2027 sollen erste Chips aus den Produktionshallen der neuen Intel-Mega-Fabs in Magdeburg kommen. Nun rückt der Baubeginn näher, 2023 soll es losgehen. Wie die Umsetzung geplant ist, was Intel mit seinem Engagement in Europa erreichen will – hier die Details.
Gerenderte Luftansicht der geplanten Intel-Anlage in Magdeburg. Medienberichten zufolge soll Deutschland den Bau der 17 Mrd. teuren Anlage zu 30% fördern. Die genaue Höhe des Zuschusses hängt allerdings davon ab, wieviele Mittel die EU-Kommussion aus dem Geldtopf des EU Chips Act freigeben wird.
(Bild: Intel)
Vor gut einem halben Jahr hat Chipgigant Intel bekannt gegeben, in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg ein Mega-Chipzentrum mit zunächst zwei hochmodernen Halbleiterfabriken (Fabs) errichten zu wollen – und die Region somit zu seinem zweiten Fertigungsstandort in Europa ausbauen zu wollen. Geplante Anfangsinvestition: zunächst 17 Milliarden Euro. Der Baubeginn rückt nun immer näher. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Das Jahr 2022 ist für Intel ein besonderes: Nie zuvor hat der Halbleiterhersteller so viele Fab-Bauprojekte angestoßen. Neben dem künftigen Standort in Ohio rollen ebenso auf europäischem Grund bereits Bagger – etwa im irischen Leixlip in Dublin. Die neuen Fabriken werden für die Intel 4 Technologie fit gemacht.
Nach dem Baubeginn der ersten zwei geplanten Fab-Module der Halbleiterfertigungsstätte in der ersten Jahreshälfte 2023 wird sich die Bauzeit voraussichtlich über fast fünf Jahre erstrecken. Intel plant den Produktionsstart in 2027. Für die Anlage stehen im Industriegebiet Eulenberg 450 Hektar beziehungsweise drei Quadratkilometer zur Verfügung. Das entspricht der Fläche von etwas mehr als 620 Fußballfelder. Dies bietet Intel die Möglichkeit, hier im Endausbau bis zu acht Fab-Einheiten zu errichten. Die gesamte Anlage soll ausschließlich mit Ökostrom betrieben werden.
Intel geht davon aus, dass für die Konstruktion der Fab etwa 7.000 Arbeiter im Baugewerbe tätig sein werden. Bereits in der ersten Ausbaustufe der Fabriken sollen rund 3.000 dauerhafte Hightech-Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus sollen durch die Ansiedlung von Zulieferern und Partnern zusätzlich zehntausende weiterer Stellen entstehen.
Modernste Transistortechnologie aus Sachsen-Anhalt
Die beiden neuen Fabriken in Sachsen-Anhalt sollen Chips mit Intels fortschrittlichsten Transistortechnologien (Intel 4) fertigen und sowohl die Bedürfnisse des Foundry Geschäfts, also der Auftragsherstellung, erfüllen als auch die von Intel in Europa und weltweit im Rahmen der IDM (Integrated Device Manufacturer) 2.0-Strategie gesetzten Ziele.
Intel plant mit den beiden neuen Technologien RibbonFET und PowerVia im Jahr 2024 in die Ängström-Ära einzutreten. Die Intel-Prozessoren werden dann die nach dem schwedischen Physiker Anders Jonas Ångström benannte Maßeinheit für Wellenlängen „Å“ (Ängström) in ihrer Bezeichnung tragen. Dabei entsprechen 2 Nanometer 20 Ängström.
Ein wichtiger Grund, warum sich Intel für Magdeburg entschieden hat, ist nach eigenen Angaben die Aussicht auf ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Derzeit studieren etwa 20.000 angehende Akademiker technische Studiengänge in den sieben Universitäten im weiteren Einzugsgebiet der Landeshauptstadt mit 240.000 Einwohnern: Otto von Guericke Universität Magdeburg, Hochschule Magdeburg-Stendal, Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Technische Universität Dresden, Leibniz Universität Hannover, Technische Universität Berlin und Universität Leipzig.
