Hannover Messe 2022 Auf dem Weg zur neuen Cebit

Von Klaus Länger

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An Themen wie digitale Zwillinge, Cybersicherheit, Machine Learning oder den Ausbau von Software-Ökosystemen kam man auf der Hannover Messe kaum vorbei. Und das nicht nur auf den Ständen von IT-Firmen, sondern auch auf denen großer Industrie-Ausstatter.

Die industrielle Variante des Metaverse auf der Hannover Messe: digitale Zwillinge, die mittels VR-Brille erkundet werden.
Die industrielle Variante des Metaverse auf der Hannover Messe: digitale Zwillinge, die mittels VR-Brille erkundet werden.
(Bild: Deutsche Messe AG)

„Hier geht es ja nur noch um Software und nicht mehr um Maschinen!” Dieser Satz entfuhr, wohl nur halb im Scherz, einem Kollegen einer Maschinenbau-Publikation bei einer Presseveranstaltung von Schneider Electric auf der Hannover Messe. In der Tat bildete die Vorstellung neuer Bestandteile des immer umfangreicheren Portfolios an Software- und Cloud-Lösungen einen großen Teil der Pressekonferenz des Konzerns ab, die von Barbara Frei, Executive Vice President für Industrial Automation, unter dem Motto „die Zukunft wird digital und elektrisch” abgehalten wurde.

Versprochen wird die Integration der verschiedenen Lösungen, etwa der Advisor-Produkte, in ein Software-Ökosystem, das zukünftig auch Drittanbietern offen stehen soll. Mehr Offenheit ist auch das Ziel der von Schneider Electric mit initiierten Non-Profit-Organisation UniversalAutomation.org. Deren Ziel ist die Schaffung einer universellen, als Shared Source zugänglichen Runtime für die Industrie-Automation, die den Anforderungen der Industrie 4.0 besser erfüllen kann, als bisherige proprietäre Lösungen. Als erste Software ist bereits EcoStruxure Automation Expert von Schneider Electric auf Basis dieser Runtime aufgebaut. Neben einigen Herstellern aus dem Automatisierungssektor und industriellen Anwendern sowie Universitäten sind auch IT-Firmen wie Intel oder Asus mit von der Partie. John Conway, CEO der im November 2021 offiziell gestarteten Organisation, räumt allerdings ein, dass Schwergewichte aus der Automatisierungsbranche wie Siemens, Bosch Rexroth oder Rockwell Automation noch keine Mitglieder sind. Allerdings ist Conway überzeugt, dass die Organisation noch wachsen wird und auch der IT-Channel sowie ISVs einer größere Rolle spielen.

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Digitale Zwillinge und KI

Mit EcoStruxure Machine Expert Twin hat Schneider Electric auf der Messe eine brandneue Software für digitale Zwillinge von Industriemaschinen gezeigt, um diese über ihren gesamten Lebenszyklus zu begleiten. Die Software enthält ein grafischen Entwurfs-Tool, mit dem per Drag and Drop Anlagen aus vorgefertigten mechatronische Komponenten oder importierten Modellen aufgebaut werden können, und eine offene Programmierumgebung mit Unterstützung für Add-ons sowie eine Integration mit EcoStruxure Machine Expert und EcoStruxure Machine Advisor. Für Trainings oder Präsentationen gibt es VR- und AR-Schnittstellen. Den Kunden verspricht der Hersteller durch den Einsatz der Digital-Twin-Lösung bis zu 60 Prozent Zeitersparnis bei der Inbetriebnahme und 20 Prozent Kosteneinsparung durch die Vermeidung von Fehlern. Während des Betriebs kann der digitale Zwilling im Zusammenspiel mit Machine Learning mögliche Ausfälle im Vorfeld erkennen. Schneider Electric beschäftigt eigene KI-Teams dafür.

Digitale Zwillinge waren auch ein wichtiges Thema beim Messeauftritt von Dassault Systèmes. Hier wurde als Beispiel eine auf dem Messestand aufgebaute Anlage für die schnelle Montage von Brennstoffzellen für Fahrzeuge demonstriert, die von einem digitalen Zwilling begleitet wurde. Für mehr Nachhaltigkeit soll dabei nicht nur das reale Produkt sorgen, sondern auch die Ressourceneinsparungen im Zuge der Entwicklung. Laut Philippe Philippe Bartissol, Vice President für Industrial Equipment bei Dassault, ist für einen effizienten Einsatz von Digital Twins in vielen Unternehmen noch ein Mentalitätswandel notwendig. Denn schließlich müssen auch alle Änderungen in der Realität, etwa im Zuge von Wartungsarbeiten an Maschinen, erfasst und wieder in den digitalen Zwilling gespiegelt werden. Und hier fehlt noch sehr oft die Aufgabenverteilung im Unternehmen.

