Intelligente Fertigung KI, Cyberrisiken, Datenlücken: Deutschlands Fertigung im Stresstest

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Deutschlands Fertigungsindustrie investiert massiv in KI, Digital Twins und vernetzte Produktionssysteme. Gleichzeitig steigen Cyberrisiken, Datenprobleme und Integrationsaufwand. Der aktuelle „State of Smart Manufacturing Report“ zeigt, wo die digitale Transformation noch stockt.

Der „State of Smart Manufacturing Report“ wurde zum elften Mal von Rockwell Automation veröffentlicht.(Bild:  Rockwell Automation)
Der „State of Smart Manufacturing Report“ wurde zum elften Mal von Rockwell Automation veröffentlicht.
(Bild: Rockwell Automation)

Deutschlands Fertigungssektor investiert so stark in Industrietechnologie wie kaum ein anderer europäischer Markt. Das ist eine positive Nachricht. Doch es gibt auch eine negative, denn die digitale Transformation und die Unternehmen, die sie anstreben, geraten zunehmend unter Druck. Das zeigt der aktuelle Report State of Smart Manufacturing von Rockwell Automation, der am 19. Mai 2026 veröffentlicht wurde und für den das Unternehmen Führungskräfte aus der globalen Fertigungsbranche befragt hat.

Es handelt sich dabei um die elfte jährliche Befragung dieser Art, bei der dieses Mal 1.560 Teilnehmer mitgemacht haben – sechs Prozent davon kamen aus Deutschland, das sind knapp 100. Entsprechend sollten Sie die Ergebnisse der Studie auch einordnen, die Sie bei Rockwell herunterladen können.

Die deutschen Ergebnisse zeichnen das Bild eines Sektors, der den Übergang von digitalen Pilotprojekten zur skalierten Umsetzung vollzieht und dabei mit wachsenden operativen wie sicherheitsrelevanten Herausforderungen konfrontiert ist. Im Schnitt fließen 29 Prozent des Betriebsbudgets in Industrietechnologie. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob digitale Technologien eingesetzt werden, sondern wie effektiv sie sich in laufende Produktionssysteme integrieren lassen.

KI fest im Produktionsbetrieb verankert

Künstliche Intelligenz hat in deutschen Fertigungsunternehmen den Proof-of-Concept-Status hinter sich gelassen. Bereits die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, aktiv in KI zu investieren; 47 Prozent planen den weiteren Ausbau. Dabei dominieren operative Anwendungsfelder, in denen sich maschinelles Lernen bereits bewährt hat: Qualitätskontrolle, Prozessoptimierung und Energiemanagement. Es sind Bereiche, in denen Effizienz und Präzision direkt messbar sind.

Strategisch wird KI ebenfalls höher bewertet als noch vor wenigen Jahren. Könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die anfängliche Skepsis gegenüber der Technologie langsam schwindet? Über ein Drittel der befragten deutschen Hersteller sieht in ihr die Technologie mit dem größten Einfluss auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. 48 Prozent haben bereits in generative KI investiert. Experimentelle Anwendungsfälle weichen zunehmend solchen, die nachweisbare Verbesserungen bei Leistung und Zuverlässigkeit liefern.

Cyberangriffe trotz hoher Investitionsquote

Die zunehmende Vernetzung von Produktionssystemen hat allerdings eine Kehrseite. In der deutschen Stichprobe lag der Anteil der von Cybersecurity-Vorfällen betroffenen Unternehmen besonders hoch. 60 Prozent der befragten deutschen Hersteller waren im vergangenen Jahr von mindestens einem Cyberangriff betroffen, obwohl 98 Prozent dieser Unternehmen bereits in Cybersicherheitstechnologien investiert haben oder dies planen.

Die hohe Investitionsbereitschaft allein schützt allerdings nicht vor erfolgreichen Angriffen. Dass Cybersicherheitsinvestitionen in der Praxis oft aufgeschoben werden, ist kein Geheimnis. Die Gründe sind meist knappe Budgets, fehlende interne Expertise oder schlicht die Überzeugung, kein lohnendes Ziel für Angreifer zu sein. Die Zahlen des Reports zeigen, wie trügerisch diese Annahme ist.

Cybersecurity entwickelt sich daher von einer technischen Schutzmaßnahme zu einer eigenständigen betrieblichen Disziplin. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Konvergenz von IT- und Operational-Technology-Systemen (OT), die heute als größte Angriffsfläche gilt.

Digital Twins: Von der Planung in den Betrieb

Simulationstechnologien gewinnen in deutschen Produktionsumgebungen an Gewicht. Mit einer kombinierten Einsatz- und Investitionsquote von 89 Prozent gehört Deutschland zu den europäischen Vorreitern beim Einsatz digitaler Zwillinge. Digital Twins werden zunehmend genutzt, um Prozesse in Echtzeit zu simulieren, Optimierungspotenziale zu identifizieren und Änderungen risikofrei zu testen, bevor sie in der realen Fertigung umgesetzt werden.

Ein strukturelles Hemmnis bleibt allerdings bestehen, denn trotz hochentwickelter digitaler Infrastruktur nutzen die befragten deutschen Hersteller im Schnitt nur rund 40 Prozent der von ihnen generierten Betriebsdaten effektiv. Die Kluft zwischen Datenerfassung und tatsächlicher Datennutzung entwickelt sich zu einem der zentralen Hindernisse auf dem Weg zur vollständigen digitalen Transformation und limitiert gleichzeitig den praktischen Nutzen von KI- und Analysesystemen, die auf eine hochwertige Datenbasis angewiesen sind.

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Belegschaft im Wandel: Umschulung statt Ersatz

Neben technologischen Herausforderungen prägen Kapazitätsengpässe und steigende Arbeitskosten die operative Planung. 35 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Personalkapazität als zentrale Herausforderung. Der dominierende Ansatz setzt dabei nicht auf Automatisierung als Ersatz für menschliche Arbeit, sondern auf Erweiterung menschlicher Fähigkeiten durch Technologie. 42 Prozent der Beschäftigten nehmen bereits an Umschulungsprogrammen teil; gefragte Kompetenzen sind vor allem KI-Know-how und Cybersecurity-Expertise.

Die Umfrageergebnisse von Rockwell zeigen, dass die nächste Phase industrieller Wettbewerbsfähigkeit nicht durch den Zugang zu Technologie entschieden wird, sondern durch die Fähigkeit, diese konsistent in reale Produktionssysteme zu integrieren, abzusichern und zu skalieren.

Kennzahlen der befragten deutschen Unternehmensvertreter auf einen Blick

(Grundlage: 11. „State of Smart Manufacturing Report" von Rockwell Automation; global 1.560 Befragte, davon knapp 100 Unternehmensvertreter aus der deutschen Fertigungsbranche)

  • 87 % halten digitale Transformation für unverzichtbar
  • 29 % des Betriebsbudgets fließen in Industrietechnologie
  • 50 % haben bereits in KI investiert, 47 % planen weiteren Ausbau
  • 48 % haben in generative KI investiert
  • 60 % waren im vergangenen Jahr Ziel eines Cyberangriffs
  • 98 % investieren in Cybersicherheit oder planen dies
  • 89 % setzen Digital Twins ein oder planen Investitionen
  • 40 % der generierten Betriebsdaten werden effektiv genutzt
  • 42 % der Mitarbeiter nehmen an Umschulungsprogrammen teil

 (sb)

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