Wasserstofftechnologien Industrielle Elektrolyseanlagen: Erste Serienfertigung ab 2023

In Dettingen, Baden-Württemberg, soll 2023 die erste Serienproduktion von Elektrolysesystemen in Betrieb gehen. Geplant ist die Fertigung von 80 Anlagen pro Jahr.

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Innovatives Knowhow im Container: Die Elektrolyse-Anlage am ZSW.
Innovatives Knowhow im Container: Die Elektrolyse-Anlage am ZSW.
(Bild: ZSW)

Um die Wasserstofftechnologie nachhaltig zukunftsfähig zu machen, ist eine Industrialisierung der Elektrolysetechnik und der rasche Aufbau von Fertigungskapazitäten erforderlich. Das geht besonders effizient, wenn Industrie und Forschung ihre Kompetenzen bündeln.

Mit dem Projekt „EcoLyzer BW“ planen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und das Unternehmen Ecoclean, ein international wettbewerbsfähiges Elektrolysesystem in Serie zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Weltweit agieren derzeit etwa zehn Unternehmen am Markt, die kommerzielle Elektrolysesysteme im Megawatt-Maßstab entwickeln und anbieten. Bislang existiert jedoch kein industrieller Anbieter von Elektrolysesystemtechnik in Baden-Württemberg, der die im Land bestehenden Kompetenzen als Systemintegrator bündelt und in der Lage wäre, schnell in eine wettbewerbsfähige Produktentwicklung und Serienfertigung umzusetzen.

Europa soll bis 2050 klimaneutral werden

Europa hat sich mit dem Green Deal verpflichtet, als erster Kontinent bis 2050 klimaneutral zu werden und hierfür sein Klimaschutzziel für 2030 von minus 40 Prozent auf minus 55 Prozent Treibhausgasreduktion gegenüber 1990 deutlich verschärft. Die Wasser-Elektrolyse ist auf diesem Wege eine Schlüsseltechnologie. Nicht nur, weil es mit ihr gelingt, erneuerbare (Überschuss-)Energien aus dem Stromsektor in die anderen Energiesektoren (Wärmebereitstellung und Verkehr) zu transferieren, sondern weil sie zusätzliche Optionen eröffnet, auch die Industriezweige klimaneutral zu gestalten, die viel Energie verbrauchen, wie Stahlindustrie und Chemieindustrie.

Auch wenn Deutschland zukünftig voraussichtlich weiterhin ein Energieimportland bleiben wird, bieten sich doch erhebliche industriepolitische Chancen für den Export von Elektrolysetechnologie in bevorzugte Power-to-X(P2X)-Regionen mit günstigen Sonnen- und Windverhältnissen. Um mit der aktuell sehr hohen Dynamik der Marktentwicklung Schritt halten zu können, muss der Technologietransfer in eine industrielle Serienfertigung nun sehr schnell und zielgerichtet erfolgen. Gelingt dies, kann Baden-Württemberg First-Mover-Vorteile im internationalen Wettbewerb generieren und so entsprechende Wertschöpfungspotenziale ausschöpfen.

Alkalische Wasser-Elektrolyse

Technologische Grundlage für den geplanten Aufbau einer Serienproduktion in dem Kooperationsprojekt „EcoLyzer“ ist eine vom ZSW in den vergangenen zehn Jahren entwickelte Systemtechnik für die Alkalische Wasser-Elektrolyse in der 1-Megawatt-Leistungsklasse. Es handelt sich um eine Alkalische Druckelektrolyse. Im Vollausbau liefert der Elektrolyseur, der mit zwei Elektrolyseblöcken mit einer Leistung von jeweils 0,5 Megawatt ausgestattet werden kann, bei einer Effizienz von ca. 70 Prozent etwa 20 kg Wasserstoff pro Stunde (auf einem Druckniveau von 16 bar).

Die Entscheidung für diese Technologie wurde vom ZSW zu Beginn der Entwicklungen aus gutem Grund getroffen. „Zum einen handelt es sich bei der Alkalischen Elektrolyse um eine bereits gut erprobte und robuste Technologie. Sie ist technisch gut auch in große Leistungsklassen skalierbar. Aber insbesondere kommt die Alkalische Elektrolyse im Gegensatz zu anderen Elektrolysetechnologien (PEM-Elektrolyse bzw. Hochtemperaturelektrolyse) ohne den Einsatz von ressourcenkritischen Edelmetallen und seltenen Erden aus. Das macht sie einerseits günstiger, andererseits sind keine Rohstoffengpässe beim Markthochlauf zu erwarten“, so Dr. Marc-Simon Löffler, Leiter des Fachgebiets Regenerative Energieträger und Verfahren.

