Geschichte der Elektronik Flops und Elektroschocks: 10 gescheiterte Produkte

Von Antonio Funes & Maria Beyer-Fistrich

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Manche Ideen sind gut, doch die Welt noch nicht bereit. Andere Produkte wiederum sind so schlecht durchdacht oder fehlerhaft, dass auch große Konzerne riesige Summen verschwendet haben. Wir stellen Ihnen zehn gescheiterte Erfindungen und Produkte vor.

Die gruselige Rejuvenique-Maske.
Die gruselige Rejuvenique-Maske.
(Bild: Rejuvenique)

Was die Elektrotechnik und elektrisch betriebene oder unterstützte Produkte und Geräte angeht, gibt es etliche bahnbrechende Erfindungen und Innovationen sowie viele erfolgreiche Produkte. Es gibt aber bei all den positiven Beispielen auch Dinge, die zum Flop wurden, zum Teil auch weil die Grundidee schon einfach nur skurril war. Wir haben 10 Produkte herausgesucht, die aus unterschiedlichsten Gründen ein Misserfolg wurden, zum Teil überraschend, meist aber absehbar.

Ferngesteuerter Vierbeiner

Aibo 210 jagt einen rosa Ball.
Aibo 210 jagt einen rosa Ball.
(Bild: / CC0)

1999 kam Sonys Aibo auf den Markt, ein Roboterhund, der auf einige Sprachbefehle hörte. Viel konnte er nicht: Ein wenig herumlaufen, Hindernissen ausweichen, Bellen, eine Streicheleinheit erkennen und daraufhin positiv reagieren sowie – für einen echten Hund schwierig – den ein oder anderen Satz als Antwort von sich geben. Aibo war zwar für den technischen Stand von 1999 ein bemerkenswertes Produkt und hatte sich gemessen am hohen Preis recht gut verkauft, war aber für Sony trotzdem kein gutes Geschäft, sodass der Konzern die Produktion im Jahr 2006 einstellte. Seit 2018 gibt es eine Neuauflage, denn Robotergefährten sind vor allem in alternden Industrienationen noch immer ein Thema. In Deutschland werden auf Liebenswürdigkeit programmierte Hilfsroboter oder Plüschtiere mit eingebauter KI in Pflegeheimen als Ergänzung zur normalen Pflege getestet oder sind bereits Alltagsbestandteil.

"Ein Kühlschrank in der Arktis" 

Wenn von einem Twitter Peek die Rede ist, könnte man auf die Idee kommen, dass es um einen kurzen Blick auf neuesten Trend-Hashtags beim Nachrichtendienst Twitter geht. Denn „to peek“ heißt so viel wie „gucken“. Dass aber kaum jemand bei dem Namen an ein technisches Gerät denkt, zeigt, wie wenig Interesse an dem 2009 veröffentlichten Gadget Twitter Peek bestand. Es hatte eine Form, die einem hochkant gehaltenen Tablet ähnelt. In der oberen Hälfte war ein Display, das Twitter-Tweets und Nachrichten anzeigte. Die untere Hälfte bestand aus einer Tastatur. Mehr als das Lesen und Schreiben von Nachrichten oder Tweets via Twitter war aber nicht möglich. Da es im Jahr 2009 schon Smartphones gab, gab es für das Twitter Peek keine  Existenzberechtigung. 

Wer schön sein will...

Muskeln mithilfe von Elektroschocks zu aktivieren, um sie dadurch wiederum zu trainieren, ist ein altes Konzept. Dass man mit dem regelmäßigen Nutzen einer Maske, die die Gesichtsmuskeln unter Strom setzt, aber jünger aussehen soll, ist eine gewagte These. Trotzdem kam in den 1990er-Jahren die Maske „Rejuvenique“, auf Deutsch heißt dies in etwa „Rückverjüngung“, auf den Markt. Sollte diese Maske wirklich bei manch einem geholfen haben, jünger auszusehen, dürften auf der anderen Seite aber wiederum gegenteilige Effekte entstanden sein. Nämlich durch all die Menschen, die einer die Rejuvenique tragende Person nichtsahnend begegneten und vor Schreck um Jahre alterten.

