Battery-Pass-Ready Testumgebung für digitalen Batteriepass geht live

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 5 min Lesedauer

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Ab Februar 2027 wird der digitale Batteriepass (DBP) in der EU zur Pflicht. Um Herstellern und Software-Dienstleistern den Übergang zu erleichtern, hat das Konsortium „BatteryPass-Ready“ nun eine Testumgebung gestartet. Sie dient als Pilotprojekt für künftige digitale Produktpässe (DPP) und soll den bürokratischen Aufwand langfristig in einen digitalen Wettbewerbsvorteil verwandeln.

Schnittstelle zur Kreislaufwirtschaft: Über einen Scan erhalten Hersteller, Recycler und Behörden künftig Zugriff auf alle relevanten Daten des digitalen Batteriepasses.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Schnittstelle zur Kreislaufwirtschaft: Über einen Scan erhalten Hersteller, Recycler und Behörden künftig Zugriff auf alle relevanten Daten des digitalen Batteriepasses.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Zeit läuft, denn in weniger als acht Monaten müssen Batterien für Elektrofahrzeuge und Industriebatterien mit einer Kapazität von über 2 kWh sowie Batterien für leichte Verkehrsmittel wie E-Bikes über einen digitalen Pass verfügen. Damit Unternehmen ihre Entwicklungen rund um den digitalen Batteriepass bereits jetzt testen können, wurde unter der Leitung des Fraunhofer IPK eine Testumgebung veröffentlicht.

Thomas Knothe, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK und Projektleiter von BatteryPass-Ready, erläutert die strategische Notwendigkeit: „Eine der größten Herausforderungen für Anbieter und Hersteller ist das sehr dynamische Umfeld: Regulierung, Standardisierung und Umsetzung des Batteriepasses laufen parallel. In der Testumgebung finden die Akteure ab sofort eine feste Anlaufstelle, die heute bereits die wichtigsten Testszenarien bereitstellt und kontinuierlich um neue Testszenarien erweitert wird. Das erlaubt es Unternehmen, ihre Lösungen rechtzeitig auf Vollständigkeit und Interoperabilität zu testen und anzupassen, ohne wertvolle Zeit zu verlieren.“

Batteriepass ist mehr als Dokumentationspflicht

In der begleitenden Fachdiskussion wurde deutlich, dass der Batteriepass weit über eine bloße Dokumentationspflicht hinausgeht. Projektleiter Thomas Knothe bezeichnete das System als potenzielles „Effizienzmonster“.

Aktuell können nur ungefähr 0,025 Prozent aller nach Europa importierten Produkte von der Marktüberwachung physisch geprüft werden. Der digitale Produktpass ermöglicht eine automatisierte Kontrolle und schafft faire Wettbewerbsbedingungen („Fair Level Playing Field“), indem er schwarze Schafe schneller identifiziert.

Die Testumgebung ist abrufbar und sie bietet zwei Wege der Nutzung: Zum einen über das Web-Interface, eine benutzerfreundliche Oberfläche für die manuelle Validierung von Datensätzen und über eine API-Schnittstelle, die speziell für Software-Entwickler gedacht ist, die ihre Systeme automatisiert gegen die Testumgebung laufen lassen wollen.

Das Konsortium: Wer steckt dahinter?

Das Projekt BatteryPass-Ready ist keine reine Industrie-Initiative, sondern ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördertes Kompetenz-Netzwerk. Es vereint die drei entscheidenden Säulen für den Erfolg des digitalen Produktpasses: Forschung, Standardisierung und Software-Implementierung.

Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK): Die technologische Speerspitze. Das IPK hat bereits die Technical Guidance für das EU-System entwickelt. Sie wissen also genau, wie die „Rohre“ der Datenarchitektur verlegt sein müssen.

acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften: Die neutrale Instanz. Sie moderiert zwischen Politik und Wirtschaft und hat die inhaltlichen Datenpunkte (Content Guidance) sowie die DIN DKE Spec 99100 maßgeblich mitgestaltet.