Fördermittel vom Umweltministerium

Bereits bei der Entwicklung wurden Aspekte der industriellen Anwendung sowie Wartungsfreundlichkeit berücksichtigt. Die Anlage ist auch für einen dynamischen Betrieb im Kontext Power-to-X mit erneuerbarem, fluktuierend anfallendem Strom ausgelegt. Die vom ZSW entwickelte Technologie wurde im Rahmen des vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg geförderten Leuchtturmprojektes „Power-to-Gas Baden-Württemberg“ in Grenzach-Wyhlen ab 2019 bereits erfolgreich in Praxisumgebung erprobt.

„Unsere Elektrolysesystemtechnologie für die Serienproduktion fit zu machen, bietet insbesondere für das Technologie-Exportland Baden-Württemberg mit seinen Potenzialen im Maschinen- und Anlagenbau und der Zulieferindustrie große Chancen. Mit Ecoclean haben wir hierfür einen idealen Partner gefunden“, so Dr. Marc-Simon Löffler. Das nun gestartete Verbundprojekt mit Ecoclean läuft bis März 2024 und wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg im Rahmen des Zukunftsprogramms Wasserstoff BW mit Projektmitteln in Höhe von rund 2,1 Mio € gefördert.

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International wettbewerbsfähiges Serienprodukt

Expertise in den Wasserstofftechnologien und beim Technologietransfer in die Industrie zeigt das ZSW seit vielen Jahren in zahlreichen erfolgreichen Projekten, so unter anderem in dem vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg geförderten Verbundprojekt „Elektrolyse made in Baden-Württemberg“. Aktuell beteiligten sich über 60 Unternehmen – insbesondere aus der Zulieferindustrie – aktiv an dem Projekt. Bislang existierte jedoch kein industrieller Anbieter im Land, der diese Kompetenzen als Hersteller von Elektrolysesystemtechnik bündelt. Mit Ecoclean wurde er nun gefunden.

Ecoclean mit Hauptsitz in Filderstadt ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der Systemtechnik für Anwendungen in der industriellen Reinigungstechnik und Oberflächenbehandlung. „Wir verfügen über ausgewiesene Kompetenzen im Bereich des verfahrenstechnischen Anlagenbaus und industrieller Fertigungsprozesse und beabsichtigen auf dieser Grundlage die Entwicklung und Produktion einer wettbewerbsfähigen Elektrolysesystemtechnik in Baden-Württemberg für eine weltweite Vermarktung“, so Michael Förster, Geschäftsführer von Ecoclean. Ziel des Projektes „EcoLyzer BW“ ist es, basierend auf dieser technologischen Grundlage, ein international wettbewerbsfähiges Systemprodukt zu entwickeln.

Produktion von 80 Elektrolyseanlagen pro Jahr

Geplant ist, dass Ecoclean rund 80 Anlagen pro Jahr am Standort Dettingen fertigt, die dann für den internationalen Markt zur Verfügung gestellt werden. Mit der Produktion erster Anlagen soll ab 2023 begonnen werden.

„Wir haben unsere Technologie in der Leistungsklasse ein Megawatt umgesetzt, dies bedeutet eine Produktionsmenge von rund 20 kg H₂/h. Zur Einordnung: das ist in etwa die Tankfüllung von vier Brennstoffzellen-Pkw oder von einem Brennstoffzellen-Bus pro Stunde“, so Dr. Marc-Simon Löffler.

Unternehmen aus der Zulieferindustrie in Baden-Württemberg sollen in das Projekt eingebunden und so regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. „Damit sollen jetzt zügig und zielgerichtet die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Wasserstoffwirtschaft anzutreiben, denn diese Technologie ist nicht nur für das Erreichen der Klimaziele wichtig, sondern auch für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, betont Dr. Marc-Simon Löffler.

Interview zum Projektstart mit Dr. Marc-Simon Löffler ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Dr. Löffler, wann wird Ecoclean ein Produkt am Markt anbieten?
Dr. Löffler: Erste Anlagen sollen im Jahr 2023 an Kunden verkauft werden.