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Apples Flop

Die wohl populärste Legende zu Äpfeln ist neben der Sünde im Paradies die Anekdote, laut der Isaac Newton auf die Idee zur Schwerkraft-Theorie kam, weil ihm ein Apfel auf den Kopf fiel. Und natürlich ist ein Produkt namens Newton daher ideal für den IT-Konzern Apple. Zu dumm nur, dass Apple den Namen Newton im Jahr 1993 ausgerechnet für ein Produkt verbrannte, das ein Riesenflop wurde. Es handelte sich bei dem Apple Newton um einen digitalen Assistenten, der unter anderem auch handschriftliche Eingaben über ein druckempfindliches Display erkennen sollte. Dies funktionierte aber extrem schlecht, die Zeit war einfach noch nicht reif für die Technik, zumal satte 700 Dollar fällig wurden (Äquivalent heutzutage: etwa 1200 Dollar). Apple investierte geschätzt etwa 100 Millionen Dollar quasi für nichts, 1998 wurde der Apple Newton vom Markt genommen. 

Ein zu teurer Junior 

IBM schaffte es, 1984 einen rein sachlich gesehen ordentlichen Heimcomputer zum Desaster werden zu lassen. Damals war vor allem der Commodore C64 als für Normalverdiener bezahlbarer Heimcomputer erfolgreich. IBM wollte eine Konkurrenz schaffen und tat dies auch in Form des PCjr, also quasi einem Junior-PC. Der PCjr hatte aber gleich mehrere Haken. Zum einen war es der Preis: Wer ausreichend viel Speicher, ein Diskettenlaufwerk und die nötigen Kabel mit einrechnete, kam direkt auf einen deutlich höheren Preis als für einen ebenso ausgestatteten Commodore C64. Zwar hatte der PCjr sogar eine separate, kabellose Tastatur. Die Tasten hatten aber eine schwammige Haptik, und vor allem im schulischen Bereich, für den ein mit mehrerer solcher PCs ausgestattetes Lernzimmer an sich prädestiniert war, war ein Tastatur-Feature eher ein Hindernis. IBM verwendete Infrarot als kabellose Technik – somit konnte es passieren, dass Tastaturbefehle auch ungewollt bei anderen in Sichtlinie zur Tastatur stehenden PCs ankamen. Der Sargnagel für den PCjr war allerdings, dass er trotz identischem Prozessor (Intel 8088) nicht zu den vollwertigen IBM-PCs kompatibel war.

Der gläserne Mensch

IBM PCjr mit Originalbildschirm und "Chiclet"-Tastatur (Kaugummitastatur)
IBM PCjr mit Originalbildschirm und "Chiclet"-Tastatur (Kaugummitastatur)
(Bild: / CC0)

Die Datenbrille Google Glass war an sich ein Traum für Menschen, die normalerweise auf ihr Handydisplay starrend durch die Gegend laufen oder sich auch mal ein wenig wie Geordi La Forge von der Enterprise fühlen wollten. Denn ein Teil der internetfähigen Brille bietet einen kleinen Monitor, um im Stile eines HUDs Informationen und Grafiken einzublenden. Außerdem hat die Brille eine kleine Kamera. Man kann also die Umgebung filmen und sich bei Bedarf auch Daten zu den erfassten Dingen anzeigen lassen. Doch obwohl die Google Glass technisch und funktional gut umgesetzt war, scheiterte sie wirtschaftlich komplett. Der simple Grund dafür ist, dass kaum jemand zu einem sogenannten „Glasshole“ werden wollte, einer Wortschöpfung aus "glass" und "asshole". Denn sobald bekannt wurde, was mit einer Google Glass möglich war, wehrten sich etliche Leute dagegen, dass andere Menschen in der Öffentlichkeit eine solche Datenbrille benutzen, und ächteten die Träger von Google Glasses geradezu. Die Bedenken führten wiederum dazu, dass selbst die Leute, die an sich am Konzept Interesse hatten und vernünftig damit umgehen wollten, von einem Kauf absahen.

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Ausgedreht

Die MD (Mini-Disc) startete Anfang der 1990er-Jahre auf dem Massenmarkt und war anfangs durchaus beliebt. Eine MD war kleiner als eine Kompakt-Kassette, und neben stationären Playern gab es auch tragbare Player, die länger durchhielten als damalige tragbare Kassetten- oder CD-Player und freilich auch kleiner waren. Eine Aufnahme von Musik war digital möglich, sodass man CDs auf MD relativ verlustfrei überspielen konnte. Doch schon kurze Zeit später kam das MP3-Format, das sich dank bezahlbarem Internet rasant verbreitete, sodass der Vorteil des digitalen Kopierens von Musik auf Seiten der MD nicht mehr so ins Gewicht fiel. Bevor sich die MD richtig etablieren konnte, verschwand sie bereits wieder.

