COGD Expo 2026 Live-Erlebnis Obsoleszenzmanagement

Von Heinz Arnold* 6 min Lesedauer

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Die COGD Expo 2026 in Frankenthal sollte in diesem Jahr zu einem interaktiven Erlebnis zwischen allen Akteuren werden, die im Obsoleszenzmanagement eine Rolle spielen. Tatsächlich konnten hier Obsoleszenzmanagement gelebt und Netzwerke gesponnen werden – über 100 Aussteller und Besucher waren begeistert.

Obsoleszenzmanagement wandelt sich zu einer umfassenden Strategie: Blick in den Vortragssaal im CongressForum Frankenthal, wo die COGD expo 2026 stattfand.(Bild:  Dirk Thiesen)
Obsoleszenzmanagement wandelt sich zu einer umfassenden Strategie: Blick in den Vortragssaal im CongressForum Frankenthal, wo die COGD expo 2026 stattfand.
(Bild: Dirk Thiesen)

Die vielfältigen Verwerfungen in den Lieferketten über die vergangenen Jahre sollten eigentlich gezeigt haben, wie wesentlich ein funktionierendes Obsoleszenzmanagement für den Erfolg eines Unternehmens ist – dennoch hat sich das offenbar in viel zu vielen Unternehmen immer noch nicht so recht herumgesprochen. Jedenfalls wird die Dringlichkeit des Obsoleszenzmanagements oft nicht in ihrer ganzen Bandbreite erkannt, wie Axel Wagner, Vorstandsvorsitzender der COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) e.V. auf der COGD Expo 2026 betonte.

Axel Wagner, Vorsitzender der COGD: „Wir haben auf der COGD expo 2026 den Netzwerkaspekt auf der COGD expo 2026 noch stärker in den Vordergrund gestellt, um die Diskussionen unter den unterschiedlichen Unternehmen und Branchen zu befördern.“(Bild:  COGD)
Axel Wagner, Vorsitzender der COGD: „Wir haben auf der COGD expo 2026 den Netzwerkaspekt auf der COGD expo 2026 noch stärker in den Vordergrund gestellt, um die Diskussionen unter den unterschiedlichen Unternehmen und Branchen zu befördern.“
(Bild: COGD)

Ging es früher hauptsächlich darum, die Problematik rund um abgekündigte Bauelemente in den Griff zu bekommen, hat sich das Bild heute grundsätzlich gewandelt. „Wie sich der Schaden, der durch abgekündigte Komponenten entsteht, minimieren lässt, ist längst nicht mehr die einzige Aufgabe des Obsoleszenzmanagements. Es wandelt sich vielmehr zu einer umfassenden Strategie, die bereits im Designprozess starten muss“, so Wagner. Diese Strategie umfasst Themen wie Abkündigung von Technologien, Störungen in den Lieferketten durch Naturkatastrophen und geopolitische Entwicklungen genauso wie Compliance und Regulierungen, beispielsweise REACH und RoHS.

Felix Förnzler von Silicon Experts beispielsweise machte auf der Konferenz darauf aufmerksam, dass die RoHS-Ausnahmeregelungen 2027 auslaufen werden. Die damit einhergehende Problematik würde nach seinen Beobachtungen allerdings von vielen Marktteilnehmern nach wie vor unterschätzt. Oliver Hoffmann von Z2Data und Dr. Jörg Berkemeyer von Accuris erklärten, dass ihrer Ansicht nach viele Unternehmen der gesamten Compliance-Problematik viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkten.

Compliance-Problematik hat zu wenig Aufmerksamkeit

Die Statements gaben sie auf der Bühne der COGD expo 2026 ab, auf der Moderatorin Stefanie Kölbl von TQ Systems zu Beginn der Veranstaltung die 23 Aussteller vorstellte, die sich in diesem Jahr im CongressForum Frankenthal eingefunden hatten. Hier konnten sie unter anderem aufgrund der Fragen von Stefanie Kölbl erläutern, wie ihr Unternehmen Firmen aus unterschiedlichsten Industriebereichen helfen kann, Obsoleszenz zu verhindern oder daraus resultierende Probleme zu lösen.