Im ersten Ausbauschritt der Intel-Ansiedlung sollen rund 3.000 dauerhafte Hightech-Arbeitsplätze entstehen. Pro Fabrik sollen in etwa 1.500 Beschäftige arbeiten. Intel plant im finalen Ausbaustadium mit insgesamt acht Fab-Modulen. Das bedeutet, dass letztlich über 10.000 Beschäftigte dort arbeiten könnten.
Die Fachkräfte könnte Intel einerseits von den genannten Unis sowie Berufsschulen rekrutieren. Andererseits arbeitet Intel bereits mit Universitäten und Hochschulen an weiteren Standorten in der EU, beispielsweise in Irland, zusammen. Doch auch auf Kontinenten fernab von Europa gibt es Optionen, die für die Ausbildung von Fachpersonal in Frage kommen.
80 Milliarden Euro für Europas Halbleitergeschäft
Intel plant, in den kommenden zehn Jahren insgesamt 80 Milliarden Euro entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette in der EU zu investieren. Ein guter Teil davon wird durch Subventionen der EU und einzelner Länder aufgebracht. Die Erstinvestition sieht mehr als 33 Mrd. Euro vor: In Deutschland will das Unternehmen die hochmoderne Mega-Halbleiterfabrik in Magdeburg bauen, in Frankreich soll ein neues Zentrum für Forschung und Entwicklung („Research and Development“, R&D) sowie Design entstehen. In Irland, Italien, Polen und Spanien sieht die Planung vor, die Kapazitäten in den Bereichen R&D, Fertigung, Foundry Services und Back-End-Produktion zu erweitern.
Stand: 08.12.2025
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Nach eigenen Angaben bringt Intel mit seiner Investition seine fortschrittlichsten Technologien nach Europa und unterstützt die EU so beim Aufbau eines lokalen Chip-Ökosystems. Dieses soll unter anderem dabei helfen, die wachsende Nachfrage nach fortschrittlichen Halbleitern zu bedienen – und eine ausgewogene, widerstandsfähigere Lieferkette aufzubauen. Hier will man Lehren ziehen aus der aktuellen Chipkrise, die unter anderem von der bisherigen Fokussierung auf eine Produktion in Fernost befeuert wurde.
Ohne Frage wird der neue Intel-Fertigungsstandort die Produktionskapazität für Halbleiter in Europa erheblich steigern. Dadurch könnte Intel maßgeblich dazu beitragen, dem von der EU-Kommission im „Digitalen Kompass 2030“ gesteckten Ziel näher zu kommen, bis Ende des Jahrzehnts bei der Chipproduktion wieder auf einen weltweiten Marktanteil von 20 Prozent zu kommen. Diese Zahl bezieht sich auf Fertigungskapazitäten unterhalb einer Technologieknotengröße von 5 nm (Ziel: 2 nm) zur Produktion besonders energieeffizienter integrierter Schaltungen (ICs).
Das plant Intel in anderen europäischen Ländern
Irland – Intel-4-Technologie: Intel investiert in sein Erweiterungsprojekt an seinem Fertigungsstandort im irischen Leixlip. Mit insgesamt 12 Milliarden Euro soll die Produktionsfläche verdoppelt, die Fabs auf die neue Intel-4-Prozess-Technologie umgestellt und die Foundry-Dienste erweitert werden. Nach Abschluss dieser Erweiterung werden sich die Gesamtinvestitionen von Intel in Irland auf mehr als 30 Milliarden Euro belaufen.
Frankreich – Forschungs- und Entwicklungszentrum: Intel plant den Bau eines neuen europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrums, in dem 1.000 neue Hightech-Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Frankreich soll Intels zukünftiger europäischer Hauptsitz für High Performance Computing (HPC) und Künstliche Intelligenz (KI) werden.
