3D-Druck in der Medizintechnik Erstes komplett metallfreies Wirbelsäulenimplantat

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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In der Entwicklung ist 3D-Druck oft auf Kunststoff-Prototypen oder Metallbauteile beschränkt. Ein KI-gestütztes Projekt aus den USA zeigt nun, was additiv gefertigte Keramik leisten kann und warum der Verzicht auf Metall die medizinische Bildgebung verändert.

Ein individuell anpassbares metallfreies Wirbelsäulenimplantat. Hergestellt ist es von Nivalon,  mit dem Verfahren XJet NanoParticle Jetting.  (Bild:  Nivalon Medical)
Ein individuell anpassbares metallfreies Wirbelsäulenimplantat. Hergestellt ist es von Nivalon, mit dem Verfahren XJet NanoParticle Jetting.
(Bild: Nivalon Medical)

Nivalon Medical Technologies hat gemeinsam mit dem Youngstown Business Incubator (YBI) das weltweit erste vollständig patientenspezifische, metallfreie Wirbelsäulenimplantat im keramischen 3D-Druckverfahren hergestellt. Technologische Basis ist die NanoParticle-Jetting-Plattform (NPJ) des israelischen Unternehmens XJet. Das Verfahren ist in der Elektronikfertigung bislang kaum bekannt, birgt aber enormes Potenzial.

Was steckt hinter NanoParticle Jetting?

NPJ unterscheidet sich grundlegend von klassischen additiven Verfahren wie FDM oder Binder Jetting. Anstelle von Polymerbindemitteln verwendet XJet ein wasserbasiertes System, das Nanopartikel aus Hochleistungskeramik, in diesem Fall zirkonoxidverstärktes Aluminiumoxid (ZTA), hoch präzise auf das Bauteil aufträgt. Das Ergebnis ist eine hochdichte Keramikstruktur mit mit einer sehr hohen Oberflächenqualität und komplexen Innengeometrien, die konventionell nicht fertigbar wären.

Für Entwickler interessant sind die dabei erreichbaren Auflösungen, mit denen feine Gitterstrukturen im Inneren des Bauteils möglich sind. Das ist eine Voraussetzung für die Knochenintegration, aber auch relevant für Wärmemanagement, Isolation oder mechanische Dämpfung in elektronischen Baugruppen.

KI als Konstruktionspartner

Das EvoFlex-ZTA-Wirbelsäulenimplantat bietet volle Anpassbarkeit bei optimaler Leistung.(Bild:  Nivalon Medical)
Das EvoFlex-ZTA-Wirbelsäulenimplantat bietet volle Anpassbarkeit bei optimaler Leistung.
(Bild: Nivalon Medical)

Das EvoFlex-Implantat wird nicht in Standardgrößen gefertigt, sondern individuell aus CT-Daten des Patienten modelliert. Daben helfen KI-gestützte Algorithmen, welche die digitale Rekonstruktion der Wirbelsäulenanatomie übernimmt sowie die Berechnung der Lastverteilung und die Optimierung der Implantatgeometrie.

Dieser Ansatz ist für Elektronikentwickler im Medtech-Umfeld ein konkretes Beispiel dafür, wie KI nicht nur in der Signalverarbeitung, sondern direkt in der Bauteilentwicklung eingesetzt werden kann.

Materialien die Metall ersetzen

ZTA-Keramik verhält sich knochenähnlich, was für den medizinischen Kontext entscheidend ist. Für Elektronikanwendungen bedeutet dasselbe Materialprinzip: keine Korrosion, keine elektromagnetische Beeinflussung, keine Ionenfreisetzung, hohe Temperaturbeständigkeit. Unabhängige Tests an der University of Connecticut belegten Druckbelastungen von bis zu 14,6 kN oder rund 1.490 kg bei gleichzeitig kontrolliertem Versagensverhalten.

Wenn der Entwickler selbst der Patient ist

Was dieses Projekt von vielen Medtech-Innovationen unterscheidet, ist sein Ursprung. Todd Hodrinsky, Mitgründer und CEO von Nivalon Medical, entwickelte EvoFlex nicht primär für den Markt, sondern für sich selbst. Als Wirbelsäulenpatient erlebte er am eigenen Körper die Grenzen konventioneller Implantate. „Uns wurde klar, dass das Problem nicht bei den Chirurgen lag, sondern bei den Implantaten“, sagt Hodrinsky. „Wir hatten versucht, eine lebende biologische Struktur mit industriellen Metallelementen zu behandeln, die sich nicht wie Knochen verhalten.“

Die Endplatten für seine eigene Wirbelsäule sind inzwischen fertig gedruckt. Die erste Implantation an ihm selbst ist für 2026 geplant.

Das EvoFlex-Projekt ist mehr als eine medizinische Entwicklung. Es zeigt exemplarisch, wohin die additive Fertigung mit Hochleistungskeramik geht: weg von Prototypen, hin zu zertifizierten, patientenindividuellen Serienbauteilen. Die erste klinische Anwendung ist für 2026 geplant. (heh)

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