Darüber, wie wichtig eine hyperrealistische Grafik bei Digital Twins ist, herrscht in der Branche keineswegs Einigkeit. Während Nvidia der Darstellungsqualität einen sehr großen Wert beimisst, sieht Bartissol nur einen eingeschränkten Nutzen, etwa für das Marketing oder das Training autonomer Fahrzeuge in anspruchsvollen Umgebungen.

Digital Twins waren natürlich auch Thema auf den Ständen von AWS und Microsoft. AWS zeigte den IoT TwinMaker im Einsatz, der nicht nur für die Nutzung mit Daten von AWS-IoT-Services genutzt werden soll, sondern auch mit Diensten von Partnern wie Siemens MindSphere. Microsoft demonstrierte, wie digitale Zwillinge und das Industrial Metaverse in Fabriken genutzt werden können. Dabei können sowohl die Azure Cloud, als auch Azure Stack HCI verwendet werden.

HPE spielte auf der Messe mit der Software HPE Swarm Learning die Karte der Datensouveränität. Bei der Lösung können verteilt arbeitende KI-Systeme direkt voneinander lernen und dadurch ihre Leistungsfähigkeit verbessern, ohne dafür Rohdaten auszutauschen oder eine zentrale Plattform zu benötigen.

Für eine optimale Verbindung zwischen Industrieanlagen und der Cloud soll zukünftig die intelligente Kombination von WLAN und privatem Mobilfunk sorgen. Die MX-Boost-Technologie bündelt im Aggregation-Mode die Datenübertragung mittels Wi-Fi 6 und 4.9G/LTE dynamisch so, dass jeweils die höchste Datenrate und die niedrigste Latenz erreicht werden. Im Replication-Mode steht die Zuverlässigkeit im Zentrum. Hier werden die Datenpakete parallel über Funkverbindungen übertragen und die jeweils stärkste Verbindung genutzt.

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Security-Trends in der Industrie: OT trifft IT

IT und OT, also die Operational Technology, wachsen in Unternehmen im Zuge von Digitalisierung und Industrie 4.0 immer weiter zusammen. Das ist auch im Security-Sektor so der Fall und stellt die Security-Verantwortlichen in den Firmen und die Anbieter vor erhebliche Herausforderungen. Der aus dem IT-Sektor stammende Security-Anbieter Zscaler weitet seine Cloud-Sicherheitsplattform Zscaler Zero Trust Exchange nun in die OT-Welt aus. Die Erweiterung Zscaler Private Access for OT ist für einen sicheren Fernzugriff auf Industrierechner bestimmt und deren Einbindung in die Sicherheitsplattform für eine geschützte Kommunikation zwischen OT und IT. Auf der Messe war Zscaler auf dem Stand von Siemens vertreten. Denn die Zscaler-Software steht nun direkt bei Siemens als zusätzliche Ausstattungsoption für den ARM-Basierten Industrie-Rechner Scalance LPE zur Verfügung. Für Nathan Howe, Vice President of Emerging Technology bei Zscaler, ist das allerdings nur ein erster Schritt in den Industrie-Sektor. Er sieht hier auch neue Gelegenheiten für seine Partner aus dem IT-Channel. Nozomi Networks kommt als Anbieter von Security-Lösungen aus der OT- und IoT-Welt. Die Firma bietet automatisierte Lösungen zur Inventarisierung, Visualisierung und Überwachung von industriellen Kontrollnetzwerken an und arbeitet für die Gefahrenabwehr mit IT-Firmen wie Barracuda, Checkpoint, Cisco oder Fortinet zusammen. Will-Stefan Roth, Sales Director DACH bei Nozomi, sieht auch in den internen Verwaltungsstrukturen vieler Firmen ein Hindernis beim notwendigen Zusammenwachsen von IT und OT. Oft sei nicht geklärt, wo die jeweiligen Verantwortlichkeiten lägen und es gebe noch keine gemischten Teams mit Kompetenzen in beiden Bereichen. Auch der IT-Channel kann hier von Allianzen mit Partnern aus dem Industriesektor profitieren.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal IT-Business.de.

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