Automatisierung und Energie Wie Delta smarte Fertigung und Gebäude durch KI autonom machen will

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Auf der Hannover Messe zeigt der taiwanesische Elektronikspezialist Delta, wie künstliche Intelligenz die Fertigung steuert und Gebäude klimatisiert. Mit starken Geschäftszahlen und neuen Forschungszentren untermauert der Konzern zugleich seinen Wachstumskurs.

trategie für die Industrie von morgen: Delta-EMEA-Präsident Dalip Sharma und Automatisierungschef Michael Mayer-Rosa erklären, wie KI und dezentrale Energienetze Unternehmen resilienter machen sollen.(Bild:  Manuel Christa)
trategie für die Industrie von morgen: Delta-EMEA-Präsident Dalip Sharma und Automatisierungschef Michael Mayer-Rosa erklären, wie KI und dezentrale Energienetze Unternehmen resilienter machen sollen.
(Bild: Manuel Christa)

Der Messeauftritt von Delta dreht sich im Wesentlichen um die Verschmelzung von virtueller und physischer Welt. So nutzt Delta etwa für sein System Diatwin die Plattform Omniverse von Nvidia, um digitale Zwillinge zu erstellen. Oder es arbeitet eine Anlage zur Leiterplattenbestückung live mit ihrem digitalen Abbild zusammen. Dieser Aufbau ermöglicht es den Ingenieuren, den kompletten Fertigungsprozess in physikalischen Modellen zu simulieren und zu validieren, bevor die echte Maschine den ersten Handgriff ausführt.

Dabei fließen reale Daten aus der laufenden Produktion direkt in die virtuellen Modelle ein. Das System prüft erstellte Fertigungsabläufe vorab auf mögliche Kollisionen der Werkzeuge und passt die Bewegungen iterativ an. Solche digitalen Abbilder bilden die Grundvoraussetzung für den Einsatz selbstlernender Algorithmen. Michael Mayer-Rosa, Senior Director für industrielle Automatisierung, verweist auf den rasanten Aufstieg humanoider Roboter. Allein in Deutschland gäbe es mittlerweile 117 Hersteller solcher Maschinen. Um diese komplexen Systeme effizient zu steuern, benötige man KI, die wiederum auf Daten angewiesen sei. „Wie arbeitet die KI, wenn sie keine digitalen Informationen hat? Man braucht eine Kopie der Realität in der digitalen Welt“, erklärt Mayer-Rosa. Ziel sei die Autonomie der Anlagen. „Wir können nur die Richtlinien vorgeben. In Zukunft kann die Maschine aus der Historie und den Informationspaketen heraus selbst Entscheidungen treffen.“

KI senkt Energiebedarf in Gebäuden

Delta überträgt dieses prädiktive Prinzip zunehmend von der Fabrikhalle auf moderne Büros. Anstatt eine Klimaanlage erst hochzufahren, wenn die Sonneneinstrahlung einen Raum bereits erhitzt hat, berechnen Algorithmen den Wärmeeintrag im Voraus. Das System passt Jalousien und Kühlung proaktiv an. Dieses Vorgehen vermeidet starke Verbrauchsspitzen beim Anspringen der Kompressoren und senkt den Energiebedarf deutlich.

Um technologisch Schritt zu halten, investiert das Unternehmen massiv in eigene Entwicklungsstandorte. Im Jahr 2025 steigerte Delta seinen globalen Umsatz um 36 Prozent auf 17,8 Milliarden US-Dollar. Zwischen acht und zehn Prozent dieser Erlöse fließen direkt zurück in die Forschung. Allein in Deutschland baut der Konzern seine Kapazitäten derzeit massiv aus: Neben dem bestehenden Robotik-Kompetenzzentrum in Stuttgart und einem Standort für kabellose Energieübertragung in Amberg nimmt im Mai ein neues Zentrum für Elektromobilität und KI-Rechenzentren mit 500 Ingenieuren den Betrieb auf. Ein weiterer Standort für IT-Infrastruktur folgt im Juni im norwegischen Drammen.

Antworten auf volatile Energiemärkte

Dalip Sharma, Präsident und Geschäftsführer von Delta Electronics EMEA, sieht die Industrie aktuell durch drei Faktoren herausgefordert: Fachkräftemangel, volatile Energiemärkte und Datensicherheit. Gerade beim Thema Industrie-KI warnt Sharma vor unbedachtem Handeln, da Unternehmen zögern, sensible Daten in externe Clouds zu verlagern. „Daten sind das neue Gold oder neue Öl“, betont Sharma. „Wir helfen unseren Kunden dabei, Edge-Rechenzentren in intelligenten Fabriken aufzubauen, um sicherzustellen, dass die Daten dort bleiben, wo sie bleiben sollen.“

Auch bei der Stromversorgung setzt Delta auf lokale Unabhängigkeit. „Heute nur auf das zentrale Stromnetz zu vertrauen, ist ein weiteres Geschäftsrisiko“, ordnet Sharma ein. Daher rüstet das Unternehmen smarte Fabriken und KI-Rechenzentren mit dezentraler Energieinfrastruktur aus. Anlagen, die Wasserstoff produzieren, erhalten flüssigkeitsgekühlte Stromversorgungen, die flexibel auf Netzschwankungen reagieren. Energieintensive Betriebe können auf Festoxidbrennstoffzellen zurückgreifen. Diese erzeugen direkt auf dem Werksgelände Strom und sichern den Betrieb ab.

Zusätzlich zeigt Delta modulare Festkörpertransformatoren mit einem Wirkungsgrad von 98,5 Prozent, die den extremen Energiehunger moderner Rechenzentren effizient bedienen. Dass die Bemühungen um Effizienz auch intern greifen, belegt Delta mit einem Etappenziel: In der gesamten EMEA-Region arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits vollständig mit erneuerbaren Energien.(mc)

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