In welcher Leistungsklasse liegen die Anlagen?
Aktuell ist eine Einzelmodulgröße von etwa einem Megawatt geplant, die im Baukastensystem zu größeren Leistungsklassen skaliert werden kann.

Was sind die besonderen Alleinstellungsmerkmale der Ecoclean-Technologie?
Effizienz gepaart mit optimierter Kostenstruktur, seriennahe Fertigbarkeit und Skalierbarkeit im Baukastensystem.

Wie viel Wasserstoff wird mit einer Anlage produziert?
Mit einer Ein-Megawatt-Anlage können ca. 20 kg H₂ pro Stunde produziert werden. Bei einer Jahreslaufzeit von 5.000 Stunden – für die nach die nach EEG §93 der Strombezug EEG-Umlage befreit ist – sind dies 90 Tonnen Wasserstoff, bei einer Jahreslaufzeit von 8.000 Stunden wären dies entsprechend 144 Tonnen Wasserstoff.

Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen?
Das Umweltministerium Baden-Württemberg schätzt, dass bis zum Jahr 2030 im Südwesten im Bereich Wasserstoff bis zu 16.000 neue Arbeitsplätze entstehen.
Das ZSW hat im Verbundprojekt BW Elektrolyse analysiert, dass in Baden-Württemberg alleine durch die Elektrolysetechnologie bis 2050 bis zu 36.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten.

Wer sind die Kunden?
Dezentrale Anlagen wie H₂-Tankstellen, Kunden mit integrierten Konzepten zur Wasserstoffbereitstellung und Nutzung der Abwärme zur Wärmeversorgung in Quartieren oder zu Versorgung kleinerer Unternehmen im Bereich der chemischen Industrie mit H₂.
Zentrale Anlagen: Erzeugungsanlagen von synthetischen Rohstoffen, Chemieindustrie, Stahlindustrie, Erzeugungsanlagen für eFuels, Zementindustrie.

Was kostet eine Anlage?
Der Marktpreis für die Alkalische Elektrolyse liegt für ein Komplettsystem heute bei etwa 1 bis 1,5 Millionen Euro für eine Ein-Megawatt-Anlage.

Welche Länder können damit Wasserstoff produzieren?
Grundsätzlich kann mit einer solchen Anlage überall H₂ produziert werden. Entscheidend sind die Strombezugsbedingungen (jährliche Laufzeit, Stromkosten). Für die zukünftige großtechnisch, zentrale H₂-Produktion sind daher Länder mit guten PV- bzw. Windbedingungen wie Südeuropa, Nordafrika, Südamerika oder Australien prädestiniert.

Wie wird er transportiert?
H₂ kann mit H₂-Trailern (Lkw) oder Pipelines transportiert werden. Für den Transport über große Distanzen ist entweder eine Verflüssigung (für den Transport per Schiff) erforderlich oder eine Umwandlung, z. B. können Tankschiffen gut transportierbare synthetische flüssige Kohlenwasserstoffe wie Methanol oder Ammoniak beladen.

Warum fördert das Land diese Kooperationen zwischen Forschungsinstituten und Unternehmen?
Die Wasser-Elektrolyse ist auf dem Weg zum Erreichen der Klimaschutzziele eine weltweite Schlüsseltechnologie zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und dessen Folgeprodukte wie synthetische Kraftstoffe oder Rohstoffe für die chemische Industrie. Die Technologie bietet aufgrund ihrer Wertschöpfungsstruktur erhebliche industriepolitische Chancen für das Technologie-Exportland Baden-Württemberg. Dem aktuell mit hoher Dynamik beginnenden globalen Markthochlauf für Elektrolysetechnologien steht eine breite Basis an innovativen Unternehmen im Bereich der Zulieferindustrie und des Maschinen- und Anlagenbaus im Land gegenüber. Um mit der aktuell sehr hohen Dynamik der Marktentwicklung Schritt halten zu können, muss der Technologietransfer in eine industrielle Serienfertigung nun sehr schnell und zielgerichtet erfolgen.
Das Vorhaben kann im Zukunftsprogramm Wasserstoff Baden-Württemberg einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der Förderziele, in diesem Fall zur Industrialisierung der Elektrolysetechnologie sowohl für Produktionsprozesse als auch für Komponenten und den Anlagenbau einen maßgeblichen Beitrag leisten und adressiert somit auch die Ziele der Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg, die Ende 2020 veröffentlich wurde.

