Elektronik und Sport

Fünf olympische Momente, in denen die Technik in den Vordergrund rückte

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1980: Thomas Wassberg, Jochen Behle und die Hundertstelsekunde

1980, Olympische Winterspiele in Lake Placid: Bei ARD und ZDF stoßen die Langlaufdisziplinen auf eher geringes Interesse. Den westdeutschen Athleten wird nicht viel zugetraut, im Vordergrund stehen eher die alpinen Wettbewerbe. Plötzlich ergibt die Zwischenzeit, dass der westdeutsche Langläufer Jochen Behle beim Lauf über die 15-Kilometer-Distanz in Führung liegt. ZDF-Reporter Bruno Moravetz verzweifelt schier, denn der amerikanischen TV-Regie gelingt es im dichten Schneetreiben nicht, den deutschen Hoffnungsträger einzufangen. Sein Ausruf „Wo ist Behle? Wo ist Behle? Hat jemand den Jochen Behle gesehen?“ schreibt Sport- und TV-Geschichte.

Das Rennen beendet Behle als Zwölfter, eine achtbare Platzierung zu dieser Zeit. An der Spitze liefern sich jedoch der Schwede Thomas Wassberg und der Finne Juha Mieto einen spannenden Zweikampf. Am Ende liegt Wassberg nach 15 Kilometern genau eine Hundertstelsekunde vor seinem finnischen Konkurrenten – eine Winzigkeit. Infolge dieses absurden Ergebnisses wird fortan im Skilanglauf nur noch auf Zehntelsekunden genau gemessen.

1988: Jürgen Hingsen und der Fehlstart

1988 in Seoul verschenkt der deutsche Zehnkämpfer Jürgen Hingsen bereits bei der ersten Disziplin, dem 100-Meter-Lauf, alle Medaillenchancen: Er produziert insgesamt vier (!) Fehlstarts. Beim vierten und letzten gibt eine Tausendstelsekunde den Ausschlag, wie die unbestechliche elektronische Zeitnahme beweist.(Bild:  Omega Timing)
1988 in Seoul verschenkt der deutsche Zehnkämpfer Jürgen Hingsen bereits bei der ersten Disziplin, dem 100-Meter-Lauf, alle Medaillenchancen: Er produziert insgesamt vier (!) Fehlstarts. Beim vierten und letzten gibt eine Tausendstelsekunde den Ausschlag, wie die unbestechliche elektronische Zeitnahme beweist.
(Bild: Omega Timing)

Zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles war der gebürtige Duisburger Jürgen Hingsen als Weltrekordler im Zehnkampf gefahren. Im Duell der Nerven gegen seinen britischen Dauerkonkurrenten Daley Thompson hatte er jedoch den Kürzeren gezogen und sich mit der Silbermedaille begnügen müssen: Vier Jahre später konnte Thompson bei den Spielen in Seoul verletzungsbedingt nicht antreten. Jürgen Hingsen ist an diesem Wettkampfmorgen jedoch hypernervös, sein Knie macht ihm Schwierigkeiten. Er weiß, dass er eine gute Zeit in der ersten Disziplin, dem 100-Meter-Sprint braucht, um sein Handicap in den Sprungdisziplinen kompensieren zu können. Dreimal katapultiert er sich zu früh aus dem Startblock. Eigentlich hätten schon diese drei Fehlstarts im Zehnkampf für eine Disqualifikation ausgereicht, doch ein Fehlversuch wird irrtümlich einem Konkurrenten angelastet.

Beim letzten Startversuch reagiert er genau eine Tausendstelsekunde zu früh: Hingsen rennt 0,099 Sekunden nach dem Startschuss los. Damit wird aber auch sein vierter Versuch als Fehlstart gewertet. Denn die Regeln gehen davon aus, dass der Mensch mindestens eine Zehntelsekunde Reaktionszeit braucht, um das akustische Signal zu verarbeiten. Da Hingsen sich genau eine Tausendstelsekunde zu früh bewegt hat, wird er disqualifiziert.

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