„Wer meint, Kurzarbeit sei in der Krise keine Lösung, der glaubt auch, die globale Erwärmung spare Heizkosten. Es sind die Mitarbeiter*innen, die notwendige Innovation und die Zukunft sichern.“
Dr. Constantin Herrmann, Sphera: Der Director Consulting Sustainability fordert ein Umdenken zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung.
(Bild: (c)A.Wittstruck)
Es geht um die Herausforderungen, die wir nicht einfach beiseite schieben können. Wer glaubt COVID 19 sei das Ende der Wirtschaft, der wird Herausforderungen des Klimawandels sicher nicht überleben. Natürlich, die Pandemie schafft große Probleme, nicht nur wirtschaftlich. Viel schlimmer: sie fordert schmerzliche Verluste an Menschenleben. Aber was zählt mehr, das wirtschaftliche Wohlbefinden oder der gesellschaftliche Zusammenhalt? Beides hängt zusammen und somit ist es Aufgabe aller Führungskräfte, den jeweils besten Weg aus Krisen zu finden.
Gegenseitig Schuld zuzuweisen oder schnell Ballast abzuwerfen in Form von reinen Kosteneinsparungen, löst keine Probleme. Haben wir Anpassung und Mut zur Änderung verlernt? Sind wir so gut, dass wir den Status Quo in Europa um jeden Preis erhalten wollen? Es sollen noch viel größere Herausforderungen auf uns zukommen, die Pandemie ist nur ein Test. Sie prüft uns, ob wir anpassungsfähig und innovativ sind und die Zusammenarbeit in Unternehmen und der Gesellschaft als Teil unseres Werteverständnisses erhalten wollen.
Schauen wir uns die aktuellen Probleme genauer an: Lieferketten sind gerissen und die Nachfrage nach Gütern über die Grundversorgung hinaus brach quasi völlig zusammen. Die internationale Abhängigkeit ist bewusst geworden. Zulieferteile fehlten und Shopping zur Konsumbefriedigung macht mit Maske eher keinen Spaß. Ich war Vielflieger. Jetzt arbeite ich von zu Hause aus. Auch der Tankwart meines Vertrauens hat sicher schon meinen Namen vergessen.
Ökonomisch und ökologisch betrachtet fühlt es sich an wie eine Verschnaufpause für die Welt. Auf der einen Seite steht Verzicht und Grübeln über das Warum. Auf der anderen Seite stehen 25% Reduktion der CO2-Emissionen des größten Emittenten China. Und in ganz Venedig sieht man wieder die Fische im klaren Wasser.
Aber blicken wir in die Zukunft: Wie bringen Manager*innen ihre Mitarbeiter*innen dazu ökonomisch, ökologisch und sozial-ethisch die Herausforderungen zu meistern, die sich durch den Klimawandel ergeben? Sicher nicht durch Kosteneinsparung, Entlassungen oder das Fordern staatlicher Subventionen zu CO2-Abgaben. Nein, es wird nur durch Innovation und technische Lösungen funktionieren. Verknüpft mit Anpassungsfähigkeit, unternehmerischer Verantwortung, Darstellung des Beitrags zum Gesellschaftswohl aller.
Europa reagiert auf weltweit zunehmende Dürren, Stürme, Ernteausfälle, ansteigende Meeresspiegel, den Verlust von Biodiversität und fördert gesunde Luft und sauberes Wasser durch den European Green Deal. Dieser legt u.a. ein kohlenstoffneutrales Europa für das Jahr 2050 fest. Ein Programm und Maßnahmenpaket setzt globale Verantwortung in Handlungsfeldern aller Bereiche um.
Viele gehen den Wandel an, trotz oder gerade wegen Corona. So überlegt sich die Stahlbranche, wie kohlenstoffneutraler Stahl als wasserstoff-direktreduzierter Stahl technisch und ökonomisch machbar wird. In 20 Jahren kann es soweit sein, wenn die Energiewende funktioniert. Die ist besiegelt am Beispiel des deutschen Ausstiegs aus Kohle oder des Ausbaus alternativer Energiesysteme. Dies wiederum ist verzahnt mit E-Mobilität, modernem Wohnen und anderen Wirtschaftsbereichen, die sich alle im Wandel befinden (müssen).
Also planen Sie, wie das Unternehmen Produkte und Lösungen kohlenstoffneutral anbieten kann. Woher kommen CO2-freie Energien und wie werden Materialien CO2-frei oder vollständig kreislauffähig? Arbeiten Sie daran, wie Emissionen aller Art in der gesamten Wertschöpfungskette zu minimieren sind. Und zeigen Sie ihren Investoren und Kunden im Unternehmensbericht zu nicht-finanziellen Risiken, in welchem Verhältnis unvermeidbare Emissionen zum geschaffenen Mehrwert stehen. Geben Sie allen Angestellten die Möglichkeit zukunftsfähig zu gestalten und zu arbeiten. Das sind nicht erst seit Corona die wahren Herausforderungen, denen wir nicht entgehen können.
Stand: 08.12.2025
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