Was ist die Rolle des ZSW in der Kooperation?
Die Technologiebasis stammt von ZSW und wurde inkl. Knowhow-Transfer an Ecoclean lizenziert. Im Projekt:
• Unterstützung bei der Wettbewerbsanalyse und der Ermittlung von Marktsegmenten für die Ecoclean-Technologie,
• Unterstützung bei Konzeption und Engineering eines serientauglichen Systemdesigns,
• Unterstützung bei Komponentenauswahl, Systemaufbau und Genehmigungsprozessen,
• Unterstützung bei Konzeption der industriellen Fertigungsprozesse.

Wo besteht aktuell und in Zukunft noch F&E-Bedarf?
Skalierungskonzepte, Integration von Elektrolyseanlagen in Produktionsstandorte, Kostensenkung und Effizienzverbesserung.

Wo steht Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Ländern bei der Wasserstoff-Produktion?
Baden-Württemberg ist zukünftig kein H₂-Erzeugungsland, aber Technologie-Exportland.
Mit seinem Industrieprofil (Maschinenbau, Metallerzeugnisse, Zulieferindustrie) ist Baden-Württemberg prädestiniert für die Fertigung von Elektrolyseanlagen.

Woher kommt der Hype um den Wasserstoff?
Europa hat sich mit dem Green Deal verpflichtet, als erster Kontinent bis 2050 klimaneutral werden zu wollen und hierfür auch sein Klimaschutzziel für 2030 von -40 Prozent auf -55 Prozent Treibhausgasreduktion gegenüber 1990 deutlich verschärft. Die Wasser-Elektrolyse ist auf diesem Wege eine Schlüsseltechnologie. Nicht nur, weil es mit ihr gelingt, erneuerbare (Überschuss-)Energien aus dem Stromsektor in die anderen Energiesektoren (Wärmebereitstellung und Verkehr) zu transferieren, sondern gerade weil sie – über den mit erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoff – zusätzliche Optionen eröffnet, auch diejenigen Teile der Industrie klimaneutral zu gestalten, für die es bislang keine Alternativen zu geben schien (z. B. Stahlindustrie, Chemieindustrie). Auch wenn Deutschland zukünftig voraussichtlich weiterhin ein Energieimportland bleiben wird, bieten sich doch erhebliche industriepolitische Chancen für den Export von Elektrolysetechnologie in bevorzugte Power-to-X(P2X)-Regionen mit günstigen Sonnen- und Windverhältnissen.
Interview zum Projektstart mit Manfred Hermanns, Ecoclean ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Hermanns, wie kam die Kooperation zustande?
Manfred Hermanns: Ecoclean hat bereits 2021 eine Kooperation mit dem ZSW abgeschlossen mit dem Ziel eines Knowhow-Transfers zur Industrialisierung einer alkalischen Wasser-Elektrolyse-Systemtechnik. Das ZSW wird Ecoclean bei Markt- und Wettbewerbsanalysen, dem Engineering und Aufbau eines serientauglichen Prototyps und bei der Vorbereitung der industriellen Fertigung nach Projektende F&E-seitig unterstützen. In dem Vorhaben soll mit Unterstützung des ZSW insbesondere auch auf das in BW Elektrolyse bereits aufgebaute Netzwerk an Komponentenzulieferern zurückzugegriffen und so ein Industrieverbund entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut werden. Am ZSW existiert eine über die letzten Jahre kontinuierlich weiterentwickelte und in der Praxis erfolgreich validierte Basistechnologie der Elektrolysesystemtechnik. Im Rahmen BW Elektrolyse wurde mit dem Projektpartner Ecoclean ein aussichtsreicher Systemintegrator gewonnen, der plant in Baden-Württemberg eine Elektrolyse-Fertigung umzusetzen.

Wo wäre die Produktion?
Möglicher Standort für die Umsetzung einer Serienfertigung wäre Dettingen. Mit Erreichen der geplanten Umsätze wären hier ca. 200 Arbeitsplätze direkt bei Ecoclean oder den Komponentenlieferanten möglich. Die aktuelle Planung geht von einer Fertigungskapazität von bis zu 80 Einheiten pro Jahr aus. Ecoclean verfügt über ein großes Lieferantennetzwerk und große Erfahrung im Sonder- und Standardanlagenbau mit einem weltweit etablierten Vertriebs- und Servicenetzwerkes.

