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Die Kabelvielfalt in einer Servopresse
Rund 55 km Kabel sind in einer Servopressenlinie durchschnittlich verlegt. Dabei handelt es sich vorwiegend um Steuerleitungen und Leistungskabel für die Motoren, aber auch um Datenkabel und Bus-Leitungen. Schließlich versorgen die Leitungen nicht nur die insgesamt 160 Antriebe mit Strom sondern transportieren auch riesige Mengen an Informationen und Daten zur Überwachung und Steuerung der kompletten Anlage.
Bei einer Monoblock Servopresse (Maschine besteht aus einem Schweißteil mit Tisch, Ständer und Kopfstück, bis zu 800 t schwer) setzt Schuler für die interne Verkabelung vorwiegend die Anschluss- und Steuerleitungen ÖLFLEX CLASSIC 110 ein.
Zum Beispiel für die Leitungsinstallation im Pressenständer, als Verbindungsleitungen zum Schaltschrank, für die Zu- und Ableitungen zum Schmierölaggregat oder an der Steckdosenplatte an der Maschine. Die dortigen Sockelgehäuse verwendet Schuler als Verteilerboxen. Hier werden die Ableitungen zu den vier Schuko-Steckdosen, zu vier Maschinenleuchten, zum Endschalter für die Schutztüren und für den Druckschalter zum Stößelgewichtsausgleich verbunden. Dort, wo mit einer Beeinflussung durch elektrische Felder zu rechnen ist, kommt auch die geschirmte ÖLFLEX CLASSIC 115 CY zum Einsatz. Für Profibus-Verbindungen setzt Schuler in den Monoblocks die Datenleitungen UNITRONIC BUS PB FD P und UNITRONIC BUS PB FD PA ein.
Bei den noch viel größeren Servopressenlinien G1 sind die Maschinenkörper in Ständerbauweise aus Tisch, Ständer und Kopfstück zusammengesetzt. Eine solche Anlage ist im Schnitt 85 m lang. In der Regel werden bis zu sechs Servopressen miteinander verbunden, um die Karosserieteile stufenweise fertigzustellen. Die Presskraft einer Pressenlinie beträgt rund 9000 t.
Hier werden für die interne Installation die abriebfesten Steuerleitungen ÖLFLEX CLASSIC 400 P mit PUR-Außenmantel verwendet. Zum Beispiel für die Verbindung der Motoren, Endschalter, Steckdosen mit den Installationsklemmkästen. Montagemeister Horst Welz: „Wir brauchen hier besonders hochwertige Kabel, die hohen Beanspruchungen wie zum Beispiel in einem Ölnebel Stand halten.“
Die schnellere Beschleunigung der Werkzeuge bringt natürlich auch höhere Anforderungen an die Energieführungssysteme und deren Komponenten wie die Leitungen mit sich. Zug-, Schub-, Biegungs- und Torsionsbelastungen müssen hier mit dem Wunsch nach maximaler Lebensdauer bei geringerem Platzbedarf, reduziertem Gewicht und verringertem Mindestbiegeradius vereint werden. Deshalb werden bei Schuler, dort wo Leitungen betriebsmäßig bewegt werden ÖLFLEX FD 855 P und ÖLFLEX FD 855 CP eingesetzt. Zum Beispiel für die Verbindung vom Kopfstück zum Stößel, der sich ständig auf- und abwärts bewegt. Diese Leitungen für raue Einsatzbedingungen haben eine adhäsionsarme Oberfläche, sind ölbeständig, halogenfrei und flammwidrig und für bis zu fünf Millionen Wechselbiegezyklen in einer Energieführungskette ausgelegt.
Schwungräder als Energiespeicher
Als Nachteil der Servotechnologie wird in Fachkreisen der hohe Energiebedarf der Servomotoren während der eigentlichen Umformung im sogenannten unteren Totpunkt, wenn die höchste Presskraft benötigt wird, beschrieben. Das kann zu Spannungsspitzen im Stromnetz führen. Schuler hat dieses Problem durch den zusätzlichen Einsatz der herkömmlichen Schwungradtechnik gelöst. „Allerdings nicht mehr als Antrieb, sondern als Energiespeicher in Form von Elektromotoren“, erklärt Horn. Sie sind im Keller unterhalb der Anlage installiert und laufen kontinuierlich. Bislang verfügt jede einzelne Presse einer Linie über einen separaten Energiespeicher.
* Irmgard Nille ist Inhaberin der Agentur IN-Press in Hamburg.
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