Halbleiterumsatz: Das sagen SIA, Gartner und Future Horizons „Halbleitermarkt tritt in eine Schwächephase ein“

Von Kristin Rinortner

Anbieter zum Thema

Auch wenn die aktuellen Umsatzzahlen im Halbleitermarkt im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent besser sind, sank das Wachstum im Juni im Jahresvergleich zum ersten Mal seit Februar 2021 unter 15 Prozent. Das gibt zu denken.

Weltweite Halbleiter-Umsätze: Veränderung von Jahr zu Jahr in Prozent.
Weltweite Halbleiter-Umsätze: Veränderung von Jahr zu Jahr in Prozent.
(Bild: SIA)

Die Semiconductor Industry Association (SIA) hat gestern aktuelle Zahlen für die letzten drei Monate veröffentlicht, die auf Informationen der World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) beruhen. Demnach belief sich der weltweite Umsatz mit Halbleitern im zweiten Quartal 2022 auf 152,5 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 13,3 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2021 und einem Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2022 entspricht.

Der Monatsvergleich lässt allerdings aufhorchen: Im Juni 2022 sank der weltweite Halbleiterumsatz auf 50,8 Mrd. US-Dollar, was einen Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat bedeutet.

Die weltweiten Halbleiterumsätze seien im zweiten Quartal 2022 robust gewesen und wären in allen wichtigen regionalen Märkten und Produktkategorien im Vergleich zum zweiten Quartal des letzten Jahres gewachsen, beruhigt SIA-Chef John Neuffer. Aber auch er konstatiert: „Das Marktwachstum hat sich jedoch in den letzten Monaten etwas verlangsamt, und im Juni sank das Wachstum im Jahresvergleich zum ersten Mal seit Februar 2021 unter 15 Prozent.“

Schwächelnde Halbleiterumsätze in 2022

„Obwohl die Chip-Knappheit nachlässt, tritt der globale Halbleitermarkt in eine Schwächephase ein, die bis 2023 anhalten wird, wenn die Halbleiterumsätze voraussichtlich um 2,5 Prozent sinken werden“, bemerkt auch Richard Gordon, Practice VP bei Gartner.

Im Jahresvergleich (Juni 2021 bis Juni 2022) stiegen die Umsätze in den Americas um 29 Prozent, gefolgt von Japan mit 16,1 Prozent und Europa mit 12,4 Prozent. China weist ein Plus von 4,7 Prozent auf. Im Vergleich zum Vormonat waren die Umsaätze in allen Regionen rückläufig: Japan (-0,7%), Nord- und Südamerika (-0,9%), Europa (-1,1%), Asien-Pazifik/alle anderen (-2,3%) und China (-2,8%).

Damit zeichnet sich ein rückläufiger Trend ab. Laut der jüngsten Prognose von Gartner werden die weltweiten Halbleiterumsätze im Jahr 2022 voraussichtlich nur um 7,4 Prozent wachsen – im Vergleich zu einem Wachstum von 26,3 Prozent im Jahr 2021. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber der Vorquartalsprognose von 13,6 Prozent.

Auch SIA korrigiert die Prognosen um 36,7 Mrd. US-Dollar auf 639,2 Mrd. US-Dollar nach unten, da sich die wirtschaftlichen Bedingungen im Laufe des Jahres verschlechtern dürften.

Neuffer: „Wir sehen bereits jetzt eine Schwäche in den Halbleiterendmärkten, insbesondere in jenen, die von den Konsumausgaben abhängig sind. Steigende Inflation, Steuern und Zinssätze sowie höhere Energie- und Treibstoffkosten setzen das verfügbare Einkommen der Verbraucher unter Druck.“

Halbleiter-Superzyklus ist endgültig vorbei

Dem pflichtet auch Malcolm Penn von Future Horizons in der aktuellen Marktanalyse bei: „Der aktuelle Halbleiter-Superzyklus neigt sich endgültig dem Ende zu und der 17. Marktabschwung hat nun wirklich begonnen.“ Man sei zwar noch nicht bereit, die Prognose formell nach unten zu korrigieren, habe aber den Abschwung im Jahr 2022 bereits Ende letzten Jahres richtig vorhergesagt, wie die Zahlen von WSTS nun belegt hätten.

Es sei die Kombination aus sinkenden Aufträgen bei den Chipherstellern, sinkenden Stückzahlen und damit mangelnder Auslastung der Fabs und einer schwachen Weltwirtschaft, die den Halbleitermarkt im Jahr 2023 in einen Abschwung stürzen wird, so Penn.

2022: Rechenzentren und Automobilelektronik wachsen weiter

„Der Halbleitermarkt befindet sich in einem Abschwung, was nicht neu ist und schon oft vorgekommen ist“, erklärt Gordon. „Während sich der Konsumgüterbereich verlangsamen wird, werden die Halbleitereinnahmen im Bereich Rechenzentren aufgrund der anhaltenden Investitionen in Cloud-Infrastrukturen mit einem Wachstum von 20 Prozent länger stabil bleiben. Darüber hinaus wird die Automobilelektronik in den nächsten drei Jahren weiterhin ein zweistelliges Wachstum verzeichnen, da der Halbleiteranteil pro Fahrzeug aufgrund des Übergangs zu elektrischen und autonomen Fahrzeugen steigen wird. Wir schätzen, dass der Halbleiteranteil pro Fahrzeug von 712 US-Dollar im Jahr 2022 auf 931 US-Dollar im Jahr 2025 steigen wird.“

(ID:48518952)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung