Chinas Speicherindustrie CXMTs geplante Milliardensammlung für Chinas DRAM-Aufholjagd

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Chinas größter DRAM-Hersteller CXMT bereitet einen der wichtigsten Technologie-Börsengänge des Landes seit Jahren vor. Mit dem Kapital will das Unternehmen Produktionskapazitäten und Chipqualität ausbauen, um Speicherchip-Unabhängigkeit von Samsung, SK Hynix und Micron zu erreichen.

CXMT will beim geplanten Börsengang mindestens 29,5 Milliarden Yuan einsammeln. Der IPO ist mehr als ein Finanzereignis: Chinas größter DRAM-Hersteller soll die heimische Versorgung mit Speicherchips stärken, während die USA den Zugang zu Schlüsseltechnologien weiter einschränken.(Bild:  CXMT)
CXMT will beim geplanten Börsengang mindestens 29,5 Milliarden Yuan einsammeln. Der IPO ist mehr als ein Finanzereignis: Chinas größter DRAM-Hersteller soll die heimische Versorgung mit Speicherchips stärken, während die USA den Zugang zu Schlüsseltechnologien weiter einschränken.
(Bild: CXMT)

Chinas größter DRAM-Hersteller CXMT geht an die Börse. Das „Star Board“ der Börse in Shanghai habe den IPO-Antrag der „ChangXin Memory Technologies“ genehmigt, berichten chinesische und internationale Medien. Es wird allgemein erwartet, dass es der größte Börsengang eines chinesischen Technologieunternehmens an diesem, dem NASDAQ nachempfundenen Börsensegment seit dem des Chipherstellers SMIC wird.

Das Unternehmen hofft, mindestens 29,5 Milliarden Yuan einsammeln zu können, also rund vier Milliarden Euro. Dies wäre nicht nur der größte IPO in China seit 2022. Es wäre auch ein wichtiger Schlüsselmoment für die chinesische Halbleiterindustrie, die vor dem Hintergrund immer weiter verschärfter Chipboykotte aus den USA nach Autarkie strebt und dafür Kapital braucht.

Chinas größter Hersteller von DRAM

Das in Hefei, Provinz Anhui, angesiedelte Unternehmen ist 2016 gegründet worden. Mittlerweile ist es zu Chinas größtem Hersteller von dynamischen Schreib-Lese-Speichern (DRAM) geworden. Es ist auch bereits der viertgrößte Hersteller dieser Speicherchips weltweit, die sowohl in PCs und Smartphones, als auch in Rechenzentren und anderer KI-Infrastruktur gebraucht werden.

Dass CXMT jetzt einen aufsehenerregenden Börsengang planen kann, hat es zum Teil seiner globalen Konkurrenz zu verdanken. Südkoreas Samsung und SK Hynix sowie Micron Technology in den USA, die drei globalen Marktführer, haben einen Teil ihrer Produktionskapazitäten vom PC- und Handygeschäft wegverlagert, um mehr Anteile am lukrativeren Geschäft mit den KI-Rechenzentren gewinnen zu können.

Die daraus resultierende künstliche Verknappung in mehreren Segmenten hat gemeinsam mit der durch KI insgesamt gesteigerten Nachfrage in jüngster Zeit deutliche Preissprünge ausgelöst. Das hat bei CXMT dazu geführt, dass sich der Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres mehr als versiebenfacht hat, wie dem Börsenprospekt des Unternehmens zu entnehmen ist.

Genauer gesagt lag der Umsatz im ersten Quartal 2026 mit 50,8 Milliarden Yuan (rund 6,9 Milliarden Euro) um 719,13 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg im gleichen Zeitraum um mehr als 1.200 Prozent auf gut 33 Milliarden Yuan (rund 4,5 Milliarden Euro).

Heimische Aufholjagd

CXMT profitiert nicht nur von dem allgemeinen KI-Boom, sondern indirekt auch von den Chipboykotten aus Washington, die seine Beziehungen zu wichtigen heimischen Kunden wie Alibaba Cloud, ByteDance, Tencent, Xiaomi oder Oppo zementieren. In dem Spannungsfeld aus KI-Wettrennen mit den USA, Handels- und Technologiekriegen mit Washington und seinen westlichen Verbündeten, sowie den Bemühungen der chinesischen Staats- und Parteiführung um „heimische Substitution“ ausländischer Chips hat dieser bevorstehende Börsengang über seine kommerzielle Größe hinaus auch eine politische Relevanz, die mit dem Zahlen- und Faktenspiel der üblichen Börsenberichterstattung nur unzureichend wiedergegeben werden kann.

