Der chinesische Zulieferer Desay SV treibt seine internationale Expansion voran und bereitet dafür einen zweiten Börsengang in Hongkong vor. Mit frischem Kapital will das Unternehmen vor allem in Europa wachsen, seine Position bei Domänencontrollern ausbauen und in neue Geschäftsfelder investieren.
In Linares, Spanien, hat Desay SV Automotive die Rohbauarbeiten seines neuen Werkes im September 2025 abgeschlossen.
(Bild: Desay SV)
Für diesen chinesischen Zulieferer beginnt der Weg nach Europa in Hongkong: Die Desay SV Automotive aus Huizhou, Chinas Marktführer bei Domänencontrollern für Smart Cockpits und Smart Driving, bereitet sich auf einen zweiten Börsengang in Hongkong vor, berichtete das chinesische Autoportal Gasgoo.
Das Unternehmen ist bereits der führende Hersteller von Cockpit-Domänencontrollern in China. Jetzt besorgt es sich Geld für seinen Plan, ein global führendes Unternehmen in diesem Segment zu werden. Das neue Kapital aus Hongkong, so sagt der eigene Börsenprospekt und so erwarten es auch die Analysten, soll unter anderem für die Expansion in Europa genutzt werden.
Bei Cockpit-Domänencontrollern hält Desay SV in China derzeit 17,9 Prozent. Weltweit sind es 8,4 Prozent und das hält man in der Konzernzentrale noch für stark ausbaufähig. Bei Smart-Driving-Domänencontrollern sind es 21,2 Prozent zu Hause und 8,8 Prozent auf dem Weltmarkt. Mehr Auslandsgeschäft ist nicht nur ein Imperativ für weiteres Wachstum des bereits seit 2017 an der Börse in Shenzhen notierten Unternehmens. Die internationale Präsenz ist auch nötig, um existierende Kunden besser bedienen zu können.
Zulieferer müssen mitziehen
Neun der zehn umsatzstärksten Automobilhersteller der Welt und alle fünfzehn führenden chinesischen OEMs (Original Equipment Manufacturers) gehören zu den Kunden von Desay SV, darunter Volkswagen, Toyota, Mercedes-Benz, BMW, Chery und Geely. Während die großen chinesischen Autohersteller zunehmend in Europa und in anderen Weltregionen investieren, müssen ihre chinesischen Zulieferer nachziehen. Das kostet viel Geld.
Desay SV baut gerade in Linares in der spanischen Region Andalusien eine intelligente Fabrik für Smart-Cockpit- und ADAS-Produkte. Der Rohbau ist bereits fertig, in der zweiten Jahreshälfte 2026 soll die Serienproduktion beginnen. Mehrere hundert neue Arbeitsplätze entstehen in Linares. „Durch die Nutzung der strategischen geografischen Lage Spaniens und unsere Kompetenz in Service und Technologie will Desay SV Europa zu einer Schlüsselbühne für technologische Innovation und Markenentwicklung machen“, sagte Chairman Gao Dapeng bei der Grundsteinlegung.
Neue Geschäftsfelder
Gleichzeitig braucht der Konzern frisches Kapital für seine zwei neuen Geschäftsfelder: autonome Lieferfahrzeuge (unter der Marke „Chuanxing Zhiyuan“) und die Robotikplattform „AI Cube“. Beide Zukunftstechnologien haben mit Blick auf die aktuelle Marktentwicklung in China großes Wachstumspotenzial, bis Ende 2025 aber öffentlich zugänglichen Informationen zufolge noch keinen Umsatz generiert.
Unter „Chuanxing Zhiyuan“, dem 2025 neu eingeführten Markennamen von Desay SV, werden autonome Niedriggeschwindigkeitsfahrzeuge entwickelt, die für Industrieparklogistik, urbane Lieferdienste und Transporte in der Kühlkette gedacht sind. Mit der Robotikplattform „AI Cube“ will das Unternehmen gleichzeitig die einsetzende Konvergenz zwischen den Auto- und Robotikindustrien nutzen. Es will Rechenarchitekturen, die sich in Autos bewährt haben, auf Roboter übertragen.
AI Cube integriert Sensor-Suite-Schnittstellen, Middleware und zentrale Rechenfunktionen für Smart-Roboter, heißt es im Börsenprospekt. Das modulare Plug-and-Play-Design sorgt für die Integration von Kameras, Radar und LiDAR (Light Detection and Ranging). Wahrnehmung, Berechnung und Steuerung seien im Kern für verschiedene Anwendungen einsetzbare Fähigkeiten, der Schritt von der Automobilelektronik in die Robotik ein natürlicher, kommentierte das chinesische Fachmagazin Qiche Dianzi Sheji.
Desay SV will sich keinesfalls auf einen einfachen Lieferanten von Komponenten reduzieren lassen. „Wir wollen kein Pipeline-Zulieferer sein. Wir wollen intelligentes Fahren gemeinsam mit den Automobilherstellern definieren“, sagte der Desay-SV-Chef Gao Dapeng kürzlich auf dem China EV100 Forum.
