KI-Brillen boomen, und das vorwiegend in China. Günstige Preise, neue Zielgruppen und Tech-Giganten wie Xiaomi und Bytedance sorgen für den nächsten Wearable-Milliardenmarkt.
Das neueste KI-Brillenmodell von Meta und Oakley ist mit rund 400 bis 500 US-Dollar etwas kostspieliger als KI-Eyewear aus China.
(Bild: Meta)
KI will gerade mit Macht in unsere Brillengestelle. Während die meisten von uns gerade noch zögern, ob wir so etwas wirklich auf unseren Nasen benötigen, ist China wie so häufig bei der Kommerzialisierung der neuen Produktgruppe einen Schritt voraus. In diesem Jahr wird sich der Absatz von KI-Brillen in China glatt verdoppeln und 2,75 Millionen Stück erreichen, sagt das chinesische Fachmedium Keji Touban voraus.
Der chinesische Markt übernimmt damit von Anfang an eine führende Rolle bei der Popularisierung der neuen Geräteklasse, die dem Wunsch der Hersteller nach das Handy ebenso ergänzen soll wie Kopfhörer oder Smartwatches. Diese Zahlen bedeuten, dass 2025 schon knapp die Hälfte aller KI-Brillen weltweit in China selbst abgesetzt und nicht nur wegen der üblichen Elektronik-Lieferketten dort produziert werden.
Der Preis macht heiß
Ähnlich wie bei Meta und Oakley, deren Preis noch in diesem Sommer bei lediglich 399 US-Dollar (rund 346 Euro) erwartet wird, hat auch in China in jüngster Zeit eine „stille Demontage der Preisbarriere“ für die meisten Konsumenten stattgefunden, wie das Fachportal verwundert festhält.
Bei Preisen für KI-Brillen, die in China bei manchen Modellen bereits auf unter 1.000 Yuan (etwa 120 Euro) pro Stück gefallen sind, hebt auf den großen E-Commerce-Plattformen des Landes in diesem Sommer gerade so richtig der erste große Hype um KI-Brillen ab. Um „mehr als 800 Prozent im Jahresvergleich“ sei der Absatz von Augenoptik mit eingebauter künstlicher Intelligenz während des jüngsten Online-Shopping-Festivals 618 gestiegen, berichtet Keji Touban. „Die KI-Brillen-Industrie boomt.“
Da hier gerade der nächste Milliardenmarkt für die Elektronikindustrie entsteht, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Trends in China. Einige sind ähnlich wie in den USA, andere sehr spezifisch chinesisch.
Die Großen drängen auf den Markt
Ähnliche wie Meta in den USA wollen Chinas Internet-, KI- und Elektronik-Riesen die Wertschöpfung über diese Verknüpfung von großen Sprachmodellen (LLM) und körpernaher Hardware nicht mehr Start-ups jeglicher Art überlassen, sondern den neuen Markt selbst besetzen.
Mehrere große Internet-Konzerne wie Baidu und Bytedance haben entweder schon eigene Modelle auf den Markt gebracht, oder der erste Launch ihrer KI-Brille steht noch in diesem Sommer bevor. Huawei hat das Potenzial auch schon erkannt. Mit viel Spannung wird gerade darauf gewartet, wann der Elektronik-Hersteller Xiaomi sein KI-Brillenmodell vorstellt und welche Funktionen es haben wird. Viele Beobachter erwarten, dass dann eine weitere KI-Brille mit vollen Video- und Audiofähigkeiten erhältlich sein wird, ähnlich wie beim neuen Modell von Meta und Oakley, allerdings vermutlich zu einem niedrigeren Preis.
Aufgrund von Äußerungen des Firmengründers Lei Jun wird in chinesischen Medien spekuliert, dass die KI-Brille von Xiaomi auch noch in diesem Sommer kommt und sie einen „schockierenden Preis“ haben werde. Von 999 bis 1.299 Yuan ist die Rede, also von etwa 120 bis 157 Euro pro Stück. Offizielle Angaben gibt es dazu noch nicht.
Populär in allen Altersgruppen
Zu den China-spezifischen Entwicklungen gehört, dass Konzerne aus dem Bereich soziale Medien wie Bytedance nicht nur „coole“ junge Hipster oder Sportler aus Zielgruppe anpeilen, sondern auch Chinas schnell wachsende Gruppe von Rentnern.
Die bekannte chinesische Juweliergruppe Lai Feng Xiang hat gemeinsam mit Bytedance eine neue Linie von KI-Brillen entwickelt und diese kürzlich auf der „International Exhibition of Senior Care, Rehabilitation Medicine und Healthcare“ vorgestellt. Das Produkt wird als „smarter Assistent für ältere Bürger“ vermarktet, das Anleitungen zum Pillenschlucken geben, Speisekarten per kurzem Scan interpretieren oder auch einem einsamen Nutzer mit einem Chat Gesellschaft leisten kann, für den keinerlei Interaktion mit dem Handy erforderlich ist.
„Neue Fähigkeiten werden da für KI geschaffen, um die alternde Bevölkerung des Landes“ zu erreichen, kommentiert die South China Morning Post. Die „Silberne Wirtschaft“, die ihren Namen in einer Anspielung auf das graue Haar vieler Senioren erhalten hat, ist im vergangenen Jahr in der Volksrepublik schon bei einem Gesamtwert von sieben Billionen Yuan (rund 117 Milliarden Euro) angekommen und wächst weiterhin rasant.
Stand: 08.12.2025
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Waren Ende 2024 schon mehr als 200 Millionen Menschen in China 65 Jahre oder älter, so werden es Schätzungen der nationalen Gesundheitskommission in Peking im Jahr 2035 bereits mehr als 400 Millionen sein. Da viele dieser Senioren ihr Leben lang hart gearbeitet haben, relativ wohlhabend und gleichzeitig neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen sind, wird allein in diesem Segment der chinesischen Bevölkerung ein großer Wachstumsmarkt für KI-Brillen erwartet. (sb)