Davon profitieren nach Ansicht des Unternehmens unterschiedlichste Branchen, darunter Automotive, Landwirtschaft oder Arzneimittelforschung. Darüber hinaus plant Intel sein wichtigstes europäisches Foundry-Designzentrum zur Auftragsfertigung in Frankreich zu errichten und Industriepartnern und Kunden national und global Designdienstleistungen als auch Designunterlagen anzubieten.
Spanien – Ausbau des Supercomputing Centers: In den letzten zehn Jahren haben das Barcelona Supercomputing Center und Intel in Spanien gemeinsam an einer Exascale-Architektur gearbeitet. Jetzt entwickeln sie eine Zettascale-Architektur für das nächste Jahrzehnt. Das Supercomputing Center und Intel planen die Einrichtung gemeinsamer Labore in Barcelona, um das Computing voranzutreiben.
Italien – Back-End-Fertigungsanlage: Intel und Italien haben Verhandlungen aufgenommen, um eine hochmoderne Back-End-Fertigungsanlage zu errichten, welche mit neuen und innovativen Technologien eine der ersten ihrer Art wäre. Mit einer potenziellen Investition von bis zu 4,5 Milliarden Euro würde diese Fabrik etwa 1.500 Arbeitsplätze bei Intel sowie weitere 3.500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern schaffen. Der Betrieb soll zwischen 2025 und 2027 aufgenommen werden.
Polen – Erweiterung von Laborflächen: Intel vergrößert seine Laborfläche in Danzig um 50 Prozent und konzentriert sich dabei auf die Entwicklung von Lösungen für tiefe neuronale Netze, Audio, Grafik, Datenzentren und Cloud Computing. Die Erweiterung wird voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein.
Ein Blick in andere Länder zeigt, welchen Einfluss die Chipindustrie auf den Wirtschaftshaushalt haben kann. Seit sich Intel 1989 in Leixlip, Irland, angesiedelt hat, hat sich das Bruttoinlandsprodukt dort bis heute mehr als verzehnfacht. Inzwischen beschäftigt Intel in Irland 4.900 Personen, rund 6700 weitere Vollzeit-Arbeitsplätze werden unterstützt.
Nach eigenen Angaben trägt Intel etwas mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr zur irischen Wirtschaft bei. Seit der Ansiedlung seien insgesamt mehr als 181 Millionen Arbeitsstunden dort geleistet worden. Zudem unterstützt Intel seit 2007 in Irland 771 heimische Zulieferer und gibt für diese 284 Millionen Euro pro Jahr aus. 4,4 Milliarden Euro sind seit 1989 für irische Arbeitskräfte ausgegeben worden. 1,3 Millionen Euro fließen jedes Jahr in Bildungsprogramme, 3 Millionen Euro wurden in den letzten drei Jahren an gemeinnützige Einrichtungen in ganz Irland gespendet.
So ist Intel weltweit aufgestellt
Intel verfügt derzeit weltweit über zehn Produktionsstandorte – und plant mit der Niederlassung in Magdeburg einen zweiten Fabrikstandort in der Europäischen Union zu errichten. Fünf der weltweiten Fabriken sind Halbleiterfertigungsstätten (Wafer-Fabs), vier Montage- (Packaging) und Testeinrichtungen. In Intels Produktionsstätten werden vor allem Silizium-Wafer verarbeitet und Prozessoren hergestellt, zu Chips zusammengefügt und getestet. Halbleiterfertigungsstätten (Wafer-Fabs) befinden sich in Arizona, Irland, Israel, New Mexiko, Ohio, Oregon und zukünftig in Magdeburg. Montage (Packaging) und Prüfung findet statt in Standorten in Chengdu, Costa Rica, Malaysia, Vietnam.
Die neuen Prozesstechniken werden von einer zentralen Entwicklungsabteilung auf fast identische Weise auf die Produktionsstätten übertragen. Nach dem Transfer arbeiten das Netzwerk der Fabriken und die Entwicklungsabteilung zusammen, um weitere betriebliche Verbesserungen zu erzielen. Dies ermöglicht ein schnelles Hochfahren des Betriebs, schnelles Lernen und eine bessere Qualitätskontrolle.