Vollautomatische Fertigung Von Handarbeit zur Fertigungsstraße

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Die Automatisierung gilt heute als selbstverständlich. Fabriken produzieren Millionen Bauteile pro Tag, überwachen Prozesse in Echtzeit und erkennen Fehler automatisch. Ein Blick in das Archiv zeigt jedoch, dass viele dieser Entwicklungen älter sind als oft angenommen.

Bild 1: 
Das automatische Montieren auf einer Fertigungsstraße.(Bild:  Firmengruppe Roederstein)
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Das automatische Montieren auf einer Fertigungsstraße.
(Bild: Firmengruppe Roederstein)

Als der Beitrag im Jahr 1968 entstand, wurden viele Arbeitsschritte bei der Herstellung von Folienkondensatoren noch manuell durchgeführt. Die Produktion bestand aus mehreren aufeinanderfolgenden Schritten: Zuschneiden der Folien, Wickeln, Anbringen der Anschlüsse, Löten, Trocknen, Imprägnieren, Prüfen und Verpacken.

Insbesondere das Wickeln und die Montage der Anschlüsse erforderten einen hohen manuellen Aufwand. Anschlussdrähte wurden positioniert, Wickelenden verschlossen und Bauteile einzeln bearbeitet. Entsprechend hoch war der Personalbedarf.

Mit der Einführung automatischer Fertigungsanlagen änderte sich dies grundlegend. Maschinen übernahmen zunehmend die Prozessführung und reduzierten die erforderlichen manuellen Eingriffe auf Überwachungs- und Kontrollaufgaben.

Bild 2: Hier sind die Rohwickel in Pressrahmen eingelegt.(Bild:  Firmengruppe Roederstein)
Bild 2: Hier sind die Rohwickel in Pressrahmen eingelegt.
(Bild: Firmengruppe Roederstein)

Erstaunlich moderne Fertigungsprinzipien

Aus heutiger Sicht überrascht, wie viele Fertigungsprinzipien bereits damals umgesetzt wurden. Der im Artikel beschriebene Wickelautomat arbeitete nicht einfach nach einer festen Windungszahl, sondern orientierte sich an der gewünschten Kapazität des Bauteils. Dabei wurden Materialschwankungen der Folien berücksichtigt und automatisch ausgeglichen.

Besonders bemerkenswert ist die integrierte Qualitätskontrolle. Während des Wickelvorgangs wurde das Dielektrikum mit einer Prüfspannung überwacht, um Fehler wie Kurzschlüsse frühzeitig zu erkennen. Trat ein Defekt auf, stoppte die Maschine den Prozess automatisch und begann einen neuen Wickelvorgang.

Auch geometrische Parameter wurden kontinuierlich kontrolliert. Der Durchmesser des Wickels wurde elektrisch erfasst, um die Einhaltung vorgegebener Abmessungen sicherzustellen. Darüber hinaus erfolgte die Messung elektrischer Kenndaten bereits innerhalb der automatisierten Fertigungslinie.

Viele dieser Ansätze würden heute unter Begriffen wie Prozessüberwachung, Inline-Prüfung oder Qualitätsregelkreis eingeordnet.

Wie Kondensatoren heute entstehen

Moderne Kondensatoren werden heute in hochautomatisierten Fabriken gefertigt. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Mehrschicht-Keramikkondensatoren (MLCCs), die zu den wichtigsten passiven Bauelementen moderner Elektronik zählen.

Hier werden keramische Schichten mit Dicken von wenigen Mikrometern gedruckt, gestapelt, gepresst, gesintert und anschließend metallisiert. Produktionslinien arbeiten rund um die Uhr und fertigen Milliarden Bauteile pro Jahr. Kamerasysteme kontrollieren kontinuierlich Geometrien und Oberflächen, während automatisierte Messsysteme Kapazität, Verlustfaktor und Isolationswiderstand überprüfen.

Zusätzlich kommen heute Methoden zum Einsatz, die vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wären. Produktionsdaten werden zentral erfasst, statistisch ausgewertet und zur Prozessoptimierung genutzt. Moderne Manufacturing-Execution-Systeme dokumentieren jeden Fertigungsschritt, während digitale Zwillinge und datenbasierte Modelle Produktionsprozesse simulieren und verbessern.

Bild 3: 
Stückprüfung und Kontrolle am Automaten.(Bild:  Firmengruppe Roederstein)
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Stückprüfung und Kontrolle am Automaten.
(Bild: Firmengruppe Roederstein)

Die Ziele sind geblieben

Trotz aller technologischen Fortschritte haben sich die grundlegenden Anforderungen an die Fertigung kaum verändert. Schon damals standen eine gleichbleibende Qualität, enge Toleranzen und eine hohe Zuverlässigkeit im Mittelpunkt. Auch heute geht es darum, Kapazitätswerte präzise einzuhalten, Fehler frühzeitig zu erkennen und Ausschuss zu vermeiden.

Verändert haben sich vor allem Geschwindigkeit, Präzision und Datenverfügbarkeit. Was früher mit mechanischen Messvorrichtungen und spezialisierten Automaten erreicht wurde, übernehmen heute vernetzte Produktionssysteme mit hochauflösender Sensorik und umfangreicher Datenauswertung.

Vom Kondensator zur Smart-Factory

Der Beitrag zur automatisierten Kondensatorfertigung zeigt, dass viele Grundideen moderner Smart-Factories keineswegs neu sind. Schon damals wurden Prozesse überwacht, Fehler automatisch erkannt und Fertigungsparameter kontinuierlich kontrolliert. Die heutige Elektronikfertigung baut auf denselben Prinzipien auf – allerdings mit einer Präzision und Datenbasis, die vor einigen Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Als 1968 die Unternehmensgruppe Roederstein in Landshut, die heute zum Bauelementehersteller Vishay gehört, den Beitrag verfasste, hätte noch niemand ahnen können, wie sich die Fertigung noch weiter entwickeln würde. (mr)

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