Standardisierung im 3D-Stack OpenUSD verknüpft CAD, Sensorik und Robotik zu produktionsnahen Zwillingen

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Es soll das Rückgrat industrieller 3D‑Workflows werden. Nvidia bündelt mit OpenUSD Omniverse Neural Reconstruction, Isaac und Cosmos‑Modelle. Das verkürzt den Weg vom Reality Capture zum belastbaren Zwilling  und bereitet Physical‑AI‑Einsätze vor.

OpenUSD: eine hochleistungsfähige, erweiterbare Softwareplattform für kollaboratives Erstellen von animierten 3D-Szenen.(Bild:  Nvidia)
OpenUSD: eine hochleistungsfähige, erweiterbare Softwareplattform für kollaboratives Erstellen von animierten 3D-Szenen.
(Bild: Nvidia)

OpenUSD, die Universal Scene Description, dient als gemeinsames Szenenformat für CAD/PLM, Sensordaten, Materialien und Robotik‑Schemas. Es beschreibt, versioniert und verknüpft komplexe 3D‑Welten. Die Alliance for OpenUSD wächst. Dazu kommen eine OpenUSD‑Entwicklerzertifizierung und ein kostenloser Lernpfad für Digital‑Twin‑Anwendungen.

Die Pipeline richtet sich klar auf Sim‑to‑Real: NuRec rekonstruiert reale Umgebungen aus Kamera‑ und Sensordaten, 3D‑Gaussian‑Splatting beschleunigt die Darstellung, Isaac Sim 5.0 und Isaac Lab 2.2 liefern Training und Tests, Cosmos‑Modelle ergänzen Daten und Reasoning. Ziel ist, Zwillinge schneller zu bauen und robuster in Anlagen zu überführen.

Robotik und Physical AI

Mit Omniverse‑NuRec und RTX‑basierendem 3D‑Gaussian‑Splatting entstehen aus mehransichtigen Aufnahmen interaktive USD‑Szenen. Das senkt manuellen Modellieraufwand und verkürzt Iterationen. Materialien, Kinematik und Sensorrauschen lassen sich auf USD‑Basis konsistent hinterlegen. So wachsen digitale Zwillinge, die visuell und physikalisch nah an der Realität bleiben – eine Voraussetzung, damit Vision‑KI, autonome Fahrzeuge und Roboterflotten später sicher agieren.

Eine neue Brücke verbindet MuJoCo/MJCF mit OpenUSD. Bestehende Robotermodelle und Lernumgebungen lassen sich ohne Neumodellierung in USD‑Szenen nutzen. Parallel erscheinen Isaac Sim 5.0 und Isaac Lab 2.2 mit NuRec‑Integration und neuen OpenUSD‑Schemas für Roboter und Sensoren.

Für Datenlücken und seltene Situationen stellt Nvidia Cosmos‑Modelle bereit, darunter Cosmos Transfer‑2 und Cosmos Reason. Sie liefern synthetische Trainingsdaten und unterstützen räumliches Reasoning.

Praxis: Planung, Fabriksimulation, Shopfloor, Robotik

Unternehmen zeigen die Bandbreite der Anwendungen, von Design‑Review bis robotischem Handling. Die folgenden Kurzporträts ordnen Nutzen und eingesetzte Bausteine ein:

  • Siemens: Teamcenter Digital Reality Viewer ermöglicht fotorealistische und kollaborative Reviews im Browser. Das verkürzt die Zyklen für Design und Freigabe und reduziert physische Prototypen.
  • Sight Machine: Operator Agent verknüpft digitale Zwillinge mit Live-Daten vom Shopfloor und mit agentischen Empfehlungen. Teams treffen Entscheidungen schneller und stützen sie auf Daten.
  • Rockwell Automation: Emulate3D Factory Test bildet fabrikweite und physikbasierte digitale Zwillinge ab, um Automatisierung zu simulieren, zu validieren und zu optimieren.
  • Edag: Die industrielle Plattform für digitale Zwillinge unterstützt Projektmanagement, Layout Planung, Training und datengetriebene Qualitätssicherung.
  • Schaeffler: Die Plattform integriert Planungsdaten und Produktionsdaten. Sie simuliert Anlagen und Maschinen und optimiert die zugehörigen Workflows.
  • Amazon Devices & Services: Digitale Zwillinge trainieren Roboterarme für Erkennen, Inspektion und das Handhaben neuer Geräte. Montage, Test, Verpackung und Audit laufen zunächst vollständig in der Simulation.
  • Vention: Lösungen nach dem Prinzip Plug and Play nutzen Robotik, KI und Simulation von Nvidia. Omniverse Bibliotheken, Isaac Sim und Jetson Hardware beschleunigen die Planung und die Inbetriebnahme.

Vom Scan zum Zwilling in der Anlage

OpenUSD kann nur dann über Piloten hinaus wachsen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: erstens Interoperabilität mit bestehenden CAD, PLM, MES und ROS bis hin zu Edge‑Steuerungen, zweitens tragfähige Kosten für Rekonstruktion, Simulation und Streaming, drittens ein belastbarer Prozess, der Zwillinge in laufenden Werken aktuell hält.

Kurzfristig empfiehlt sich eine klar abgegrenzte Zelle mit definierten Übergaben an Betrieb und IT und mit messbaren Zielen wie Zeit bis zum ersten Zwilling, Quote der Sim‑to‑Real‑Treffer und Inbetriebnahmezeit. Mittelfristig braucht es verbindliche USD‑Schnittstellen, interne Schulungen und ein Versionierungs‑ und Update‑Regime für Szenen und Daten. Offene Frage bleibt, wer in der Fabrik dauerhaft die Rolle des Twin Owners übernimmt: Engineering, IT oder der Betrieb. (mc)

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