Siemens auf der CES 2026 Noch mehr „Nvidia“ für Siemens EDA und neuer Digital Twin Composer

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Siemens will EDA- und Simulationssoftware stärker auf GPUs bringen. Außerdem kündigt der Konzern den Digital Twin Composer als neues Werkzeug für digitale Zwillinge an, das Mitte 2026 startet. Zeitgleich soll das neue Elektronikwerk Erlangen als Referenz dienen, um „vollständig KI-gesteuerte, adaptive Fertigung“ in die Praxis zu bringen.

Siemens-CEO Roland Busch (li.) und Nvidia-CEO Jensen Huang: Häufig zusammen zu sehen auf internationalen Bühnen.(Bild:  Siemens)
Siemens-CEO Roland Busch (li.) und Nvidia-CEO Jensen Huang: Häufig zusammen zu sehen auf internationalen Bühnen.
(Bild: Siemens)

Die Keynote der diesjährigen CES 2026 hielt ein deutscher Automatisierer: Siemens-CEO Roland Busch hat die Partnerschaft mit Nvidia entlang mehrerer Themen sortiert: schnelleres Chip- und Leiterplatten-Design, ein neues Werkzeug für digitale Zwillinge und der Übergang von der Planung in den Betrieb am eigenen Erlanger Beispiel.

EDA auf GPUs: Mehr Iterationen, weniger Warteschlangen

Siemens kündigt an, das EDA-Portfolio so auszubauen, dass es die (Nvidia-)GPU-Rechenleistung besser ausnutzt. Im Zentrum steht dabei CUDA-Unterstützung, um rechenintensive Aufgaben, etwa in Simulation, Verifikation und physikalischer Analyse, stärker parallelisieren zu können. Siemens nennt als Ziel eine Beschleunigung in „critical EDA workflows“ um das Zwei- bis Zehnfache. Für Teams, die heute Verifikation, Timing-Signoff oder komplexe elektromagnetische Simulationen über Nacht laufen lassen, ist genau das ein greifbarer Hebel: Wenn mehr Jobs in kürzerer Zeit fertig werden, können Entwickler Varianten früher gegeneinander testen und Designentscheidungen schneller absichern.

Zusätzlich will Siemens Nvidias Model-Angebote NIM und Nemotron in sein EDA-Umfeld integrieren. Siemens spricht hier von generativen und agentenbasierten Workflows für Halbleiter- und PCB-Design. Übersetzt in Alltagssprache heißt das: KI soll nicht nur Text produzieren, sondern konkrete Schritte in der Toolkette unterstützen, etwa beim Aufspüren von Problemstellen, beim Vorschlagen von Alternativen oder beim Automatisieren von wiederkehrenden Analysen. Ob daraus tatsächlich belastbare „Autopiloten“ im Design werden, hängt am Ende an Datenzugriff, Nachvollziehbarkeit und daran, wie gut sich die Vorschläge in bestehende Freigabeprozesse integrieren lassen.

Digital Twin Composer: Von CAD-Daten zur laufenden Anlage

Als primären Produkt-Launch zur CES nennt Siemens den Digital Twin Composer. Die Software soll 2D- und 3D-Daten eines digitalen Zwillings mit Echtzeitdaten aus der Anlage verbinden und Szenen in einer Omniverse-Umgebung aufbauen. Siemens beschreibt damit einen Ansatz, der nicht beim Modell stehen bleiben soll: Der Zwilling soll sich im laufenden Betrieb aktualisieren und so als Grundlage dienen, um Eingriffe zu planen, Ursachen zu analysieren oder Varianten virtuell zu testen, bevor Techniker an die Anlage gehen.

Siemens nennt als Verfügbarkeit Mitte 2026 über den Siemens Xcelerator Marketplace. PepsiCo dient hier als früher Anwender und verbindet den Ansatz mit messbaren Effekten wie höherem Durchsatz und geringeren Investitionen. Diese Werte zeigen, worauf das Konzept zielt: weniger Stillstand durch bessere Vorabplanung, schnellere Umrüstungen und eine engere Kopplung zwischen Engineering und Betrieb.

Erlangen als Referenz für adaptive Fertigung ab 2026

Der dritte Baustein betrifft den Betrieb: Siemens will in Erlangen eine der „weltweit ersten vollständig KI-gesteuerten, adaptiven Fertigungsstätten“ aufbauen. Als Startpunkt ab 2026 nennt Siemens die Electronics Factory in Erlangen, die als Blaupause für weitere Werke dienen soll. Inhaltlich positioniert Siemens hier einen KI-Layer über softwaredefinierter Automatisierung: Daten aus dem digitalen Zwilling und aus Operations-Systemen sollen in Echtzeit in Modelle fließen, die Prozesse nachführen und Entscheidungen vorbereiten.

Siemens verankert das Thema in seinem Stack aus Engineering- und Operations-Software. Das bleibt zunächst ein Herstelleransatz, bekommt aber durch den Erlangen-Bezug und den Zeitplan ab 2026 eine konkrete Klammer. Für Leser, die selbst Fertigung oder Produktentwicklung verantworten, ist das vor allem dann relevant, wenn Siemens Details zur Umsetzung nachlegt: Schnittstellen, Sicherheitskonzept, Rollenmodelle und die Frage, wo und wie Menschen die Kontrolle behalten. (mc)

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