Britischer Chipdesigner bleibt unabhängig Nvidia darf ARM nicht kaufen – Jetzt Börsengang

Von Michael Eckstein

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Nun ist es offiziell: Grafikkarten-Riesen Nvidia gibt die geplante Übernahme des britischen Chip-Designers ARM auf. Der Deal wurde zwischenzeitlich mit knapp 80 Mrd. US-Dollar bewertet. Nun hat ARM-Eigner Softbank andere Pläne für die Briten.

Kein Happy End: Die Hochzeit von ARM und Nvidia bleibt aus. Zu groß waren die Widerstände seitens der Wettbewerbswächter und der Druck seitens der Kunden.
Kein Happy End: Die Hochzeit von ARM und Nvidia bleibt aus. Zu groß waren die Widerstände seitens der Wettbewerbswächter und der Druck seitens der Kunden.
(Bild: NVIDIA)

Die milliardenschwere Übernahme des Chipdesigners ARM durch den Grafikkartenspezialisten und KI-Branchenriesen Nvidia ist nach dem Widerstand von Konkurrenten und Wettbewerbshütern endgültig geplatzt. Das gaben Nvidia und Softbank in einer Mitteilung am heutigen Dienstag bekannt – und verwiesen auf „regulatorische Herausforderungen“ als Grund für die Aufgabe der Transaktion. Tatsächlich hatte die US-Regierung dem Deal im Grunde bereits Anfang Dezember den Stecker gezogen, indem sie gegen die Übernahme klagte. Die amerikanische Handelsbehörde FTC begründete diesen Schritt mit der Befürchtung, dass der Zusammenschluss Innovationen bremsen können. Bereits im Herbst letzten Jahres gab es erste Zeichen, dass der Deal scheitern könnte.

Der japanische ARM-Eigentümer Softbank hat sich offenbar bereits auf das Scheitern des Verkaufs vorbereitet und direkt eine Alternative präsentiert, wie es mit ARM weitergeht: Demnach will Softbank den Chip-Designer rasch an die Börse bringen.

ARMs Unentbehrlichkeit hat den Verkauf verhindert

Chips auf Basis von ARM-Architektur stecken in fast allen Smartphones, die Prozessor-IP ist Teil von Milliarden von Mikrocontrollern, die wiederum in unzähligen Embedded-Systemen stecken – von der Ampel bis zur (E-)Zahnbürste. Und am anderen Ende der Leistungsskala erobern erste ARM-basierte Server-Chips die Rechenzentren.

Diese Unentbehrlichkeit hat letztendlich den Verkauf des Konzerns an den Grafikkarten-Riesen Nvidia verhindert: Rivalen und Aufseher befürchteten massive Nachteile und Marktverzerrungen durch die schiere Macht eines fusionierten Unternehmens. Schließlich hätte Nvidia neu oder weiter entwickelte ARM-Funktionen zunächst für sich nutzen und so die eigene Marktposition stärken können. Der Grafikkarten-Spezialist hatte stets versichert, nicht so agieren zu wollen, traf aber trotzdem auf starken Gegenwind.

Nvidia setzte bereits im September 2020 zum damals rund 40 Milliarden US-Dollar (aktuell 34,9 Mrd. Euro) schweren Kauf der britischen Firma an. Mit dem Kursanstieg der Nvidia-Aktie war das Volumen zwischenzeitlich fast doppelt so hoch.

ARM wird immer mehr zur echten Konkurrenz für Intels x86-Architektur

Besonders in Mobilgeräten haben sich ARM-basierte System-on-Chips schnell gegen Chips des Halbleiter-Riesen Intel durchgesetzt. Ein Grund dafür ist, dass sie energieeffizienter arbeiten. So entwickeln unter anderem Apple und Samsung die Prozessoren für ihre Smartphones und Tablets mit ARM-Designs. Auch der Chipkonzern Qualcomm, dessen Snapdragon-Chips in vielen Android-Telefonen stecken, greift darauf zurück.

Darüber hinaus kommen Chips mit ARM-IP verstärkt in Notebooks und All-in-One-PCs zum Einsatz, etwa von Apple, Lenovo oder auch Acer. Am anderen Ender der Leistungsskala werden Chips auf Basis von ARM-Designs inzwischen auch in Rechenzentren eingesetzt. Durch dieses enorm breite Anwendungsspektrum wird die ARM-Architektur immer mehr zur direkten Konkurrenz der primär von Intel und AMD genutzten x86-Architektur.

ARM-Architektur: Siegeszug durch Energieeffizienz – und Unabhängigkeit

Der japanische Technologiekonzern Softbank rüttelte als Eigentümer nicht an der Unabhängigkeit von ARM. Das war ein entscheidender Grund für die Beliebtheit der Prozessortechnik.

Angesichts der geplanten Übernahme durch Nvidia befürchteten viele Akteure, dass genau diese Unabhängigkeit bald Makulatur sein könnte – was schnell zu Unruhe in der Technologie-Branche führte. So befürchteten einige ARM-Kunden, dass der amerikanische Grafikkarten-Spezialist ein Interesse daran haben könnte, künftige ARM-Architekturen besser mit seinen eigenen Produkten zu verzahnen – was ihre eigene Wettbewerbsposition verschlechtern würde. Nvidia wies solche Ängste stets zurück.

Softbank behält nun 1,25 Milliarden Dollar, die Nvidia bereits bezahlt hatte. Der Börsengang soll in dem bis Ende März 2023 laufenden nächsten Geschäftsjahr von Softbank über die Bühne gehen.

Mit Material von dpa

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