Wie ist Ecoclean von der Transformation vom Verbrenner hin zur Elektromobilität betroffen?
Ecoclean hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine sehr starke Position im Automobilsektor erarbeitet und ist hier im Bereich der Motorentechnik sicher Markführer. In den vergangenen zehn Jahren bis 2018 wurde in diesem Bereich sehr viel Geld investiert. Insbesondere die deutsche Automobilindustrie hat weltweit in die wachsenden Märkte investiert und die Kapazitäten stetig ausgebaut. Davon hat Ecoclean stark profitiert. Zur Jahresmitte 2018 begann jedoch ein Umschwung bei unseren Kunden. Der immer stärker werdende politische Druck hin zur Elektromobilität hat bei unseren Kunden ein Umdenken bewirkt. Seitdem werden die großen Investitionen nicht mehr bei der Produktion und Entwicklung von Verbrennungsmotoren gemacht. Es wird vielmehr in den Bereich der Elektromobilität investiert. Batterietechnik, Autonomes Fahren, Brennstoffzelle und neue Mobilitätskonzepte fordern gewaltige Investitionen unserer Kunden.
Seit etwas mehr als fünf Jahren sind wir dabei, für unsere Kunden Reinigungsanlagen zu entwickeln, welche den neuen Anforderungen gerecht werden. Das ist uns zum Teil gelungen. Wir müssen jedoch feststellen, dass das potenzielle Marktvolumen zur Reinigung der Bauteile deutlich kleiner ist als es bei den „alten“ Verbrennungsmotoren noch war. Ein Elektroantrieb hat 60 Prozent weniger Komponenten nötig, welche gereinigt werden müssen. Und diese Teile sind zudem weniger komplex.

Wie kommt es, dass Ecoclean sich mit dieser neuen Technologie auseinandersetzt?
Wir haben uns schon vor etwa fünf Jahren begonnen, uns mit neuen zukunftsträchtigen Technologien auseinanderzusetzen. Wir haben uns quasi selbst gescannt und geprüft, welche Kompetenzen wir haben und wo wir diese sinnvoll anwenden können. Zu diesen Kompetenzen gehört die Erfahrung im Anlagenbau, die Fähigkeit aus diversen Problemstellungen heraus mit einem starken Engineering Lösungen zu entwickeln, um Sonderanlagen oder Standardanlagen zu bauen. Ein erfahrenes Projektmanagement und eine global aufgestellte Vertriebs- und Serviceorganisation tun ihr Übriges. Die vielen Wasserstoff- Strategien haben unser Interesse geweckt. Wir wurden von einem unserer Lieferanten darauf hingewiesen, dass das ZSW auf der Suche nach einem Systemlieferanten für Elektrolyseure ist. Dann haben wir den Kontakt zum ZSW gesucht. Wir haben uns das angeschaut und uns sehr schnell entschieden, diesen Weg aufzugreifen. Die Herstellung und Nutzung von Wasserstoff wird eine nicht unwesentliche Rolle in der Umsetzung der Klimaziele spielen. Hier wollen wir dabei sein. Zudem glauben wir, dass es gut zu unserem Unternehmen und unserer Vision der Zukunft passt.

Ecoclean hat sicher einen guten Namen, wenn es um Reinigungstechnik geht, Elektrolyseure sind doch etwas völlig Neues. Wie gehen Sie dabei vor?
Ja, natürlich. Wir haben (noch) nicht das Knowhow und die Erfahrung im Bau von Elektrolyseuren. Hier haben wir mit dem ZSW einen guten Partner gefunden, mit dem wir eine Kooperation zum Knowhow-Transfer zum Bau von alkalischen Wasser Elektrolyseuren geschlossen haben. Das ZSW hat schon mehrere Jahre an Erfahrung im Bau der Systemtechnik und im Bau der Systemblöcke gesammelt. Es gibt bereits im Betrieb befindliche Systeme die jetzt gemeinsam mit uns im Rahmen dieses Förderprogramms zu einem Standardprodukt „Made by Ecoclean“ weiterentwickelt werden sollen. Das Ziel dieses Projektes ist es eine Industrialisierung in Form einer Serienfertigung von Elektrolyseuren aufzubauen. Dazu müssen wir zunächst die Produkteigenschaften unseres „EcoLyzers“ definieren, den entsprechenden Zielmarkt bestimmen und ein modulares Anlagenkonzept entwickeln. Hier geht es jetzt darum schnell in der Umsetzung zu sein, um den gerade entstehenden Markthochlauf nicht zu versäumen.

