Wirtschaftswissenschaftler fordert China zur Beschlagnahmung von TSMC auf

Von Maria Beyer-Fistrich

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Ein hochrangiger Wirtschaftswissenschaftler einer staatlichen chinesischen Forschungsgruppe hat die Regierung aufgefordert, den Halbleiterhersteller TSMC zu beschlagnahmen, sollten die USA China mit weiteren Sanktionen belegen.

China möchte technologische Unabhängigkeit sicherstellen. Mit den aktuellen Sanktionen ist das aber nicht zu machen.
China möchte technologische Unabhängigkeit sicherstellen. Mit den aktuellen Sanktionen ist das aber nicht zu machen.
(Bild: Pixabay License)

Chen Wenling ist einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler am CCIEE (China Center for International Economic Relations). Er forderte die chinesische Regierung kürzlich in einer Rede auf, das taiwanesische Unternehmen Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) im Falle weiterer ausländischer Sanktionen gegen China zu beschlagnahmen. Sollten die USA China mit einem ähnlichen Embargo wie Russland überziehen, sei eine Beschlagnahme der hochmodernen Fabrik mitsamt ihrer Technologien besonders für den Wiederaufbau industrieller Lieferketten unabdingbar.

Mit Forderungen kennen sich sowohl China als auch die USA aus. Erst im Januar 2022 hatten amerikanische Wissenschaftler empfohlen, die Fabrik von TMSC im Falle einer chinesischen Aggression gegenüber Taiwan in die Luft zu jagen. Zudem soll zumindest versucht werden, den chinesischen Halbleiterfertiger SMIC ähnlich empfindlich zu treffen.

Laut US-Regierung könne man nur durch eine solch große Bedrohung gegenüber der Produktionsinfrastruktur die Volksrepublik China daran hindern, ihre territorialen Konflikte mit Taiwan auf eine militärische Weise zu lösen.

Der Konflikt zwischen China und Taiwan hatte sich in den letzten Monaten verschärft. Huawei, das Flaggschiff der chinesischen Elektronikindustrie, hatte im Mai 2020 den Zugang zu TMSC verloren. SMIC darbt ebenfalls, da durch US-Sanktionen, die Donald Trump erlassen hat, der Erwerb, der für die fortschrittliche Halbleitertechnologie erforderlichen Komponenten, stark eingeschränkt ist. Weiterentwicklungen und vor allem Wettbewerbsfähigkeit sind in der aktuellen Situation kaum möglich.

Kampf um die Chipvorherrschaft

Die Äußerungen seitens Chen zeigen deutlich, dass Taiwans Chipherstellungskompetenz von China als wichtiger strategischer Aspekt begriffen wird. TMSC ist einer der wichtigsten Auftragsfertiger von Halbleitern und hat am globalen Foundry-Markt einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Auch Unternehmen wie Apple setzen auf Chips von TMSC.

Bis dato lehnte TMSC es ab, die Äußerungen von Chen zu kommentieren. Der chinesische Präsident Xi Jinping strebt bereits seit einigen Jahren eine technische Selbstversorgung und Umstellung auf modernste Wafer-Technologien an, das gelang den einheimischen Firmen aber aufgrund der Sanktionen bisher nicht. Der amerikanische Präsident Biden kündigte seinerseits an, in den kommenden Jahren die heimische Halbleiterforschung und -Entwicklung mit 52 Milliarden US-Dollar zu fördern. Im Rahmen der Verabschiedung des U.S. Investment and Competition Act, auch bekannt als USICA, wäre das möglich, sofern das Repräsentantenhause die Investitionen in dieser Höhe billigt. Laut Biden müssen die USA aufholen, denn derzeit werden 75 Prozent der Chips in Ostasien produziert; 90 Prozent der modernsten Chips kommen aus Taiwan. Den Anfang macht eine Investition in eine Intel-Fabrik in Ohio, die die amerikanische Regierung mit 20 Milliarden Dollar unterstützt. //MBF

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