mitverantwortlich gewesen sein, dass eine chinesische Tochterfirma des Unternehmens Software an eine militärische Universität in China verkaufte. Cadence bekannte sich im Juli in einem Verfahren des US-Justizministeriums schuldig und zahlte 140 Millionen Dollar Strafe. Tan selbst taucht in den Gerichtsakten nicht als Beschuldigter auf.
Intel hatte den Vorwürfen deutlich widersprochen. Das Unternehmen betonte in einer Stellungnahme, man sei der nationalen Sicherheit der USA verpflichtet und investiere Milliarden in die US-Chipproduktion. Tan habe laut interner Mitteilung an die Belegschaft erklärt: „Ich habe mein ganzes Berufsleben damit verbracht, Unternehmen zu gründen und zu fördern, die zum technologischen Fortschritt der Vereinigten Staaten beitragen.“
Politischer Druck und Börsenreaktionen
Trumps Forderung kam nur einen Tag, nachdem er 100-Prozent-Zölle auf importierte Chips angekündigt hatte. Ziel ist eine Fertigung fast ausschließlich in den USA. Gleichzeitig will er den Chips Act der Biden-Regierung abschaffen, der Intel über acht Milliarden Dollar an Subventionen zusichert. Die politische Eskalation wirkte sich direkt auf die Börse aus: Intels Aktienkurs brach um über drei Prozent ein.
Trumps Vorstoß wird bisher als politischer Tabubruch bewertet. „Das ist ein gefährlicher Präzedenzfall“, zitiert Reuters einen Analysten, der anonym bleiben will. Der direkte Angriff auf eine Person des Vorstands durch einen Präsidenten ist in den USA ungewöhnlich.
Rückblick: Wer ist Lip-Bu Tan?
Tan, 65, wurde in Singapur geboren, studierte Physik und später Kerntechnik in den USA und besitzt die amerikanische Staatsbürgerschaft. Mit seiner Risikokapitalfirma Walden International investierte er seit den frühen 2000ern mehrere Milliarden Dollar in die chinesische Chipindustrie. Darunter war auch ein früher Einstieg beim Auftragsfertiger SMIC.
Tan war über ein Jahrzehnt CEO von Cadence Design Systems und leitete das Unternehmen aus einer Krise heraus. Er wurde 2022 in den Intel-Aufsichtsrat berufen, trat 2024 dort zurück und übernahm im Frühjahr 2025 die Konzernführung. Beobachter sehen seine Berufung als Zeichen für einen strategischen Neuanfang: Tan verfolgt intern einen Sparkurs, um die verlustreiche Fertigung zu stabilisieren. Gleichzeitig hat er mehrere geplante Werke auf Eis gelegt. Das Projekt in Magdeburg wurde inzwischen ganz abgesagt, das Großvorhaben in Ohio auf 2030 verschoben.
Aussichten für CEO und Konzern
Der Verwaltungsrat von Intel stellt sich bislang hinter Tan. US-Medien halten es für wahrscheinlich, dass der Druck auf den Konzernchef weiter zunimmt. Entscheidend dürfte sein, ob es Intel gelingt, Vertrauen in die nationale Unabhängigkeit des Unternehmens zurückzugewinnen und gleichzeitig den technologischen Rückstand gegenüber Wettbewerbern wie TSMC, Samsung oder Nvidia aufzuholen. (mc)
Stand: 08.12.2025
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