Eine weitere Frage von Stefanie Kölbl lautete, welche Probleme aus Sicht der Aussteller häufig unterschätzt würden. Einige der Antworten: Viele mittelständische Unternehmen würden sich immer noch zu sehr auf die Komponentenlieferanten und deren offizielle Lieferzeiten verlassen, sie sollten immer damit rechnen, dass Bauelemente immer wieder einmal ohne Vorwarnung nicht mehr zur Verfügung stünden und dass es deshalb sinnvoll wäre, Second-Source-Lieferanten aufzubauen.

Zudem werden nicht nur Komponenten abgekündigt, sondern auch Technologien. Was laut Sandro Holzmann vom Schweizer Display-Spezialisten DMB Technics ebenfalls unterschätzt werde: „Das Obsoleszenzmanagement muss schon sehr früh in der Entwicklungsphase mit einbezogen werden!“

Netzwerkaspekt steht im Vordergrund

Schon dieser interaktive Einstieg in die COGD expo 2026 zeigte dem Auditorium, dass der Kongress diesmal etwas anders ablaufen wird als in den vergangenen Jahren. „Wir wollten den Netzwerkaspekt noch stärker in den Vordergrund stellen und die Diskussionen unter den unterschiedlichen Unternehmen und Branchen fördern“, sagte Axel Wagner, Vorsitzender der COGD.

Gelebtes Obsoleszenzmanagement: Während der COGD Expo 2026 wurde auch außerhalb der Vortrags- und Ausstellungsräume intensiv über die besten Maßnahmen und Strategien zur Reduzierung von Obsoleszenzrisiken diskutiert.  (Bild:  Dirk Thiesen)
Gelebtes Obsoleszenzmanagement: Während der COGD Expo 2026 wurde auch außerhalb der Vortrags- und Ausstellungsräume intensiv über die besten Maßnahmen und Strategien zur Reduzierung von Obsoleszenzrisiken diskutiert.
(Bild: Dirk Thiesen)

Das ist gelungen: Im Rahmen eines Gewinnspiels wurden den Besuchern des Kongresses Fragen zu den Ausstellerunternehmen gestellt, die sie nur beantworten konnten, wenn sie die Aussteller interviewten. Die Beteiligung war rege und so kam praktisch jeder mit jedem ins Gespräch – was sowohl bei den Besuchern wie bei den Ausstellern sehr gut ankam.

Kein Wunder, denn gelungenes Obsoleszenzmanagement lebt von dem Austausch aller Beteiligten über die gesamte Supply Chain, von den Komponenten-Herstellern über Distributoren, Broker, EMS-Unternehmen, Anbieter von spezialisierten Datenbanken, Anbieter von Analyse- und Monitoring-Tools bis hin zu Anbietern von Life-Cycle-Services und Schulungen. Weil sich Vertreter aus all diesen Disziplinen im CongressForum Frankenthal eingefunden hatten, entwickelten sich lebhafte Diskussionen, also „Obsoleszenzmanagement Live“.

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Obsoleszenzmanagement in großen Firmen

Doch auch der Vortragsteil kam nicht zu kurz: Wie lässt sich Obsoleszenzmanagement in einem großen Unternehmen einführen? Auf diese Frage ging Mike Pepping, Head of Service Support & Digitization von Rheinmetall Air Defence, in seinem Vortrag „Der Weg zum professionellen Obsoleszenzmanagement“ ein. 2019 hatte die Konzernspitze entschieden, ein professionelles System einzuführen.

„Die Geschäftsführung stand dahinter, pro Bereich wurde eine für das OM zuständige Person benannt, der Plan konnte umgesetzt werden, weil der Wandel akzeptiert wurde“, so Pepping. Doch er zählte auch noch einige weitere Faktoren auf, die darüber entscheiden, ob Obsoleszenzmanagement erfolgreich umgesetzt werden kann. Dazu gehören die Datenqualität – „damit bin ich immer noch beschäftigt“, so Pepping –, das notwendige Personal und selbstverständlich ein ausreichendes Budget.

Angefangen hatte Rheinmetall ganz klassisch mit Exel-Tabellen und Word-Dokumenten. Schnell sei aber klargeworden, dass dies zu komplex und ineffizient werde, Dann hat das Unternehmen auf den „LCM Client“ von Amsys gesetzt. Jetzt könne laut Pepping proaktiv gearbeitet werden, denn im „LCM Client“ ließen sich auch vorausschauende Analysen durchführen. Das Ziel bestehe darin, die Anzahl der reaktiven Fälle zu minimieren.

