Anbieter zum Thema
Erfahrungen im industriellen Einsatz
Die erhobenen NFA dienen dazu, eine geeignete Architektur abzuleiten sowie für eine frühe Qualitätssicherung und zum effizienteren Management von Unterauftragnehmern. Daher ist ihre frühzeitige Identifikation essentiell notwendig. Basierend auf den im Projekt gewonnenen Erfahrungen werden die erfahrungsbasierten Modelle und Checklisten immer wieder verbessert und komplettiert. Das Zuschneiden der Qualitätsmodelle und die konkrete Erhebung der NFA werden in Workshops mit den beteiligten Stakeholdern durchgeführt.
Diese Methode wurde in verschiedenen industriellen Fallstudien gewinnbringend eingesetzt. Dabei wurden verschiedene Erkenntnisse gewonnen, beispielsweise
- NFA sind schwer zu erheben und messbar/testbar zu spezifizieren. Der vorgestellte Ansatz hat sich in verschiedenen Gebieten zur effizienten Erhebung einer messbaren und konsistenten Menge von NFA bewährt. Teilweise wurde eine Rate von mehr als 95% messbaren NFA erreicht.
- Essentielle NFA sowie Abhängigkeiten, die vorher unentdeckt blieben, wurden aufgedeckt und stellten sich für den weiteren Verlauf des Projekts als sehr wichtig und kostenrelevant heraus. Bis zu 622% neue, relevante NFAs wurden mit dem Ansatz identifiziert und spezifiziert.
- Geringste Änderungen der NFA können einen bedeutenden Einfluss auf die Architektur haben. NFA wie z.B. Performanz oder aber auch Sicherheit haben eine sehr hohe Relevanz für die Ableitung der Architektur. Die Erfahrung zeigt, dass bereits geringfügigste Änderungen bezüglich der NFA zu sehr bedeutenden Veränderungen der Architektur führen können.
- Setzt man den Aufwand für die NFA-Erhebung mit der Aufwandsersparniss in nachfolgenden Entwicklungsphasen in Beziehung, so konnten ROI (Return-on-Invest-)Werte von bis zu 17 erzielt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir viele positive Erfahrungen mit der beschriebenen Methode zur systematischen und effizienten Erhebung und Dokumentation von NFA gemacht haben. Die Resonanz aus der Industrie war stets positiv. Beispielsweise erreichten wir in industriellen Fallstudien einen hohen Anteil an messbaren und testbaren Anforderungen und erhoben fehlende, bislang nicht spezifizierte aber für den Produkterfolg wichtige NFA. Die ROI-Werte zeigen, dass eine systematische Erhebung von NFA in industriellen, komplexen Produkten nicht nur möglich und nutzbringend, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Referenz: ISO/IEC 9126-1:2001(E) : Software Engineering - Product Quality - Part 1: Quality Model, International Organization for Standardization (ISO), 2001
*Dipl.-Inform. Jörg Dörr ist Leiter der Hauptabteilung „Information Systems“ am Fraunhofer IESE in Kaiserslautern. Sein Arbeitsschwerpunkt in Forschungs- und Transferprojekten umfasst Requirements Engineering mit Fokus auf nicht-funktionalen Aspekten. Seit 2006 ist er als Dozent zum Thema Requirements Engineering an Hochschulen aktiv. Dörr ist ferner Mitglied des Leitungsgremiums der Fachgruppe Requirements Engineering der Gesellschaft für Informatik, in der er den Arbeitskreis „Nicht-funktionale Anforderungen“ leitet.
(ID:359503)