Strategische Partnerschaft oder Beteiligung Steigt Samsung bei Arm ein?

Von Michael Eckstein

Der gewöhnlich sehr gut informierte Nachrichtendienst Bloomberg meldet, dass Arm-Eigner Softbank plant, den Prozessor-IP-Spezialisten in eine strategische Allianz mit dem südkoreanischen Elektronikriesen Samsung einzubringen. Dieses Mal soll der Deal nicht zum Rohrkrepierer werden wie die geplatzte Übernahme durch Nvidia.

Im Juni hatte Samsung Electronics als erstes Unternehmen die Chipproduktion mit einem 3-nm-Technologieknoten aufgenommen – und damit Foundry-Marktführer TSMC überboten. Auch in vielen anderen Bereichen ist der südkoreanische Elektronikriese führend. Nun steht eine Beteiligung am britischen Prozessor-IP-Designer Arm im Raum.
Im Juni hatte Samsung Electronics als erstes Unternehmen die Chipproduktion mit einem 3-nm-Technologieknoten aufgenommen – und damit Foundry-Marktführer TSMC überboten. Auch in vielen anderen Bereichen ist der südkoreanische Elektronikriese führend. Nun steht eine Beteiligung am britischen Prozessor-IP-Designer Arm im Raum.
(Bild: Samsung Electronics)

In den letzten Jahren hat das Mulitfirmen-Konglomerat Softbank Milliardenverluste gemacht und braucht daher Geld. Teile seines Tafelsilbers hat Masayoshi Son, CEO der SoftBank Group, bereits veräußert, etwa Anteile am Fahrdienst Uber und am chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba. Der Verkauf des milliardenschweren IP-Designers Arm an Nvidia scheiterte jedoch letztlich. Nun gibt es einen neuen Anlauf: Eine strategische Allianz mit Samsung Electronics (Samsung) ist laut Medienberichten angedacht.

Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, plant Tycoon Son zum ersten Mal seit drei Jahren nach Seoul zu reisen, um dort mit der Geschäftsführung von Samsung eine mögliche Partnerschaft zwischen Arm und dem südkoreanischen Chip- und Elektronikhersteller zu besprechen.

Bloomberg zitiert einen SoftBank-Sprecher: Demnach wolle Son „mit Samsung über eine strategische Allianz für Arm sprechen.“ Der stellvertretende Vorsitzende von Samsung Electronics, Jay Y. Lee, bestätigte laut Bloomberg vor Reportern in Seoul die Reiseabsichten des Arm-Eigners. Demnach könnte Son nächsten Monat nach Seoul kommen, um über ARM zu sprechen. „Ich glaube, er wird wahrscheinlich einen Vorschlag machen“, wird Lee zitiert.

Wird sich Samsung an Arm beteiligen?

Daraus leiten koreanische Marktbeobachter ab, dass auch Samsung an einer Allianz oder gar Beteiligung an Arm interessiert ist. So berichtet die KoreaTimes, der Kommentar des Samsung-Topmanagers sei – vor dem Hintergrund der sonst gepflegten Verschlossenheit des Elektronikriesen-Topmanagements – „eine Überraschung, die auf den Wunsch nach einem Kauf von Arm hindeutet“. Konkrete Angaben über eine mögliche Beteiligung gibt es bislang nicht.

Grundsätzlich würde Arm gut in das Portfolio von Samsung passen: Das Unternehmen ist Marktführer bei Flash- und RAM-Speichern und entwickelt System-on-Chips, etwa die Exynos-Baureihe, deren Mikroprozessorkomponente auf Arm-Technik basiert. Eigene Prozessordesigns hat Samsung – anders als etwa Nvidia – bislang nicht entwickelt. Dieser Umstand könnte Wettbewerbshüter besänftigen, sollte Samsung bei Arm einsteigen.

Mehrere Optionen für die Zukunft von Arm

Nach dem geplatzten Verkauf des IP-Entwicklers an Nvidia – gegen den zeitweise mit rund 80 Milliarden US-Dollar bewerteten, sehr umstrittenen Deal hatte zuletzt die US-Wettbewerbsaufsicht interveniert – lag der Fokus von Son darauf, Arm in den USA an die Börse zu bringen. Doch die Bedingungen für einen IPO sind mittlerweile deutlich schlechter als noch letztes Jahr, da Geld angesichts anziehender Zinsen längst nicht mehr so günstig zu beschaffen ist.

Das britische Unternehmen verkauft und lizenziert Halbleitertechnologie, die in allen möglichen Geräten steckt – von Smartphones bis hin zu Supercomputern. Die enorm weite Verbreitung der Arm-Technologie in der milliardenschweren Chipindustrie beruht auf dem Vertrauen, dass niemand einen privilegierten Zugang zu seiner Technologie erhält. Genau das stand aber bei der zuletzt gescheiterten Nvidia immer in Frage, und trotz aller Bemühungen und Zusicherungen konnte Nvidia-CEO Jensen Huang die Zweifel nie wirklich ausräumen.

Bei einer strategischen Allianz mit – oder sogar einem Verkauf an – Samsung wäre die Situation vergleichbar. Sollte Samsung letztlich doch kein Interesse zeigen, gibt es noch andere Optionen für Son: So hat etwa Chiphersteller Qualcomm im Mai vorgeschlagen, ein Industriekonsortium zu gründen, das Arm übernehmen könnte. Ähnliches war von SK Hynix und Intel zu hören.

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