Wer sind Ihre zukünftigen Kunden?
Der Markt entwickelt sich gerade. Es gibt aktuell unzählige kleine, lokale Projekte, wo sich Unternehmen zusammentun, um erste Projekte zu realisieren. Vieles ist dabei noch in der Planungsphase. Die möglichen Kunden wären dann die Kommunen, Stadtwerke oder auch private Investoren. Wir gehen davon aus, dass die ersten realistischen Projekte im geschützten Raum eines Förderprojektes umgesetzt werden. Will z. B. ein Stadtwerk seinen Fuhrpark zum Teil auf Brennstoffzellen umrüsten, brauchen sie dazu eine entsprechende Wasserstofftankstelle. Der Wasserstoff könnte über einen Elektrolyseur, gespeist mit Strom einer lokalen Photovoltaikanlage, hergestellt werden. Hier braucht es nur einen Investor, der mit Hilfe eines Förderprogrammes bereit wäre in die Zukunft und den Klimaschutz zu investieren. Hier sehen wir uns in Zukunft als Ansprechpartner gut aufgestellt.

Wie muss man sich den Ecolyzer „Made by Ecoclean“ vorstellen?
Es wird einen modularen Baukasten geben, der es uns ermöglicht, die einzelnen Module der jeweiligen Leistungsklasse anzupassen und maximale Skaleneffekte bei möglichst geringen konstruktiven Anpassungen zu erzielen. Wir gehen aktuell von Leistungsklassen von einem bis zu zehn Megawatt aus. Die Systeme müssen so aufgebaut sein, dass eine Containerlösung (Outdoor) oder auch eine Aufstellung innerhalb eines Gebäudes (Indoor) möglich ist. Bei größeren Leistungen werden mehrere Elektrolyseure zusammengeschaltet und die Module, die nicht zusammengefasst werden können, redundant aufgebaut. So muss z.B. nicht jeder Elektrolyseur einer solchen Baugruppe eine redundante Wasseraufbereitung oder Kühlung haben.

Von wem wollen Sie das Kernstück, den Elektrolyseblock, beziehen?
Da sind wir offen für alle möglichen Lieferanten. Wir werden diesen jedenfalls nicht selber herstellen. Wir sind Anlagenbauer und kein Fertigungsbetrieb. Zunächst werden wir sicher mit der Technologie starten, die das ZSW entwickelt und patentiert hat. Natürlich müssen wir uns auch dem Markt anpassen und ggfls. auf andere Zulieferer zurückgreifen. Entscheidend sind für uns die Leistungsdaten und Zuverlässigkeit eines Elektrolyseblocks…. und natürlich nicht zuletzt der Preis. Der Block hat einen sehr großen Einfluss auf die Leistung und auf den Endpreis eines Elektrolysesystems. Insofern gehen wir davon aus, dass es Anbieter geben wird, welche über eine entsprechende Stückzahl die Skaleneffekte heben, welche man für kostengünstige Gesamtsysteme braucht.

Mit welcher Fertigungskapazität planen Sie?
Wir haben mal hochgerechnet wie viele Elektrolyseure gebaut werden müssten, um die selbst gesetzten Ziele der EU zu erreichen. Die EU will 40 Gigawatt an Elektrolyseleistung bis 2030 realisiert haben. Geht man von einem spürbaren Markthochlauf ab 2022 aus, müssten wir etwa 40 Megawatt an Elektrolyseleistung im Jahr 2025 liefern können, um einen Marktanteil von nur einem Prozent zu erreichen, und das nur für Europa! Das sollte uns als erstes Ziel genügen. Und es gibt ja noch Möglichkeiten außerhalb von Europa. Alle Industrienationen haben mittlerweile eine eigene Wasserstoffstrategie definiert. Weltweit gibt es bisher nur etwa zehn Hersteller für Elektrolyseure. Da sollte es ausreichend Platz für uns geben ... es bleibt natürlich eine Wette auf die Zukunft – hier hat die Politik noch einiges zu tun, um den Markt anzuschieben.

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