Neuausrichtung auf KI in Rechenzentren Qualcomm schließt Abkommen mit Bytedance, um KI-Chips für China zu produzieren

Von Sebastian Gerstl 4 min Lesedauer

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Qualcomm will mit KI-Chips in China wachsen und arbeitet Medienberichten zufolge mit Bytedance zusammen, um auf legalem Weg US-Handelsauflagen umgehen zu können. Parallel stärkt der Konzern seine Softwarebasis für KI-Inferenz und übernimmt KI-Startup Modular für knapp 4 Millionen $.

Qualcomm geht in die KI-Offensive: Mit der Dragonfly C1000 CPU will sich das Unternehmen als starker Anbieter von Prozessoren für KI-Lasten in Rechenzentren platzieren. Zugleich plant man einen Ausbau des China-Geschäfts, indem in Partnerschaft mit Tiktok-Mutter Bytedance ASICs für KI-Inferenz produziert werden sollen, die nich unterhalb der US-Handelsauflagen liegen. Ferner wurde das KI-Software-Startup Modular Technologies für 3,9 Mrd. US-$ erworben.(Bild:  Qualcomm)
Qualcomm geht in die KI-Offensive: Mit der Dragonfly C1000 CPU will sich das Unternehmen als starker Anbieter von Prozessoren für KI-Lasten in Rechenzentren platzieren. Zugleich plant man einen Ausbau des China-Geschäfts, indem in Partnerschaft mit Tiktok-Mutter Bytedance ASICs für KI-Inferenz produziert werden sollen, die nich unterhalb der US-Handelsauflagen liegen. Ferner wurde das KI-Software-Startup Modular Technologies für 3,9 Mrd. US-$ erworben.
(Bild: Qualcomm)

Qualcomm treibt seine Neuausrichtung auf KI-Rechenzentren mit zwei strategischen Schritten voran: Der US-Chipkonzern arbeitet Medienberichten zufolge an speziell angepassten KI-Chips für den chinesischen Markt und will zugleich mit der Übernahme des KI-Softwareunternehmens Modular Technologies seine Position im Inferenzgeschäft stärken. Beide Vorhaben zielen darauf, Qualcomm unabhängiger vom Smartphone-Geschäft zu machen und im wachsenden Markt für KI-Infrastruktur Fuß zu fassen.

Auf einem Investorentag stellte Qualcomm am 25. Juni ein breites Rechenzentrumsportfolio vor. Dazu zählen die Dragonfly-C1000-CPU, die HBC-Technologie zur Verringerung des sogenannten Memory Walls, der Dragonfly-AI300-Inferenzbeschleuniger, Connectivity-Lösungen sowie kundenspezifische Halbleiter. Damit adressiert Qualcomm nicht nur klassische Cloud-Anbieter, sondern auch Kunden mit eigenen KI-Workloads und spezifischen Anforderungen an Energieeffizienz, Bandbreite und Kosten pro Token.

China bleibt Schlüsselmarkt trotz Regulierung

Eine zentrale Rolle spielt dabei China. Laut Wirtschaftszeitung Nikkei Asia will Qualcomm seine vier Produktlinien für Rechenzentren auch dort anbieten, darunter speziell angepasste KI-Beschleuniger, die mit den US-Exportkontrollen für fortgeschrittene KI-Chips vereinbar sein sollen. Der Markt ist für Qualcomm weiterhin von großer Bedeutung: 2025 entfielen dem Bericht zufolge 46 Prozent des Konzernumsatzes auf China, bislang vor allem durch Smartphone-Chips.

Gerade diese Abhängigkeit vom Mobilfunkgeschäft will Qualcomm reduzieren. Das Unternehmen ist einer der weltweit wichtigsten Anbieter von Smartphone-Modemchips und Snapdragon-Prozessoren, steht aber unter Druck durch einen schwächeren Gerätemarkt und steigende Speicherpreise. Der Einstieg in Rechenzentrums-CPUs, Inferenzbeschleuniger und kundenspezifische ASICs soll deshalb neue Erlösquellen erschließen.

Im Mittelpunkt der China-Pläne steht offenbar Bytedance. Bloomberg berichtete bereits im Mai, Qualcomm habe eine Vereinbarung geschlossen, um dem Konzern, dem unter anderem das soziale Netzwerk TikTok angehört, Millionen kundenspezifischer ASICs für KI-Rechenzentren zu liefern. Zusätzlich soll Qualcomm Bytedance dabei unterstützen, ein eigenes internes Chipdesign in die Volumenfertigung zu bringen. Reuters meldete später, Qualcomm verhandele mit Bytedance über Chipdesign-Dienstleistungen; dabei könnten auch Technologien des übernommenen Connectivity-Spezialisten Alphawave Semi eine Rolle spielen.