Doch auch das beste Obsoleszenzmanagement kann nicht verhindern, dass immer wieder knappe und abgekündigte Komponenten schnell beschafft werden müssen. Wenn zum Beispiel Hersteller von Bauelementen wie Speicher-ICs mitteilen, dass bestimmte Produkte über einen längeren Zeitraum ausverkauft sind, ist das eine „temporäre Obsoleszenz“. Auch Gunter Aretz von Converge warnte: „Ohne Second Source wird niemand mehr auskommen, gerade im Bereich der Speicher-ICs.“ Das werde unterschätzt.

Die Rolle unabhängiger Lieferanten

In einem weiteren Vortrag erläuterte Lars Kiera, Geschäftsführer von RTS Electronic, die Rolle der unabhängigen Lieferanten in der Supply Chain. Er geht davon aus, dass auch weiterhin Allokationen in regelmäßigen Abständen alle vier bis sechs Jahre auftauchen.

Und wie sich die IC-Hersteller in solchen Zeiten der Knappheit verhalten, das könne aus einer vor Jahren in der Elektronikbranche für Aufsehen sorgenden Aussage von Kurt Sievert, damals CEO von NXP, abgeleitet werden. Er bekannte freimütig: „Wenn Chips knapp werden, werden die beliefert, die mit uns strategisch zusammenarbeiten.“ Deshalb sei klar: die mittelständischen Kunden haben das Nachsehen. „Jeder muss sich selbst schützen“, so folgerte Kiera.

Aber wie? Kritische Komponenten müssten auf Lager gelegt werden, frühzeitig zu bestellen, reiche nach seiner Ansicht bei weitem nicht aus: „Wer sich auf Lieferzeiten verlässt, wird scheitern.“ Kiera rät, Pufferzonen einzurichten und einen Planungshorizont von über zwölf Monaten anzustreben: „Der „Schmerz“ sollte möglichst über die gesamte Lieferkette verteilt werden!“

Doch so viel Mühe sich die Unternehmen auch geben, die auf Komponenten angewiesen sind, es wird sich kaum vermeiden lassen, dass plötzlich bestimmte Bauelemente schnell ersetzt werden müssen. Da kommen nach seinen Worten die unabhängigen Distributoren ins Spiel: „Es lohnt sich, schon früh feste Lieferanten für die Fehlteilbeschaffung aufzubauen.“

Franchise und Indepent Distributors: Das Verhältnis machts

Eine gute Quelle seien hier oft Independent Distributors, die aus den unterschiedlichsten Quellen Ware einkaufen und genau das Produkt liefern können, das ein Kunde gerade dringend sucht. Es gebe inzwischen genügend Independent Distributors, die über spezielles Equipment verfügen, um die Komponenten auf Herz und Nieren auf höchstem Niveau testen zu können. Viele Kunden hätten das inzwischen verstanden und wüssten, wem sie vertrauen könnten.

Die gesamte Sourcing-Strategie sollte seiner Meinung nach aus Elementen aufgebaut sein, die in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Ein Pufferlager ist sinnvoll, aber alle kritischen Komponenten einzulagern, wäre viel zu teuer. Die Notwendigkeit, Fehlteile plötzlich beschaffen zu müssen, kann durch Obsoleszenzmanagement zwar reduziert werden, auftreten werden solche Situationen aber immer wieder.

Hier helfen die Independent Distributors. Er empfiehlt ein Verhältnis von Franchise-Distributoren zu Independent Distributors von 80 zu 20. „Alle diese Elemente bilden zusammen den Sicherheitsmechanismus, der vor allem eines verhindern muss: dass Panik ausbricht. Denn wer in Panik handelt, macht mit Sicherheit Fehler“, so Kiera.

Das war auch eine der Kernbotschaften, die die Teilnehmer der COGD Expo 2026 nach Hause nehmen konnten: Wichtigste Aufgabe eines professionellen Obsoleszenzmanagements ist der Aufbau und die kontinuierliche Pflege eines hochflexiblen, jederzeit sowohl proaktiv als auch reaktiv handlungsfähigen Einkaufs-, Logistik- und Lagersystems, das es dem jeweiligen Unternehmen erlaubt, weit vorausschauend zu planen und für plötzlich auftretende Störungen in der Lieferkette entsprechende Handlungspläne in der Schublade zu haben, so dass Panikstimmung gar nicht erst aufkommen kann. (kr)

* Heinz Arnold ist freier Fachautor.

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