Betamax und Video 2000

Die frühen Betacam-Kassetten (links) sind mit Betamax (rechts) austauschbar, die Aufnahmen jedoch nicht.
Die frühen Betacam-Kassetten (links) sind mit Betamax (rechts) austauschbar, die Aufnahmen jedoch nicht.
(Bild: / CC0)

Die 1970er-Jahre zeigen, dass man mit einer guten Innovation scheitern kann, wenn man moralische Aspekte mit in seine Geschäftsstrategien einbezieht. Denn die Heimvideo-Konzepte Betamax von Sony sowie Video 2000 von Philips und Grundig waren von der Bildqualität her und auch was andere Dinge wie die Aufnahmedauer angeht der VHS-Technik von JCV überlegen. Zuerst herrschte eine jahrelange Unsicherheit über den Gewinner des Dreikampfes, bei der alle Formate immer wieder mit kleinen Verbesserungen aufwarteten. Trotzdem setzte sich bekanntermaßen VHS durch. Dies lag zum einen daran, dass die VHS-Rekorder kompakter waren und der Fokus sehr auf die Eignung für Privatleute ausgelegt war. Zum anderen sind sich viele Fachleute auch einig, dass der endgültige Todesstoß für Betamax und Video 2000 der Tatsache geschuldet war, dass Sony und Philips der Pornoindustrie partout keine Nutzungslizenzen zur Vermarktung der Filme in deren Formaten geben wollten. Die Folge war, dass immer mehr Videotheken Erotik- und Porno-Filme im VHS-Format anboten und es auch immer mehr reine Porno-Videotheken gab, natürlich rein auf VHS setzend. In der Folge setzten dann auch immer mehr normale Videotheken vermehrt auf VHS, und somit war die Sache klar. 

ISDN Bildtelefonie 

Heutzutage kann man sich ein Einsteigersmartphone für 60 Euro kaufen und mit kostenfreien Apps ein Videogespräch mit Menschen auf der ganzen Welt starten. Wer dies mobil machen will, kann sich für fünf Euro ein passendes Datenkontingent kaufen. 1997 war dies gelinde gesagt ein wenig teurer, und auch viel zu teuer, um selbst damals, als das erste iPhone noch 10 Jahre entfernt war, eine Erfolgschance zu haben. Denn ein Zweierpack des Telekom-Telefons T-Views kostete knapp 1800 DM (etwa 1400 Euro inklusive Inflation). Das T-View war ein Telefon, das die damals typische Büro-Optik hatte: ein großes Gehäuse mit vielen Tasten, ein abnehmbarer Hörer und als Besonderheit ein kleines Display an der Oberseite für die Videotelefonie. Das T-View war knapp vier Jahre im Handel, einen direkten Nachfolger gab es nicht.

Falsches Format

Eine Super Audio CD verwendet zwei Schichten und die standardisierte Brennweite herkömmlicher CD-Player, damit beide Arten von Playern die Daten lesen können
Eine Super Audio CD verwendet zwei Schichten und die standardisierte Brennweite herkömmlicher CD-Player, damit beide Arten von Playern die Daten lesen können
(Bild: / CC0)

DVD-Audio und SACD sind zwei Musikdisc-Formate, die es seit 1999 respektive 2000 und auch heute noch gibt – sie fristen aber ein absolutes Nischendasein. Auf DVD-Audio wird Musik mit Surround-Informationen gespeichert. Doch wegen des Erfolgs des MP3-Formats wollte die Masse an Menschen nicht mehr umsteigen und auch nicht extra auf ein für die DVD-Audio-Aufnahmen nötiges 5.1-Soundsystem setzen. Wer schon ein 5.1-Set hat, verwendet es zudem meist für Filme und kauft sich dann eher eine Konzert-DVD mit Bild anstatt eine reine Surround-Audio-DVD. Doch was ist mit SACD? Das SA steht für „Super Audio“, denn es handelt sich um CDs mit einem größeren Frequenzspektrum. Allerdings ist die Zielgruppe viel zu klein für einen echten Erfolg. Um die Vorteile zur Geltung zu bringen, sind teure HiFi-Anlagen nötig. Zudem kann der größte beworbene Vorteil, nämlich die Wiedergabe von Frequenzen über 20 kHz, von kaum jemandem genutzt werden. Schon ab etwa 20 Lebensjahren nehmen die meisten Menschen nicht mal mehr Töne oberhalb von etwa 18 kHz wahr. Selbst wer also aus Klanggründen die MP3 verschmäht, kann mit einer SACD anstelle einer CD oder Vinyl kaum etwas anfangen.

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