Angst vor der Pipelinisierung
Genau davor, vor der „Pipelinisierung“, fürchteten sich chinesische Zulieferer noch mehr als vor jedem Wettbewerb, kommentierte das auf Design von Automobilelektronik spezialisierte Fachmedium. „Du lieferst Komponenten, ich montiere. Es gibt keinen technologischen Aufschlag, keine kollaborative Barriere, keine Unersetzbarkeit“, beschreibt Qiche Dianzi Sheji diesen Albtraum chinesischer Autozulieferer.
Während das Geschäft mit den Domänencontrollern also gut läuft, arbeitet Desay SV daher parallel an seinem Einstieg in die zwei neuen Geschäftsfelder. Erste Auftragszusagen für Roboter-Domänencontroller liegen vor, die Serienproduktion soll 2026 beginnen. Für die unbemannten Lieferfahrzeuge haben Medienberichten zufolge erste Tests in mehreren chinesischen Städten begonnen. Das bedeutet, dass sich beide neue Geschäftsfelder noch in der Pilotphase befinden und das Unternehmen derzeit vor allem viel Geld für Forschung und Entwicklung kostet. Das Ganze ist eine teure, kalkulierte Wette auf die Zukunft.
Stand: 08.12.2025
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Der globale Markt für unbemannte Lieferfahrzeuge könnte einer Prognose von Frost & Sullivan zufolge von 5,2 Milliarden Yuan (rund 660 Millionen Euro) im Jahr 2025 auf 626 Milliarden Yuan (rund 80 Milliarden Euro) im Jahr 2030 wachsen, der für Markt für smarte Roboter sogar auf 797,5 Milliarden Yuan (rund 102 Milliarden Euro). Solche Vorhersagen sind immer mit Vorsicht zu genießen, die Richtung aber ist ziemlich klar. Desay SV ist vierzig Jahre alt und mit seinen Domänenkontrollern und Smart-Cockpit-Produkten sehr erfolgreich. Der in Huizhou in der Provinz Guangdong ansässige Konzern beschäftigt mehr als 11.000 Mitarbeiter und hat 2025 einen Umsatz von 32,5 Milliarden Yuan erzielt (rund 4,2 Milliarden Euro), ein Plus von 17,88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn legte um 22,38 Prozent auf 2,45 Milliarden Yuan zu (rund 315 Millionen Euro).
Der Zwang zur Diversifizierung
Doch die jüngsten Finanzdaten zeigen auch, dass das Unternehmen ein anschauliches Beispiel dafür ist, welch starken Druck die Transformation der Autoindustrie selbst auf chinesische „Aussteiger“ ausübt. Die Gesamtbruttomarge von Desay SV ist von 24,6 Prozent im Jahr 2021 auf 19,07 Prozent im Jahr 2025 gefallen. Besonders im Smart-Driving-Geschäft haben Preiskämpfe die Margen zuletzt von 19,9 auf 16,4 Prozent gedrückt. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Smart-Driving-Produkts sank binnen eines Jahres von 856 Yuan (rund 109 Euro) auf 651 Yuan (etwa 83 Euro).
Auch der Zwang zur Internationalisierung lässt sich mit konkreten Zahlen belegen. 92,6 Prozent des Umsatzes stammen momentan aus der Volksrepublik, der Auslandsanteil liegt unter acht Prozent. Das wäre angesichts des sich allmählich abschwächenden Wirtschaftswachstums in China so langfristig kein nachhaltiges Geschäftsmodell für ein börsennotiertes Unternehmen. Entsprechend will sich das Unternehmen mit dem geplanten zweiten Börsengang in Hongkong nicht nur Cash besorgen, von dem es eher genug zu haben scheint. Es beabsichtigt, sich vor allem in vorausschauender Weise eine zweite Route für weitere Finanzierungsrunden zu schaffen, um seine Expansion außerhalb Chinas und seine technischen Innovationen auch in den kommenden Jahren durchhalten zu können.
Für die etablierten europäischen Tier-1-Zulieferer wächst damit einerseits ein neuer Mitbewerber direkt vor der eigenen Haustür heran. Sollte in der neuen Fabrik in Linares wie angekündigt in der zweiten Jahreshälfte mit der Serienproduktion begonnen werden, bietet erstmals ein chinesischer Anbieter moderne Smart-Cockpits und intelligente Fahrlösungen direkt aus Südeuropa heraus an. Continental, Bosch und Harman Becker bekommen aber mit Desay SV auch auf dem Weltmarkt einen stärkeren Konkurrenten. Fabriken des Unternehmens in Indonesien und Mexiko haben schon im vergangenen Jahr den Betrieb aufgenommen. Es gibt neue Forschungszentren in China, Singapur, Japan und Deutschland. Jahrzehntelang war der Finanzplatz Hongkong vor allem ein Tor für Geschäfte in China. Jetzt wird er für chinesische Zulieferer zunehmend zum Tor für den europäischen Markt. (sb)