Kurze Hochspannungsimpulse im Kilovoltbereich gelten als Domäne spezialisierter Pulsgeneratoren. Mit einer Kombination aus 4-Quadranten-Verstärkern und angepasstem Transformator lassen sich solche Signale jedoch auch mit Standardkomponenten realisieren.
Verstärkersystem inklusive Verkabelung für den parallelen Brückenbetrieb. Der Lastausgang ist hier offen, am Koaxialkabel zur linken Seite ist der Generator angeschlossen.
(Bild: Dr. Hubert GmbH)
4-Quadranten-Leistungsverstärker decken mit ihrer Kombination aus hoher Bandbreite und Dynamik ein breites Anwendungsspektrum ab. Mit Kleinsignalbandbreiten bis 7 MHz und Slew Rates von 450 V/µs eignen sie sich nicht nur für lineare Anwendungen, sondern auch zur Verstärkung schneller Signalverläufe – etwa als Leistungsstufe hinter Arbiträrgeneratoren.
Eine weniger typische, aber technisch anspruchsvolle Anwendung ist die Erzeugung kurzer Hochspannungsimpulse im Bereich von 10 bis 25 µs mit Amplituden bis ±1.000 V an definierten Lasten. In solchen Fällen stoßen klassische Verstärkerkonzepte schnell an ihre Grenzen – sowohl hinsichtlich Ausgangsspannung als auch Leistung.
Der eingesetzte Verstärker A1230-02 stellt zwei unabhängig nutzbare Kanäle bereit, die entweder im Brückenbetrieb zur Spannungsverdopplung oder im Parallelbetrieb zur Stromerhöhung betrieben werden können. Die maximale Ausgangsspannung pro Verstärker liegt bei ±75 V. Damit ist klar: Eine direkte Erzeugung von ±1.000 V ist mit diesen Verstärkern nicht möglich. Zudem ergibt sich bei einer Last von 500 Ω eine erforderliche Spitzenleistung von bis zu 2 kW.
Der gewählte Lösungsansatz verzichtet daher bewusst auf die DC-Fähigkeit der Verstärker und nutzt stattdessen eine transformatorische Kopplung. Der Transformator übernimmt dabei die Spannungsanhebung, während die Verstärker im unteren Spannungsbereich arbeiten.
Systemarchitektur: Kombination aus Brücken- und Parallelbetrieb
Zur Bereitstellung der erforderlichen Leistung werden zwei Verstärker des Typs A1230-02 eingesetzt. Jeder Verstärker arbeitet intern im Brückenbetrieb, um die verfügbare Ausgangsspannung zu maximieren. Die beiden Verstärkereinheiten werden anschließend über den Transformator zusammengeführt.
Eine direkte Parallelschaltung der Verstärkerausgänge erfolgt nicht. Stattdessen sorgt der Transformator für die Kombination der Leistungen und gleichzeitig für eine galvanische Trennung zwischen den Geräten sowie zur Lastseite. Diese Trennung verhindert Ausgleichsströme zwischen den Verstärkern und erhöht die Stabilität des Gesamtsystems.
Die resultierende Ausgangsspannung wird durch das Übersetzungsverhältnis des Transformators bestimmt und ermöglicht Impulse von über ±1.000 V an einer Last von 500 Ω.
Pulsbetrieb und Grenzen des Transformators
Die erreichbare Ausgangsleistung von bis zu 2 kW bezieht sich auf den Pulsbetrieb. Entscheidend für die Auslegung ist dabei nicht nur die Leistung, sondern insbesondere das Voltsekundenprodukt des Transformators.
Bei maximaler Amplitude sollte die Pulsdauer daher etwa 25 µs nicht deutlich überschreiten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Kern in Sättigung gerät. In diesem Zustand steigt der Strom stark an, was die Schutzmechanismen der Verstärker auslöst und zur Abschaltung führt.
Wird die maximale Spannung nicht vollständig ausgenutzt, kann die Pulsdauer entsprechend verlängert werden. Die zulässige Kombination aus Spannung und Pulsbreite ist somit direkt an die magnetischen Eigenschaften des Transformators gekoppelt.
Einfluss der Lastimpedanz auf das Signalverhalten
Die Nennlast von 500 Ω erfüllt nicht nur die Funktion einer definierten Last, sondern trägt auch zur Dämpfung des Systems bei. Wird die Lastimpedanz deutlich erhöht, reduziert sich diese Dämpfung, was zu einem ausgeprägteren Einschwingverhalten führen kann.
In solchen Fällen lässt sich das Systemverhalten durch eine Bandbreitenbegrenzung am Verstärkereingang stabilisieren, beispielsweise durch eine Tiefpassfilterung. Alternativ kann die effektive Lastimpedanz durch zusätzliche Widerstände gezielt auf den vorgesehenen Bereich eingestellt werden.
Steuerung und Schutz des Systems
Die Synchronisation und Überwachung der beteiligten Verstärker erfolgt über eine angepasste Softwarelösung. Sie stellt sicher, dass alle Kanäle korrekt zusammenarbeiten und schaltet das System ab, sobald einer der Verstärker in einen Schutzmodus wechselt. Dadurch wird verhindert, dass asymmetrische Betriebszustände zu Fehlfunktionen oder Schäden führen.
Die Erzeugung schneller Hochspannungsimpulse im Kilovoltbereich lässt sich auch mit serienmäßigen 4-Quadranten-Leistungsverstärkern realisieren, sofern deren Ausgangssignal über einen geeigneten Transformator angepasst wird. Der Verzicht auf DC-Kopplung ermöglicht eine deutliche Erweiterung des Spannungsbereichs, erfordert jedoch eine sorgfältige Auslegung hinsichtlich Pulsdauer, Last und magnetischer Eigenschaften.
Stand: 08.12.2025
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Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass keine Modifikation der Verstärker notwendig ist. Die applikationsspezifische Anpassung erfolgt ausschließlich über den Transformator, während die Verstärker weiterhin flexibel für andere Laboranwendungen eingesetzt werden können. (mr)