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Im Buch heißt es: «Fragen Sie immer nach absoluten Zahlen und absoluten Risiken – dann können Sie die Angaben wirklich verstehen. Werden Sie dagegen über relative “Risiken” informiert, dann fragen Sie sich, wer hier Ihr Verständnis manipulieren möchte und warum.»
Das Thema Mammografie sei noch in weiterer Hinsicht ein klares Negativbeispiel, erläutern Bauer, Gigerenzer und Krämer weiter. So werde dafür häufig der irreführende Begriff Brustkrebsvorsorge verwendet – es handle sich aber um Früherkennung. «Vorsorge verringert die Wahrscheinlichkeit von Krebs, Früherkennung nicht.» Außer Acht gelassen werde zudem meist, dass mit dem Screening etwa 100 von 1000 Frauen durch Fehldiagnosen falsch alarmiert werden und 5 von 1000 unnötig behandelt.
Noch schlimmer sei das Arbeiten mit Fünf-Jahres-Überlebensraten. In einer US-Werbebroschüre für das Mammografie-Screening sei zu lesen gewesen: «Früherkennung rettet Leben. Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Brustkrebs beträgt 98 Prozent, wenn er rechtzeitig entdeckt wird.
Wenn nicht? 23 Prozent.» Bei einem spät entdeckten Tumor sei schlichtweg die Wahrscheinlichkeit höher, schon in den fünf Jahren nach der Diagnose zu sterben – die Gesamtsterblichkeit aber sei die gleiche. «Durch die frühere Diagnose wird die Überlebensrate aufgebläht, ohne dass ein einziger Patient auch nur einen Monat länger lebt.»
Bei medizinischen Studien ist die Aufmerksamkeit für solche extrem fragwürdigen Formulierungen mittlerweile gewachsen, sagt Koch. Andere gängige Tricks seien weit schwerer zu durchschauen. «Etwa die Manipulation durch Weglassen.» Studien etwa zur Wirkung eines bestimmten Wirkstoffs würden mehrfach durchgeführt – und die mit den günstigen Ergebnissen werden bevorzugt veröffentlicht.
«Viele Untersuchungen zu Behandlungsergebnissen werden nie oder nur verzögert publik.» Zwar müssten inzwischen alle Studien schon vor ihrem Start in spezielle Datenbanken eingetragen werden. «Aber da muss man genau wissen, was man sucht.»
Eine weitere Möglichkeit der Manipulation sei, nicht sauber zwischen kausalem Nachweis und statistischer Korrelation zu trennen, erklärt Koch. Oft werde in Beobachtungsstudien rückwirkend geguckt, ob sich Zusammenhänge erkennen lassen. «Die Aussagekraft dessen wird sehr oft überschätzt.» Beweisende Studien aber seien weit langwieriger und anspruchsvoller – und würden deshalb weit seltener initiiert.
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