Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz an der Edge wird immer wichtiger. Das zeigt die jetzige Übernahme des Embedded-KI-Software-Spezialisten Cartesiam durch STMicroelectronics. Damit wird die STM32Cube.AI-Lösung um einiges flexibler und schlagkräftiger.
Aus der Cloud in die Edge: Inferencing auf einfachen Mikrocontrollern sorgt dafür, dass auch einfache Endgeräte intelligenter werden.
Künstliche Intelligenz an der Edge auf ressourcenbeschränkter Hardware gewinnt schnell an Bedeutung. Das zeigt die neuste Akquisition von STMicroelectronics (STMicro): Der europäische Mikrocontrollerhersteller übernimmt das auf Edge-KI-Software spezialisierte Unternehmen Cartesiam. Die Akquisition umfasst sowohl die Vermögenswerte einschließlich des IP-Portfolios des Unternehmens als auch die Mitarbeiter, die STMicro an seinen Standorten integrieren wird. Details der Übernahme hat STMicro nicht bekannt gegeben. Aktuell wartet man noch auf die Zulassung des Kaufs durch die Regulierungsbehörden.
Cartesiam ist ein 2016 im französischen Toulon gegründetes Softwareunternehmen, das sich auf Entwicklungs-Tools für Künstliche Intelligenz (KI, auch Artificial Intelligence, AI) für Maschinelles Lernen (ML, Machine Learning) und die Inferenzierung (Inferencing) auf ARM-basierten Mikrocontrollern spezialisiert hat. Cartesiam war mit dem Versprechen angetreten, Inferencing und sogar ML auf herkömmlichen Mikrocontrollern für jeden Entwickler zugänglich und beherrschbar zu machen.
Bislang ungelöstes KI-Problem: Akuter Mangel an hochkarätigen Experten
„Viele interessante Edge-KI-Projekte scheitern weniger an der Technik, sondern an einem akuten Mangel hochkarätiger KI-Experten und umfangreicher Datensätze zum Trainieren eigener Modelle“, erklärte Cartesiams Gründer und CEO Joël Rubino vor gut einem Jahr im Gespräch mit ELEKTRONIKPRAXIS. Wie Rubino kommt auch der zweite Gründer und aktuelle General Manager Marc Dupaquier vom KI-Pionier und Branchenriesen IBM.
Daher hat das Cartesiam-Team, darunter hochkarätige Experten für höhere Mathematik, ML und Embedded-Signalverarbeitung, einen KI-Baukasten für ressourcenbeschränkte Hardware entwickelt, der eine umfangreiche Bibliothek an vordefinierten, optimierten Neuronalen Netzen enthält. Unterstützt durch intelligente Suchalgorithmen können Entwickler daraus die für ihre Problemstellung bestmögliche Lösung herauspicken.
Diese NanoEdge AI Studio genannte, patentierte integrierte Entwicklungsumgebung, soll selbst Systemdesignern ohne KI-Vorkenntnisse die Möglichkeit eröffnen, ML-Algorithmen direkt in eine breite Palette von Anwendungen einbinden zu können. Nach eigenen Angaben befinden sich bereits heute Lösungen auf Basis der Cartesiam-Technik auf der ganzen Welt in der Produktion und werden in vernetzte Geräte, Haushaltsgeräte und Industriemaschinen eingebaut.
Cartesiams NanoEdge AI Studio wird in STM32Cube.AI integriert
Für STMicro ist die Übernahme von Cartesiam ein wichtiger Schritt: Das Unternehmen stärkt damit seine eigene AI-Strategie, die darauf abzielt, die gesamte Anforderungspalette von Embedded-ML-Anwendungen abzudecken. NanoEdge AI Studio ergänzt das bereits vorhandene Toolset STM32Cube.AI von STMicroelectronics und wird den Kunden des Unternehmens zusätzliche Flexibilität bei der Integration von ML-Techniken in ihre Lösungen bieten.
„Die Nutzung künstlicher Intelligenz zur Realisierung immer smarterer Lösungen steht bei unseren Kunden unabhängig von ihrer Größe und Branche ganz oben auf der Prioritätenliste“, betont Claude Dardanne, President der Microcontrollers and Digital ICs Group bei STMicroelectronics. Mit STM32Cube.AI biete STMicro bereits heute die Möglichkeit, vorab trainierte neuronale Netze auf unserem breit gefächerten Portfolio an STM32-Mikrocontrollern laufen zu lassen. Die Ergänzung des bestehenden Lösungs-Portfolios um die ML-Technologie von Cartesiam bringe für „alle Kunden, die ihre Angebotspalette durch zusätzliche Innovationen aufwerten möchten, das beste Edge-AI-Lösungsportfolio mit, das man auf dem Markt finden kann.“
Stand: 08.12.2025
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