Angemerkt Hannover-Messe 2022: Treffen der Krisenmanager

Ein Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Pandemie, unterbrochene Lieferketten und der Krieg in der Ukraine: Die Industrie steht vor vielen Problemen. Auf der Hannover-Messe wollen die Firmen an alte Zeiten anknüpfen. Kommt mit der Messepräsenz auch ein neues Denken?

Wieder geöffnet: Nach zwei Jahren Zwangspause hat die Hannover-Messe als größte Industriemesse der Welt wieder ihre Tore geöffnet.
Wieder geöffnet: Nach zwei Jahren Zwangspause hat die Hannover-Messe als größte Industriemesse der Welt wieder ihre Tore geöffnet.
(Bild: Deutsche Messe)

Gehen wir einen Schritt zurück: Vor der Corona-Pandemie war die Hannover-Messe das weltweite Schaufenster der Industrie: Was es an technischen Neuigkeiten aus der Industriebranche gab, zeigten die Firmen auf der Hannover-Messe. Dann kam Corona im April 2020 und die Messe fiel aus. Auch die abgespeckte Variante im vergangenen Jahr konnte nicht an das Original heranreichen.

Dieses Jahr wollte die Deutsche Messe mit ihrem Flaggschiff wieder durchstarten. Die Prognosen der Industrieverbände waren gut: 2022 sollte wieder ein Boom-Jahr werden. Doch die Krisen sind nicht weniger geworden. Der Krieg in der Ukraine warf einen großen Schatten über die Messehallen in Hannover. Trotzdem präsentieren sich 2.500 Aussteller von Montag bis Donnerstag in zehn Messehallen. Dabei ging es um nicht weniger als die Transformation einer ganzen Branche. Im Detail sind das auf der Messe die Themen Automation, Energie und digitale Ökosysteme.

Industrie ist im Wandel

Doch die Rolle einer reinen Produktausstellung reicht nicht mehr aus. Vielmehr sollte es um konkrete Anwendungen, Hilfestellungen und Dienstleistungen rund um die digitale Fabrik gehen. Hinzu kommen aktuelle Probleme wie Klimawandel, Energiekrise, Fachkräftemangel und schließlich Lieferengpässe. Sie alle schlagen sich jetzt auf die Industrie durch.

Und dann ist da noch der „Russland-Schock“, den ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel vor der Presse am vergangenen Montag verkündet hat. Vor diesem Hintergrund wurden Politik und Industrie nochmals die hohe Abhängigkeit von China bewusst – ein für Deutschland und Europa entscheidender Markt. Auch hier darf man klar von einer Autokratie sprechen. Der richtige Umgang mit solchen Staaten wirft angesichts der oft engen wirtschaftlichen Verbindungen Grundsatzfragen auf. Die geopolitische Relokalisierung der Produktion in Richtung Europa ist eine mögliche Antwort. Aber wie viele Firmen diesen Weg gehen und wann sie das tun ist fraglich.

Keine einseitigen Abhängigkeiten

Was eine Industriemesse unbedingt zeigen muss: einseitige Abhängigkeiten abschaffen. Allerdings ist die Welt mit ihren Lieferketten vernetzt. Genauso wie bei Industrie 4.0 können wir nicht einfach zurück. Hier muss die Politik einen Rahmen vorgeben. Es sollten nicht nur wirtschaftliche Interessen berücksichtigt werden, sondern auch unbedingt ethische Fragen enthalten sein.

Aber anders als Russland ist China für Deutschland und Europa ein wichtiger Markt. Das wird schwierig; wir müssen lernen, mit den Autokratien dieser Welt umzugehen. Ob Firmen und die Produktion wieder nach Europa kommen, kann heute noch niemand abschätzen.

Das weltweite Netzwerk der Wirtschaft ist diffizil. Kleinste Störungen wirken sich schnell global auf die gesamte Wirtschaft und den Warenverkehr aus. Doch genau die vielen großen und kleinen Störungen bleiben. Niemand weiß, wie sich beispielsweise Corona im Herbst weiter auswirken wird. Zeigt doch der Lockdown in Shanghai aktuell deutlich, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist und wie ein autokratisches System mit einer Pandemie umgeht.

Die Industrie ist mit Präsenz-Messen wieder zurück. Das hilft vor allem den Lenkern der Unternehmen, um sich besser zu vernetzen. Doch künftig müssen sie noch mehr die Krise denn den gewohnten Erfolg managen. Hannover gab dafür neben der Leistungsschau schon einen guten Vorgeschmack.

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