Etliche Apps zur Betrachtung von Röntgenbildern, Ultraschallergebnissen und zur Dokumentation der Anamnese wurden schon von der FDA zur Benutzung in der Klinik freigegeben. Dabei spielt natürlich der Bereich Datensicherheit eine wesentliche Rolle, auch wenn die Vorgaben in den USA etwas laxer sind als in Europa. Das bedeutet, dass die Einführung dieser Verfahren z.B. in Deutschland bis zur Klärung aller relevanten Datensicherheitsaspekte noch etwas auf sich warten lässt.
Datensicherheit in vernetzten Systemen ist in der Medizintechnik ein absolutes Muss. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und seinem Arzt, bzw. der Klinik, kann stark geschädigt werden, wenn es Sicherheitslücken beim Transport, der Verarbeitung und Speicherung der persönlichen Daten gibt. Ist es in Zukunft möglich oder erforderlich, dass Patientendaten in der Cloud gespeichert werden? Was bedeutet die weltweite Verfügung seiner Daten im Netz für den Patienten?
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Vor- und Nachteile der weltweiten Datenverfügbarkeit
Es kann natürlich von großem Vorteil sein, wenn man in einem entlegenen Winkel der Erde in eine Notsituation gerät, und der Arzt vor Ort die komplette Akte des Patienten einsehen und somit seine Behandlung entsprechend anpassen kann, z.B. unter Berücksichtigung von Unverträglichkeiten gegenüber Arzneimitteln. Auf der anderen Seite besteht immer die Gefahr, dass diese Daten in die falschen Hände geraten und im schlimmsten Fall manipuliert und gezielt gegen die Person verwendet werden können. Hier tut sich ein sehr interessanter und vielversprechender Markt auf. Denn die Frage lautet nicht, ob diese Daten im Netz verfügbar sein werden, sondern wann.
Personal Health & Fitness-Geräte
Ein neuer Trend hat sich in den letzten zwei Jahren massiv verstärkt: Personal Health & Fitness-Geräte sind überall zu sehen. Im Zusammenspiel mit Smartphone Apps beeinflussen sie unser Bewegungsverhalten und tragen somit zu unserem Wohlbefinden bei. Es handelt sich um Activity Armbänder wie z.B. Polar Loop, Withings Pulse, Nike Fuelband und Samsung Gear Fit, die unsere Aktivitäten über den Tag hin mit Sensoren aufnehmen und mit diesen Daten unsere Schrittzahl, zurückgelegte Wegstrecke und den Energieverbrauch berechnen.
Die Ergebnisse werden über Bluetooth Low Energy an das Smartphone übertragen, wo sie in optisch ansprechender Form in diversen Apps wie Polar Flow, Runkeeper oder Runtastic dargestellt werden. Diese sind größtenteils mit Diät-Apps kombinierbar, bei denen der Benutzer seine Nahrungsaufnahme dokumentiert, und somit zusammen mit den genannten Activity Apps seinen persönlichen Energieverbrauch ermitteln kann.
Die nächste Ausbaustufe dieser Geräte sind dann Sportuhren, die zusätzlich zu den Aktivitätssensoren optische Schnittstellen zur Puls- und Sauerstoffsättigungsmessung beinhalten. Bei einigen Anbietern sind zudem GPS-Module integriert, mit denen Sportler die zurückgelegte Strecke dokumentieren können.
Bessere Prävention durch medizinische Gadgets
Doch was haben diese „Gadgets“ mit Medizintechnik zu tun? Das Stichwort lautet: Prävention. Es geht darum, die Menschen zu mehr Bewegung und einem gesünderen Lebensstil zu animieren. Dadurch kann man die Anzahl der Neuerkrankungen im Bereich von Adipositas, Diabetes und chronischen Rückenschmerzen deutlich senken. Dies wird am besten mit Belohnungen und positiver Verstärkung erreicht.
Mit all diesen Apps haben die Benutzer die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in den sozialen Netzwerken zu teilen. Dadurch entsteht ein positiver Wettbewerbsgedanke, der noch durch Belohnungen seitens der App-Hersteller verstärkt wird. Nach einer Studie von IHS Technology wird dieser Markt von 1,3 Mrd. US-$ in 2013 auf 2,8 Mrd. US-$ in 2019 wachsen. Ebenfalls von IHS stammt die Aussage, dass in den nächsten Jahren die drahtlose Kommunikation in diesem Bereich zweistellige Zuwachsraten haben wird.
Der Mensch muss Kontrolleur der Technik bleiben
Internet of Things (IoT) ist in aller Munde, da macht die Medizintechnik keine Ausnahme. Wie bereits erwähnt, wird es in Zukunft mehr und mehr Geräte, Sensoren und Anwendungen geben, die sich um unsere Gesundheit kümmern. Ob alle diese Neuerungen Sinn machen, sei dahingestellt.
Am Ende, und hier möchte ich den Schlusssatz der Expertenrunde nochmals aufgreifen, soll und muss der Mensch die vollständige Kontrolle über die Anwendung neuer Technologie behalten. Erst dann können der Patient und sein Arzt die volle Bandbreite der sich bietenden Möglichkeiten nutzen.
Stand: 08.12.2025
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* Markus Vogt ist Vertical Sement Director Healthcare EMEA bei EBV Elektronik