Offenes IoT Neocortec öffnet seinen Protokoll-Stack für Dritthersteller

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Auf der Embedded World 2026 hat Neocortec eine neue Version seiner Gateway-Software NeoGW sowie ein webbasiertes Netzwerk-Management-Tool vorgestellt. Damit schließt das dänische Unternehmen die Lücke zwischen seinem Low-Power-Mesh-Netz und der Anwendungsebene in Cloud- und Edge-Architekturen.

Vom Hardware-Produzenten zum Software-Anbieter: Neocortec lizenziert seinen NeoMesh-Protokoll-Stack zunehmend direkt an OEMs und Dritthersteller, anstatt ausschließlich auf den Verkauf eigener Funkmodule zu setzen.(Bild:  mc/VCG)
Vom Hardware-Produzenten zum Software-Anbieter: Neocortec lizenziert seinen NeoMesh-Protokoll-Stack zunehmend direkt an OEMs und Dritthersteller, anstatt ausschließlich auf den Verkauf eigener Funkmodule zu setzen.
(Bild: mc/VCG)

Wer heute ein großes Gebäude nachträglich automatisieren oder großflächige IoT-Sensornetzwerke ausrollen will, steht oft vor einem Dilemma: Kabelziehen ist zu teuer, klassische WLAN- oder ZigBee-Netzwerke stoßen bei der Skalierung an ihre Grenzen, und LoRaWAN erfordert oft teure Gateways auf mehreren Etagen.

Das dänische Unternehmen Neocortec nimmt sich dieser Lücke an mit seinem „NeoMesh"-Protokoll. Dabei handelt es sich um ein selbstorganisierendes, bidirektionales Wireless-Mesh-Netzwerk für extrem stromsparende Anwendungen. Auf der Messe in Nürnberg zeigte das Unternehmen, wie es die Hürden für IoT-Entwickler weiter senken will: durch neue Software-Werkzeuge für das Netzwerkmanagement und eine stärkere Entkopplung von der eigenen Hardware.

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NeoGW bringt Sensor-Daten per MQTT in die Cloud

Die überarbeitete Open-Source-Software NeoGW setzt nun auf eine tiefe MQTT-Integration und passt ihre Nachrichtenstrukturen an die Anforderungen cloudnativer Anwendungen an. „Mit der nativen MQTT-Integration und der verbesserten Nachrichtenausrichtung für Cloud-Umgebungen machen wir es unseren Kunden deutlich einfacher, ihre NeoMesh-Implementierungen mit den genutzten Plattformen zu verbinden", sagt CEO Thomas Steen Halkier.

Ergänzend dazu hat Neocortec ein webbasiertes Management-Tool auf den Markt gebracht, das als Schnittstelle zur NeoGW-Software dient. Administratoren können darüber einzelne Netzwerke oder ganze Flotten zentral verwalten. Die Software bietet eine Live-Visualisierung der Mesh-Topologie und zeigt, wie sich die batteriebetriebenen Knoten untereinander verbinden und selbst über mehrere Stockwerke hinweg vollkommen autark organisieren.

Software-Lizenzierung statt Hardware-Zwang

Die Produktneuheiten stehen im Kontext einer breiteren Strategie: Neocortec wandelt sich zunehmend vom Hardware- zum Software-Anbieter. Zwar verkauft das Unternehmen seit 2014 eigene Funkmodule, inzwischen wird der Protokoll-Stack aber auch direkt an große OEMs lizenziert – wie etwa an Honeywell für kommerzielle Brandmeldeanlagen.

Darüber hinaus arbeitet Neocortec mit anderen Modulherstellern zusammen. Ein prominentes Beispiel auf der Messe ist ein Modul des Herstellers Mbit. Dieses nutzt die physikalische Modulationsebene von LoRa, setzt aber für die Netzwerklogik auf den NeoMesh-Stack anstelle eines klassischen LoRaWAN-Sternnetzwerks. Der technische Vorteil: Die LoRa-Modulation erlaubt es, Signale selbst dann noch zu demodulieren, wenn sie unterhalb des Rauschens liegen. Das ermöglicht eine Mesh-Vernetzung mit deutlich höherer Gebäudedurchdringung als über klassische Sub-GHz-Module.

Damit entfällt für die Anwender faktisch der oft gefürchtete Vendor-Lock-in. „Die Kunden müssen nicht unser Modul oder unser Produkt nehmen“, stellt CEO Halkier klar. „Wir möchten uns auf unsere Kerntechnologie konzentrieren, den Protokoll-Stack. Das ist der Punkt, an dem wir den Unterschied machen.“

Einsatzgebiet Großgebäude: Die technischen Grenzen des Systems

Seinen Platz im fragmentierten Funkmarkt sieht Halkier vor allem in großen Gebäuden. „Für Smart Homes gibt es Zigbee, Thread, WLAN. Aber in große Gebäude skalieren diese Technologien nicht", ordnet er im Gespräch mit der Elektronikpraxis ein. Der zentrale Vorteil: NeoMesh organisiert sich vollständig selbst, ohne zentrale Management-Instanz, und alle Knoten können viele Jahre batteriebetrieben arbeiten. Das macht die Technologie besonders für die Nachrüstung von Bestandsgebäuden der 70er und 80er Jahre interessant, wo eine nachträgliche Verkabelung unwirtschaftlich wäre.

Im Vergleich zu LoRaWAN, das im Gebäudeinneren stark an Reichweite verliert und oft mehrere teure Gateways pro Gebäude erfordern kann, bilden die Sensorknoten bei NeoMesh selbst das redundante Netz. Ein einziges Gateway im Keller genügt dann als Brücke zur Cloud-Infrastruktur.

Diese massive Skalierbarkeit geht jedoch mit klaren physikalischen Kompromissen einher: Sprache, Video oder Kommunikation mit niedriger Latenz kann das Funk-Mesh nicht liefern. Das System ist strikt auf wenige Bytes pro Übertragung ausgelegt – ideal für batteriebetriebene Sensoren, die typischerweise nur im Minutentakt Temperatur-, Feuchtigkeits- oder Zählerwerte übermitteln. (mc)

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