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LTE und WiMAX – der Kampf um den mobilen 4G-Standard

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WiMAX-Netzwerke eignen sich auch für abgelegene Gebiete

(Bild: Rainer Sturm, pixelio.de)
Es gibt verschiedene Technologievariationen unter dem Dach der 3G-Mobilkommunikation, z.B. W-CDMA, CDMA2000 und TD-SCDMA, aber es wird erwartet, dass sich LTE zum ersten wirklich globalen Standard für Mobiltelefone entwickeln wird. LTE unterstützt darüber hinaus Handover und Roaming in anderen 3G-Mobilnetzen, was zu einer besseren Netzabdeckung führen kann.

Obwohl für LTE eine SIM-Karte erforderlich ist, vereinfacht dies das Roaming: LTE stellt eine effektive Nutzung von 3G-Masten dar, wenn Mobilgeräte außer Reichweite auf 2.5G- oder 3G-Netzwerke ausweichen. LTE ist sicher der natürliche Upgradepfad zu 4G für Anbieter mit bestehenden GSM/EDGE- und UMTS/HSPA-Netzwerken. Und für Betreiber mit einer bestehenden kompatiblen Infrastruktur ist es kostengünstiger, ihre bestehenden Anlagen aufzurüsten.

WiMAX ist in erster Linie für drahtlose Metropolitan Area Networks konzipiert

WiMAX bietet eine vergleichbare Leistung wie WLAN-Netzwerke, aber mit der Abdeckung von Mobilfunknetzen. WiMAX ist in erster Linie für drahtlose MAN (Metropolitan Area Networks) in Stadtgebieten konzipiert und es kann einen drahtlosen Breitbandzugriff von bis zu 50 km Reichweite bei Feststationen und von 5 bis 15 km bei mobilen Stationen bieten. Die im Vergleich zu LTE relativ niedrigen Kosten für das Einrichten eines WiMAX-Netzwerks bedeuten jedoch, dass WiMAX sich auch in abgelegenen Gebieten für die Bereitstellung von Breitband-Internetzugriff über die so genannte „letzte Meile“ als wirtschaftlich erweisen könnte.

Im Großen und Ganzen ist WiMAX allerdings vorteilhafter für diejenigen Anbieter, die sich auf die Bereitstellung von drahtlosem Breitbandzugriff in städtischen Gebieten konzentrieren. Es ist für neue Marktteilnehmer mit geringeren Kosten verbunden. WiMAX ist darüber hinaus für Schwellenländer geeignet, in denen noch keine bedeutende Infrastruktur vorliegt, besonders für Gebiete ohne bestehende GSM-Infrastruktur.

Die Betreiber unterscheiden sich durch Geschäftsmodelle

Letztlich werden Betreiber, die entweder den einen oder den anderen Standard anbieten, sich durch ihre Geschäftsmodelle unterscheiden. Außerdem wird die fehlende Interoperabilität zwischen LTE und WiMAX für Anbieter zu Upgradeproblemen führen, die beide Systeme sowie bestehende 2G- und 3G-Netzwerke unterstützen wollen. Halbleiterfirmen entwickeln jedoch mittlerweile Prozessoren für datenintensive 4G-Multimodus-Basisstationen. So unterstützt die QorIQ-Multicore-Prozessorplattform von Freescale beispielsweise eine Reihe verschiedener 2G/3G- und 4G-Schnittstellen, einschließlich LTE, W-CDMA (HSPA+), WiMAX, UMTS und CDMA.

LTE könnte der neue 4G-Marktführer werden

WiMAX hatte mit der Einführung des ersten WiMAX-Dienstes durch die KT Corporation in Korea im Jahr 2006 gegenüber LTE die Nase vorn. Doch das änderte sich, als TeliaSonera das weltweit erste LTE-Netzwerk im Dezember 2009 in Stockholm vorstellte. Ist 4G trotz dieser konkurrierenden Entwicklungen ein Wegweiser für die Zukunft? Auf dem amerikanischen Markt wurde WiMAX 2008 von Sprint eingeführt und konnte einen bedeutenden Anteil des 4G-Marktes erobern. Sprint war auch der erste US-Betreiber, der ein WiMAX-Mobiltelefon anbot, während Konkurrenten wie Verizon Wireless LTE erst im Jahr 2011 anzubieten begannen. Doch auf der Consumer Electronics Show im Januar diesen Jahres schwenkte Sprint um und gab bekannt, keine weiteren Pläne für zukünftige WiMAX-Smartphones zu haben. Das Unternehmen kündigte stattdessen seine ersten drei LTE-Mobilgeräte an.

Die zunehmende Durchdringung von LTE ist dabei nicht nur auf die USA beschränkt. Sie zeigt sich auch in vielen Märkten, die über eine etablierte 3G-Infrastruktur verfügen. LTE ist die bevorzugte Option für viele der größeren Betreiber und es wird erwartet, dass Größenvorteile daher zu niedrigeren Preisen und höherer Verfügbarkeit von LTE-Mobilgeräten führen werden.

Das japanische Unternehmen NTT DoCoMo führte sein erstes kommerzielles Netzwerk im Jahr 2010 ein. Bei diesem Service, der unter dem Namen Xi vermarktet wird, werden Benutzer, die sich außerhalb der LTE-Reichweite befinden, automatisch an das 3G-Netzwerk der Firma übergeben. Xi begann als Nur-Datendienst für Computerbenutzer, und es wird erwartet, dass das Produkt sich zu einem vollständigen 4G-Service entwickelt.

Südkorea hat LTE ebenfalls bereits frühzeitig eingeführt, und im Januar diesen Jahres wurde es zum ersten Land, in dem 4G LTE von allen Trägern angeboten wird. Dabei wurden 2G-Dienste eingestellt, um die notwendige Bandbreite zu gewährleisten. Entscheidend für den Zweikampf zwischen LTE und WiMAX sind vielleicht die Anzeichen, dass China und Indien (die beiden größten Mobiltelefonmärkte der Welt) LTE-Netzwerke planen. Allerdings könnte es noch mehrere Jahre dauern, bis diese Verbreitung finden, da beide Länder aktuell noch damit beschäftigt sind, ihre 3G-Dienste zu erweitern.

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