Hier wird ein „nationaler Champion“ der Halbleiterindustrie aufgebaut, der Chinas Erpressbarkeit verringern und in dieser für mehrere Hochtechnologien zentralen Industrie die Strategie Washingtons durchkreuzen soll, Chinas wirtschaftliche Entwicklung so stark wie möglich durch Boykotte und Zölle zu sabotieren.

Noch dominieren Samsung, SK Hynix und Micron Technology gemeinsam mehr als 90 Prozent des Weltmarktes an DRAM-Speicherchips, während CXMT nach letzten Zählungen auf etwa 7,7 Prozent kam. Für Peking ist dessen Aufholjagd, sowohl was die Qualität der Chips, als auch deren verfügbare Anzahl betrifft, aber gerade deshalb von herausragender Bedeutung.

„CXMT ist der Grund, warum China bei DRAM Fuß fassen konnte, dem wohl wichtigsten Speichersegment, das die KI-Revolution antreibt“, zitierte Bloomberg Ao Fei, Managing Director bei Beijing Xinhan Capital.

„Das ist ein nationaler Champion, der Chinas gesamte Halbleiter-Lieferkette in Gang gesetzt hat, der als Ausbildungsstätte für die nächste Generation von Fachkräften dient und der die Branche auf eine neue Stufe gehoben hat“, sagte er.

Investitionen in die technologische Souveränität

Die Schlüsselposition, die CXMT für Chinas Industrie besetzt, ist daher in etwa mit der des Batterieherstellers CATL zum Zeitpunkt seines eigenen Börsengangs vergleichbar. Viele der Anleger, die von dem bevorstehenden IPO von CXMT profitieren werden, sind daher nicht allein an Profiten interessiert. Es ist bislang schon viel staatliches Kapital an dem Unternehmen beteiligt, und zwar sowohl aus zentralen Kassen als auch aus lokalen Investmentfonds in Hefei. Insgesamt sind die Eigentümer eine Mischung aus lokalen Staatsfonds, nationalen Chipfonds und Unternehmensinvestoren.

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Zu den größten Anteilseignern gehören die „Hefei Qinghui Jidian Enterprise Management Partnership“ mit 21,67 Prozent und „Hefei Changxin Integrated Circuit“ aus der Heimatprovinz, sowie Chinas sogenannter „Big Fund, Phase II“ aus Peking. Auch privates Kapital ist beteiligt, etwa durch Alibaba Cloud und Alibaba (China) Network Technology, die gemeinsam 4,97 Prozent halten.

Dies ist „geduldiges Kapital“, das einem Unternehmen wie CXMT langfristig die Mittel zur Verfügung stellen will, die es für seine technologische Modernisierung braucht. Die von den Amerikanern akut empfundene und umgesetzte Rivalität macht das aus chinesischer Sicht zu einer Frage der patriotischen Notwendigkeit.

Mit den eingesammelten Milliarden will CXMT eigenen Angaben zufolge sowohl die Qualität seiner DRAM‑Chips als auch die Produktionskapazität dafür erhöhen. Derzeit bleibe die Produktion noch „deutlich hinter der gewaltigen heimischen Nachfrage zurück“, heißt es im Börsenprospekt. Bis jetzt hat das Unternehmen seine Serienfertigung über die ersten vier Prozessgenerationen konsolidiert, und „von DDR4 und LPDDR4X auf DDR5- und LPDDR5/5X-Produkte ausgeweitet“, berichtet die South China Morning Post in Hongkong.

Das DDR5-Portfolio, im vergangenen Jahr vorgestellt, unterstütze Geschwindigkeiten von bis zu 8.000 Megabit pro Sekunde und Chipdichten von 16 und 24 Gigabit. Damit liegt es nur noch eine Chip-Generation hinter den globalen Riesen in Südkorea und den USA zurück. Der bevorstehende Börsengang von CXMT reiht sich in eine ganze Reihe von IPOs ein, mit denen für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz relevante Unternehmen in China in jüngster Zeit über die gesamte Lieferkette hinweg ihre Kassen für Forschung und Entwicklung sowie neue Fertigungslinien gefüllt haben. (sb)

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