Wirtschaftspolitik Indien als Wirtschaftspartner: Chancen und Risiken

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Großes Potenzial, aber auch ungewisse Perspektiven – der Ökonom und IfW-Präsident Moritz Schularick blickt differenziert auf Indien als Wirtschaftspartner. In einem Punkt sei der südasiatische Staat Deutschland weit voraus.

Indiens Wirtschaft entwickelt sich rasant, hat einen enormen Aufholbedarf – nicht zuletzt im Verkehrswesen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Indiens Wirtschaft entwickelt sich rasant, hat einen enormen Aufholbedarf – nicht zuletzt im Verkehrswesen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Indien kann aus Sicht des Ökonomen Moritz Schularick für die deutsche Wirtschaft künftig eine wichtige Rolle spielen. In vielen Bereichen, in denen die deutsche Wirtschaft Stärken aufweise, habe Indien Aufholbedarf, sagte der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Prof. Moritz Schularick, der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele nannte er Infrastruktur und Verkehrssysteme. „Hier ist durchaus viel Potenzial da, auch für einen Boom für die deutsche Exportindustrie, wie wir ihn vielleicht zuletzt im Rahmen des chinesischen Wirtschaftswunders in den Nullerjahren erlebt haben.“

Aber man müsse auch vor übertriebenen Erwartungen warnen, sagte Schularick. Zum einen sei Indien, das derzeit von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) besucht wird, immer noch die größte Demokratie der Welt. „Aber es bewegt sich leider auch in Teilen in Richtung einer illiberalen Demokratie – da muss man schauen, wie die Situation sich dort entwickelt.“

Großer Aufholbedarf, großer Absatzmarkt für deutschen Mittelstand

Zum anderen berichteten Unternehmerinnen und Unternehmer, dass auch angesichts der Infrastruktur Auslagerungsprozesse nach Indien im Hinblick auf ihre Effizienz problematisch sein könnten. So könne es Stunden dauern, um vom Flughafen in die Städte zu kommen. „Ich erinnere mich auch an Autofahrten, die eher Autostehstunden waren zum Beispiel in Mumbai.“

Der Aufholbedarf sei groß und Indien könne vieles verbessern in den nächsten Jahren, sagte Schularick. „Aber im Hinblick auf Outscourcing und Produktionsverlagerungen gibt es schon eine Reihe von Hindernissen.“ Hier werde man die Erwartungen etwas zurückschrauben müssen. „Aber als Absatzmarkt für deutsche Unternehmen ist Indien sehr vielversprechend.“ Dies betreffe alle Bereiche, die mit den dort laufenden Modernisierungsprozessen zu tun haben. Dafür würden Maschinen, Verkehrsinfrastruktur oder moderne Gebäudetechnik benötigt. „Es wird dort über Jahrzehnte ein Upgraden und Aufholen stattfinden und in all diesen Bereichen sind ja deutsche Unternehmen und speziell auch der Mittelstand sehr aktiv und stark vertreten.“

Digitalisierung: „Indien ist Deutschland ein Jahrzehnt voraus“

Bei der Digitalisierung könne sich Deutschland unglaublich viel von Indien abgucken. „Da ist uns das Land trotz des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens um ein Jahrzehnt voraus“, sagte Schularick. Hier müsse Deutschland einen großen Sprung machen. „Sonst sind wir auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Das IfW wolle sich Indien in seiner Forschungsarbeit in den nächsten Jahren noch genauer anschauen.

Habeck strebt nach eigenen Worten eine engere Zusammenarbeit Deutschlands mit Indien an. Die Bundesregierung sieht dort unter anderem Potenzial für eine vertiefte Kooperation bei der Energiewende. (me)

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