Halbleitertrends Chinas Handy- und Autohersteller setzen auf eigene Chips

Von Henrik Bork

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Die für den Energiehaushalt verantwortlichen Powermanagement-ICs zählen zu den wichtigsten Chips nicht nur in Smartphones. Und sie sind derzeit Mangelware. Chinas Hersteller setzen daher verstärkt auf Eigenentwicklungen. Dabei bleibt es nicht.

Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi macht nicht nur durch Kooperationen etwa mit Leica auf sich aufmerksam, sondern auch durch den Einsatz selbst entwickelter ICs.
Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi macht nicht nur durch Kooperationen etwa mit Leica auf sich aufmerksam, sondern auch durch den Einsatz selbst entwickelter ICs.
(Bild: Xiaomi)

Chinas Handy-Hersteller entwickeln Halbleiter-ICs zunehmend selbst. Das jüngste Beispiel für diesen Trend ist die Ankündigung von Xiaomi, die neueste Serie seiner Mobiltelefone mit dem eigenen Batterie-Management-Chip mit der Bezeichnung „G1” auszustatten. Auch andere Handy-Hersteller und Unternehmen aus anderen Branchen wie der Autoindustrie investieren zunehmend in die Entwicklung eigener Halbleiter, die sie auch verstärkt im Inland produzieren lassen.

Lei Jun, Gründer und CEO des in China und international erfolgreichen Elektronikkonzerns Xiaomi, übernahm Anfang dieses Monats persönlich die Ankündigung des neuen G1. Es war ein Zeichen dafür, wie wichtig das Unternehmen die Entwicklung und Produktion eigener Chips für seine künftige Strategie erachtet.

Batterie überwachen, Ladezeit verkürzen

Der neue Chip werde in Tandem mit dem ebenfalls von Xiaomi selbst entwickelten Lade-Chip „Surge P1“ in der Handy-Serie Xiaomi 12S Ultra verbaut, die bald auf den Markt kommt, hieß es. Gemeinsam würden die beiden Halbleiter die Batteriedauer der Handys von Xiaomi verlängern und die Ladezeit verkürzen, sagte Lei Jun.

Die beiden Chips bildeten zusammen ein „Xiaomi-Surge-Batterie-Management-System“, so der CEO. Der neue Chip G1 könne die Sicherheit der Batterie in Intervallen von Millisekunden überwachen und die verbleibende Ladung sehr akkurat anzeigen, sagte Lei Jun ferner. Auch sorge er eine längere Lebensdauer der Handy-Batterie als frühere Halbleiter.

Den „Surge P1“ hatte Xiaomi bereits im vergangenen Jahr eingeführt, genau wie seinen selbst entwickelten Imaging-Chip namens „Surge C1“. Das Unternehmen hatte bereits seit 2014, als es das Tochterunternehmen Pinecore Electronics gründete, stark in die Entwicklung eigener Halbleiter investiert.

Milliardeninvestitionen für die Chipentwicklung

So flossen etwa acht Milliarden Yuan (rund 1,2 Milliarden Euro) in die Entwicklung des „Surge S1“: Nach eigenen Angaben war dessen Hardware-Design bereits 2015 abgeschlossen und auch weitere technische Meilensteine erreicht. Von der Idee bis zum fertigen Produkt vergingen insgesamt 28 Monate. 2017 wurde der Chip erstmals im Handy-Modell „Xiaomi Mi 5c” installiert.

Xiaomi investiert hohe Summen in die Chipentwicklung und hat bereits mehrere ICs im Portfolio – vom Batterie-Management- über Lade- und Bildverarbeitungschips bis hin zum eigenen SoC. Auch andere Konzerne arbeiten bereits mit eigenen Halbleiter-ICs.
Xiaomi investiert hohe Summen in die Chipentwicklung und hat bereits mehrere ICs im Portfolio – vom Batterie-Management- über Lade- und Bildverarbeitungschips bis hin zum eigenen SoC. Auch andere Konzerne arbeiten bereits mit eigenen Halbleiter-ICs.
(Bild: Asia Waypoint / Counterpoint)

Sein Unternehmen sei „technologie-orientiert“ und baue nur die „coolsten Produkte“, sagte der Firmengründer bei der Vorstellung seines jüngsten Chips. In den kommenden fünf Jahren werde Xiaomi noch einmal mehr als 100 Milliarden Yuan (umgerechnet knapp 15 Milliarden Euro) in diesen Bereich investieren, so der CEO. Ob auch die Entwicklung eigener SoC-Bausteine wieder aufgenommen werden soll, die das Unternehmen zwischenzeitlich auf Eis gelegt hatte, blieb zunächst unklar.

Bildprozessoren im Fokus

Auch andere chinesische Handy-Hersteller versuchen, sich durch die Entwicklung eigener Chips von der Konkurrenz zu unterscheiden und so die Konsumenten für ihr Produkt zu gewinnen. vivo hat bereits zwei Generationen von eigenen ISP-Chips (Image Signal Processing) vorgestellt, die aktuelle heißt „v1+“. Angeblich forscht man bei vivo auch schon an einem eigenem Kontroll-Chip, berichten chinesische Medien.

Der chinesische Handy-Hersteller OPPO eifert ebenfalls Apple und Samsung sowie der chinesischen Konkurrenz nach, was eigene Chips betrifft. Der erste selbst entwickelte Imaging-Chip des Unternehmens heisst „Mariana X“. Ein Team von „tausenden von Mitarbeitern“ werde ab jetzt an weiteren Halbleiter-Projekten arbeiten, hat Oppo-Gründer und CEO Chen Mingyong erklärt.

Auch Autohersteller Geely steigt ins Smartphone-Chipgeschäft ein

Nicht nur Handy-Hersteller, auch der chinesische Autokonzern Geely plant einen Einstieg in das Geschäft mit Chips für Mobiltelefone, berichtet das Halbleiter-Fachmagazin Bandaoti Hangye Guancha. Der Firmengründer Li Shufu arbeite als Vorstandsvorsitzender des von Geely gegründeten Tochterunternehmens „Hubei Xingji Shidai Technology Co.“, kurz Xingji Technology, so der Bericht.

Erst vor kurzem, am 4. Juli dieses Jahres, hat Geely die Übernahme von 79,09 Prozent der Anteile des chinesischen Handy-Herstellers Meizu abgeschlossen. Diese strategische Investition wurde über Xingji Technology abgewickelt.

„Smartphones und Autos verschmelzen immer stärker“

Li Shufu, der Gründer von Geely, ist eigenen Aussagen zufolge davon überzeugt, dass die Autoindustrie und die Elektronikindustrie immer weiter miteinander verschmelzen. Insbesondere die Konversion zwischen „Smart Cars” und Handys und der raschen Innovationen im Bereich Software in beiden Industrien sorge für Synergien, die sein Konzern nutzen wolle, erklärt der Geely-Gründer.

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Dies sei auch der Grund, warum Elektronikkonzerne nicht mehr allein Handys und ähnliche Elektronik, sondern neuerdings auch autonome Fahrzeuge (wie Apple oder Xiaomi) oder zumindest Komponenten der Autoindustrie (wie etwa Huawei) entwickeln, so der Gründer von Geely. Die traditionelle Grenze zwischen beiden Industrien verschwinde insbesondere, was die rasche Neuentwicklung von Halbleitern und Software betreffe, so Li Shufu.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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