Seitenblicke

Die trügerische Sicherheit der Statistik

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Einer der beliebtesten Tricks bei Statistiken sei es, mit relativen und absoluten Risiken zu spielen, schreiben die drei Experten in ihrem Buch «Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet». «Damit lassen sich kleine, unscheinbare Effekte in große, spektakuläre Nachrichten verwandeln.»

Doppelt so viele Hai-Angriffe zum Beispiel höre sich weit spektakulärer an als zwölf Tote nach sechs im Jahr zuvor. «Relative Risiken können viel Staub aufwirbeln und uns Angst machen. Absolute Risiken hingegen helfen, das wirkliche Ausmaß der Gefahr zu verstehen.»

Mit relativen Angaben würden zudem vor allem bei Gesundheit und Ernährung in etlichen Studien jährlich unrealistische Hoffnungen geweckt. Ein im Jahr 2014 vorgestelltes Ergebnis sei zum Beispiel gewesen, dass Mittelmeerkost das Diabetesrisiko um stolze 30 Prozent verringere.

Hinter die Kulissen geblickt ergebe sich ein ganz anderes Bild: Das absolute Risiko habe sich um 1,9 Prozentpunkte von 8,8 auf 6,9 Prozent reduziert – was ja aber weit unbedeutender wirke. Viele Leser nähmen nun an, dass bei mediterraner Kost 30 von 100 Menschen weniger an Diabetes erkranken – in Wahrheit aber seien es lediglich knapp 2.

Auch bei Medikamenten werde der Nutzen gern in relativen Unterschieden angegeben, erklärt Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). «Da heißt es dann zum Beispiel, es bewirkt eine Abnahme der Sterblichkeit um 20 Prozent.» Dahinter könne sich verbergen, dass statt fünf nun vier von hundert Menschen sterben.

«Wenn man das nicht dazu sagt, hören sich die 20 Prozent gewaltig an.» Ohne die absoluten Zahlen sei die Beurteilung eines Studienergebnisses nicht möglich. Zwar seien die relativen Angaben nicht falsch, könnten aber extrem in die Irre führen.

Genutzt werde das zum Beispiel gern, um bestimmte Gesundheitsgefahren größer wirken zu lassen, sagt Koch. Menschen würden so manipuliert, bestimmte Dinge zu tun. «Untersuchungen zeigen, dass Patienten anders entscheiden, wenn sie nur die relativen Angaben kennen.»

So sei beim Bewerben der Mammografie bis vor einigen Jahren ausschließlich mit relativen Zahlen gearbeitet worden. «In der Folge wurden sowohl das Risiko, zu erkranken, also auch der Nutzen der Methode massiv überschätzt.»

(ID:43401666)