GEFEG: Der Spezialist für Datenschnittstellen. Sie liefern die eigentliche Testplattform und die Expertise, wie komplexe Datenstrukturen in Software-Code übersetzt werden, der weltweit funktioniert.

TU Berlin (Fachgebiet Qualitätswissenschaft): Die Fehler-Detektive. Sie bringen wissenschaftliche Methoden wie FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) ein, um das Testsystem so robust zu machen, dass es Fehler in der Datenkette findet, bevor diese im echten Betrieb zu Buche schlagen.

Die assoziierten Partner (VDA, VDMA, Bitkom, ZIV): Sie stellen sicher, dass die Testumgebung nicht am „grünen Tisch“ entsteht, sondern die Anforderungen der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der IT-Branche erfüllt.

Blick auf die User Stories

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den sogenannten User Stories. Getestet werden Szenarien wie das „Place Battery on the Market“, die Registrierung in der zentralen EU-Registry, das Auslesen durch Dritte und das Update von Daten. Langfristig ist geplant, den Quellcode der Testumgebung als Open Source zur Verfügung zu stellen, um Unternehmen On-Premise-Lösungen zu ermöglichen.

Ein kritischer Punkt in der industriellen Umsetzung bleibt die Frequenz von Daten-Updates. Während statische Informationen, wie die Materialzusammensetzung oder die Herkunft, einmalig hinterlegt werden, sind dynamische Daten wie der State of Health (SoH) oder die verbleibende Kapazität Gegenstand aktueller Diskussionen.

In der Testumgebung können Unternehmen bereits prüfen, wie sie diese Daten im System aktualisieren, ohne den administrativen Aufwand zu sprengen. Experten erwarten hier einen „stufenweisen Ansatz“ der EU: Zum Start im Februar 2027 werden voraussichtlich nur die Daten verpflichtend, für die bereits eindeutige Berechnungsregeln (z.B. CO2-Fußabdruck) vorliegen.

Johannes Simböck von Acatech betonte im Gespräch, dass der Batteriepass neue Touchpoints für Hersteller schafft. Durch den Zugriff auf Informationen über den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling oder der Zweitverwertung („Second Life“), entstehen neue Geschäftsmodelle. In Zukunft könnten sogar Einkaufs-Bots Produkte ohne gültigen digitalen Pass schlichtweg ignorieren.

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Blaupause für weitere Produktpässe

Der Batteriepass gilt als Pionierprojekt. Die Erkenntnisse aus der Testumgebung sollen künftig auf weitere Produktgruppen, wie Textilien oder Bauprodukte, übertragen werden. Ziel ist es, den Batteriepass als ein sogenanntes Effizienzmonster für die Kreislaufwirtschaft zu etablieren: Während heute nur Bruchteile importierter Produkte kontrolliert werden können, soll der digitale Pass künftig automatisierte Konformitätsprüfungen am Zoll und im Markt ermöglichen. (heh)

Wer tiefer in die praktische Umsetzung und die strategischen Implikationen des digitalen Produktpasses eintauchen möchte, hat dazu auf der Fachkonferenz Power of Electronics am 29. September die Gelegenheit. In ihrer Keynote zum Thema „Der Digitale Produktpass: Konzept, Umsetzung und Herausforderungen in der industriellen Praxis“ beleuchten Dr. Kai Lindow (Fraunhofer IPK) und Dr. Jochen Zapf (Schaeffler), wie die theoretischen Anforderungen der EU in reale Industrieprozesse übersetzt werden können. Dr. Lindow bringt dabei die direkte Expertise aus der Entwicklung der technischen Standards ein, während Dr. Zapf die Perspektive eines global agierenden Automobil- und Industriezulieferers vertritt. Sie sind eine ideale Kombination, um die Hürden und Chancen für die Elektronikfertigung zu verstehen.

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