Nach langem Hin und Her schickt der japanische Softbank-Konzern seine britische Tochter Arm an die Börse. Allerdings nicht an die heimische in London, sondern an die US-amerikanische Nasdaq in New York. Softbank strebt eine Bewertung von bis zu 70 Milliarden US-Dollar an. Es wäre das wohl größte IPO des Jahres.
Arms Hauptquartier im britischen Cambridge: Der aktuelle Eigner Softbank will den Prozessor-IP-Spezialisten nach der fehlgeschlagenen Akquise durch Nvidia schnell an die Börse bringen.
Der ursprünglich britische Chipentwickler Arm, dessen lizensierte IP-Cores in hunderten von Milliarden Mikrocontrollern und System-on-Chips in ebenso vielen Endgeräten stecken, soll an die Börse. Sein Mutterkonzern Softbank hatte diesen Schritt bereits im letzten Jahr angekündigt, jedoch immer wieder verschoben. Nun haben beide Unternehmen offiziell bei der Börsenaufsichtsbehörde einen Antrag zur Listung gestellt. In ihrem Antragsdokument gab es keine Angaben zum Volumen und Preis der Arm-Aktienplatzierung. Doch angesichts der enormen Bedeutung des Chipdesigners für die Branche ist klar: Es könnte der größte Börsengang des Jahres in den USA werden.
Wie das Börsenprospekt zeigt, ist das Geschäft von Arm stabil und wirft satte Gewinne ab. Im Ende März abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Unternehmen demnach 524 Millionen US-Dollar Gewinn – bei rund 2,68 Milliarden US-Dollar (2,46 Mrd. Euro) Umsatz. Im Geschäftsjahr 2020 waren es 549 Millionen US-Dollar Gewinn bei einem Umsatz von rund 2,7 Milliarden US-Dollar.
Obwohl Arm ein ursprünglich britisches Unternehmen ist und sein Hauptsitz nach wie vor in Cambridge liegt, hat sich Softbank für die US-amerikanische Börse Nasdaq entschieden, an der viele Technologieschwergewichte wie AMD, Apple, ASML, Applied Materials, Intel, Qualcomm, Nvidia, Microsoft, Google und auch Facebook-Mutter Meta gelistet sind. Apple, Nvidia und Qualcomm zählen zu den Hauptkunden von Arm.
Jetzt doch: Arm-Börsengang nach turbulenten Zeiten
Arm hatte in den letzten Jahren sehr turbulente Zeiten durchgemacht. Seit der Übernahme von Arm im Jahr 2016 hatte Softbank viele hochtrabende Pläne für sein neues Technologie-Juwel angekündigt, sich aber dann in überteuerte Zukäufe und missglückte Investitionen in teils bereits übersättigte Märkte verrannt und letztlich Milliardenverluste verbuchen müssen. Beispiele dafür waren Beteiligungen am Fahrdienst Uber und am New-Work-Startup WeWork. Bereits 2020 vermuteten Branchenkenner, dass Softbank-Gründer und CEO Masayoshi Son einen Börsengang des wieder separierten Unternehmens Arm anvisieren könnte.
Ende 2020 dann der nächste Aufreger: Grafik- und KI-Chipspezialist Nvidia hatte angekündigt, den Chipentwickler Arm übernehmen zu wollen. Der potenzielle Deal wurde ursprünglich mit rund 40 Milliarden US-Dollar bewertet, zwei Jahre später gar mit knapp 80 Milliarden US-Dollar. Doch nicht nur Kunden und Konkurrenten wie Apple, Intel, Xilinx (jetzt AMD), Samsung und Qualcomm sahen die Unabhängigkeit der Chipschmiede, ihrer IP-Designs und Geschäftsmodelle gefährdet. Auch Wettbewerbshüter fanden keinen Gefallen an der Übernahme und verweigerten letztlich ihre Zustimmung. Die Übernahme von Arm durch Nvidia war geplatzt. Ian King, Analyst beim Marktbeobachter Bloomberg mutmaßte daraufhin: „Softbank hat den Peak für den IPO verpasst.“
Danach brachten mehrere Branchenschwergewichte die Idee vor, dass ein Industriekonsortium Arm übernehmen könnte. Als potenzielle Investoren hatten sich Qualcomm und Intel in Stellung gebracht. Laut Branchendienst Bloomberg war wohl auch Technologieriese Samsung an einer strategischen Allianz mit Arm samt Beteiligung interessiert. Doch auch daraus wurde nichts.
Massive Entlassungswelle: Aufhübschen für den Börsengang
Gegen Ende des letzten Jahres verdichteten sich dann die Hinweise, dass Softbank Arm in den USA an die Börse bringen will. Untrügliches Zeichen war eine massive Entlassungswelle bei Arm, die weltweit rund ein Fünftel der Belegschaft den Job kostete. Die Massenentlassungen hatte der damals neue Arm-Geschäftsführer Rene Haas schon im März angekündigt, im Oktober dann durchgezogen.
Bei den Risiko-Faktoren widmete Arm in dem Börsenprospekt dem Geschäft in China viel Platz. Aus dem weltgrößten Smartphone-Markt kam im vergangenen Jahr ein Viertel der Arm-Erlöse. Die Lizenzen für Arms Chipdesigns werden dort von der Firma Arm China verkauft, an der chinesische Investoren die Mehrheit von 52 Prozent halten. Arm gehören lediglich zehn Prozent an der Softbank-Tochter, die den Rest der Anteile kontrolliert. Risiken für das Geschäft sieht Arm sowohl in dieser Struktur als auch durch den Technologie-Wettstreit zwischen Peking und Washington. Einige leistungsstarke Arm-Chips sind bereits von US-Beschränkungen für Exporte nach China betroffen.
Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg erwog Softbank für den Börsengang eine Gesamtbewertung von 60 bis 70 Milliarden Dollar für Arm. Ursprünglich sei ein Erlös von acht bis zehn Milliarden Dollar angestrebt worden. Doch die Einnahmen könnten geringer ausfallen, da Softbank einen höheren Anteil behalten wolle, hieß es. (me)
Stand: 08.12.2025
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