Details zu den geplanten Bausteinen sind bislang nur teilweise bekannt. Reuters zufolge geht es unter anderem um Videoprozessoren, bei denen eine Massenproduktion bis Ende des Jahres angestrebt werden könnte. Zugleich betonten die Quellen, dass die Gespräche noch nicht zwingend zu einem fertigen Chipdesign oder einer Produktion führen müssten. Qualcomm und Bytedance äußerten sich demnach nicht zu den Berichten.

ASICs unterhalb der Exportkontrollgrenzen

Strategisch entscheidend ist die regulatorische Konstruktion. Die für Bytedance vorgesehenen Qualcomm-ASICs sollen innerhalb der derzeit geltenden Leistungsgrenzen der US-Exportkontrollen liegen. Auch Bytedances eigenes Chipdesign soll so ausgelegt sein, dass es diese Schwellen nicht überschreitet. Damit wäre das Vorhaben wirtschaftlich relevant, aber politisch besser abzusichern als der direkte Verkauf modernster KI-GPUs nach China.

Die regulatorischen Risiken bleiben dennoch erheblich. Nikkei verweist darauf, dass Qualcomm vor ähnlichen Herausforderungen stehen dürfte wie Nvidia und andere Chipanbieter. Die US-Regierung hat die Exportregeln für KI-Chips verschärft; Berichten zufolge verlangt das US-Handelsministerium Lizenzen für chinesische Unternehmen mit Hauptsitz in China, selbst wenn diese im Ausland operieren. Für US-Konzerne bleibt China damit ein großer, aber zunehmend komplizierter Markt.

Für Bytedance wäre ein solcher Deal ein Weg, KI-Rechenleistung jenseits von Nvidia zu sichern. Das Unternehmen benötigt Beschleuniger für Inferenz- und Agentic-AI-Anwendungen und bewegt sich zugleich in einem Umfeld zunehmender Kontrollen durch Washington und Peking. Qualcomm könnte damit als zusätzlicher westlicher Anbieter neben Nvidia und den internen Chipprogrammen großer Hyperscaler sichtbar werden.

Qualcomm verbindet diese Pläne mit ambitionierten Umsatzzielen. Reuters zufolge erwartet das Unternehmen bis 2029 rund 15 Milliarden US-Dollar Umsatz mit Rechenzentrumschips. Für das Fiskaljahr 2027 stellte CFO Akash Palkhiwala demnach bereits 5 Milliarden US-Dollar in Aussicht, darunter etwa 1 Milliarde US-Dollar aus neuen kundenspezifischen Silicon-Projekten.

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Software weitere Säule der KI-Strategie

Parallel zur Hardwareoffensive kauft Qualcomm das KI-Infrastrukturunternehmen Modular Technologies. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich üblicher Abschlussbedingungen und regulatorischer Genehmigungen. Finanzielle Details nannte Qualcomm zunächst nicht; Reuters-Berechnungen und Medienberichte beziffern den Wert der überwiegend aktienbasierten Transaktion auf rund 3,9 bis 4 Milliarden US-Dollar.

Modular entwickelt eine offene, KI-native Softwareplattform, mit der Modelle effizient über unterschiedliche Hardwarearchitekturen hinweg laufen sollen. Unterstützt werden unter anderem CPUs, GPUs, NPUs, kundenspezifische ASICs und weitere Beschleuniger. Entwickler sollen Modelle nicht für jede Zielplattform neu schreiben müssen, sondern sie über eine gemeinsame Softwarebasis auf unterschiedlichen Systemen einsetzen können.

Für Qualcomm ist das strategisch wichtig, weil der Erfolg im Rechenzentrum nicht allein von der Hardware abhängt. Inferenzkosten, Energieeffizienz und Portabilität werden zunehmend von der Softwareebene bestimmt. Modular soll Qualcomms Fähigkeit stärken, eine optimierte KI-Compute-Schicht von Edge-Geräten bis in Rechenzentren anzubieten und Kunden eine Alternative zu stark proprietären Ökosystemen zu eröffnen.

Qualcomm-CEO Cristiano Amon sieht die Branche auf dem Weg zu disaggregierten, herstellerübergreifenden Architekturen, die eine offenere Softwarebasis benötigen. Mit Modular ergänzt Qualcomm seine Hardware-Roadmap daher um ein Entwickler- und Plattformargument: Der Konzern will nicht nur Chips für KI-Inferenz liefern, sondern ein Ökosystem schaffen, das Modelle, Software und heterogene Beschleuniger effizient miteinander verbindet.(sg)

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