E-Mobility-Trends 2023 Ein Blick in die Glaskugel

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Juice Technology, Hersteller von Ladestationen und -software für Elektrofahrzeuge und Zukunftsforscher Lars Thomsen geben Antworten auf die drängendsten Fragen rund um die Zukunft der Elektromobilität in Europa und dem Rest der Welt.

Blick in die Glaskugel: Zukunftsforscher Lars Thomsen von Juice Technology zeigt die Trends der Elektromobilität auf.
Blick in die Glaskugel: Zukunftsforscher Lars Thomsen von Juice Technology zeigt die Trends der Elektromobilität auf.
(Bild: Clipdealer, Juice, Thomas Kuther)

Angesichts der gestiegenen Energiekosten herrscht in der Öffentlichkeit eine gewisse Unsicherheit über die Entwicklung der E-Mobilität. Die Kostensteigerung ist jedoch eng mit der derzeitigen Krise verbunden und daher nicht von Dauer. Das gilt insbesondere für die 2022 sprunghaft gestiegenen Strompreise. Die Preisverzerrungen auf dem Strommarkt sind darauf zurückzuführen, dass ein Energieträger (Gas) den Strompreis nach dem Preisbildungsprinzip der Merit-Order überproportional verteuert hat.

Dezentrale Stromerzeugung verlangt smarte Lastmanagementsysteme

Der Trend zu immer mehr erneuerbaren Formen der Stromerzeugung ist aber ungebrochen, und die Kosten dieser Energien sind nach wie vor rückläufig. Mittel- bis langfristig wird Strom immer günstiger, je mehr erneuerbare Energien erzeugt und je „smarter“ die Energienetze werden.

Als aktives Element der Spitzenlastglättung in lokalen Stromnetzen werden E-Autos eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von Stabilität im Stromnetz spielen. Dies wird binnen der kommenden Jahre für alle Beteiligten (Autohersteller, Netzbetreiber und Kunden) ein wichtiges Thema werden.

Die Voraussetzung hierzu ist eine intelligente Verteilung des vorhandenen Stroms über smarte Ladesysteme. Dynamisches Lastmanagement wird somit für alle neu auf den Markt kommenden Ladestationen zu einem Muss. Die Verteilung kann gleichmäßig oder priorisiert und zeitgesteuert erfolgen.

Der Siegeszug der Elektromobilität ist nicht aufzuhalten

Die Hochlaufkurve der E-Mobilität im gewerblichen und öffentlichen Bereich beginnt nun exponentiell zu wachsen. In immer mehr Städten und Gemeinden ersetzen elektrische Varianten von öffentlichen Verkehrsmitteln und Kommunalfahrzeugen die dieselbetriebenen Fahrzeuge. Der Tipping Point, ab dem elektrisch betriebene Busse, Transporter oder Taxis in der Gesamtkostenbetrachtung günstiger sind als Diesel oder Benziner, wird nun in immer mehr Bereichen erreicht. Damit ist die Entscheidung für E-Mobilität oft nicht nur ökologisch, sondern ebenfalls ökonomisch sinnvoll. Selbst in den Segmenten Transporter und Lkw zeichnet sich für die kommenden Jahre und Jahrzehnte ein Siegeszug des rein batterieelektrischen Antriebs ab.

Entscheidend wird sein, dass mittelfristig überall dort, wo es für Betreiber und Kunden sinnvoll ist, öffentliche Ladeinfrastruktur zu finden sein wird. Auch die Art des Ladens muss an den Standort angepasst sein.

Christoph Erni: „Ein DC-Schnelladepunkt ist teuer in der Anschaffung. Die Standortwahl will deshalb wohlüberlegt sein.“
Christoph Erni: „Ein DC-Schnelladepunkt ist teuer in der Anschaffung. Die Standortwahl will deshalb wohlüberlegt sein.“
(Bild: Clipdealer, Juice, Thomas Kuther)

Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice gibt zu bedenken: „Ein DC-Schnelladepunkt ist teuer in der Anschaffung. Die Standortwahl will deshalb wohlüberlegt sein. Parkplätze bei Hotels, Freizeitanlagen, Touristenattraktionen, Einkaufszentren, Flughäfen und Gewerbeparks kann man zum Preis eines HPC (High-Power-Charger) mit 15 bis 20 AC-Ladestationen ausstatten und die Akkus werden trotzdem voll – und das auf schonende Weise.“

Entwicklung in Europa

Beim Entwicklungsstand der Ladeinfrastruktur gibt es zwischen den europäischen Ländern teilweise eklatante Unterschiede. In Skandinavien, den Niederlanden und Deutschland zum Beispiel ist der Ausbau bereits sehr weit fortgeschritten. Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland können den Rückstand aber binnen kurzer Zeit aufholen. Das Gute an der Ladeinfrastruktur ist ja, dass es nicht lange dauert, sie zu bauen und zu installieren. Entlang der Autobahnen können Ladeparks in wenigen Wochen oder Monaten geplant und gebaut werden; die Installation einer Ladestation zu Hause oder am Arbeitsplatz lässt sich sogar noch schneller realisieren.

In vielen Ländern Europas entstehen lokale Genossenschaften von Bürgerinnen und Bürgern, lokalen Geschäften und Kommunen, die Teile ihrer Energieerzeugung und -versorgung selbst in die Hand nehmen. Das ist sinnvoll, denn wenn Solaranlagen, Speicher und Verbraucher vor Ort gemeinschaftlich genutzt werden können, entstehen große Effizienzgewinne, die Akzeptanz für lokale Energieerzeugung steigt und die Beteiligten haben sogar die Möglichkeit, finanziell zu profitieren.

Entwicklung in den USA

Die USA sind eine Region, die bei der Entwicklung der Elektromobilität bisher hinter Europa zurückgeblieben ist. Aktuelle Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass der Absatz von Elektroautos in den USA in den letzten Jahren rasant gestiegen ist. Das Gesetz zur Senkung der Inflation und die hohen Benzinpreise haben zusammen mit einer Vielzahl neuer attraktiver Produkte in allen Bereichen einen neuen Impuls für die Einführung von Elektroautos in den USA geschaffen. Der bereits beeindruckende Marktanteil von E-Fahrzeugen in Kalifornien und an der Ostküste bewegt sich nun ins Landesinnere. In vielen Segmenten sind E-Fahrzeuge die bessere Wahl, nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen und leistungsbezogenen Erwägungen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge ist in den USA ebenfalls auf dem Vormarsch, muss aber mit der steigenden Nachfrage Schritt halten.

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Entwicklung in China

Chinas Autoindustrie könnte bis 2027 global bis zu 20 Prozent Marktanteil bei Elektrofahrzeugen gewinnen und zudem bei neuartigen elektrischen Mobilitätskategorien beim autonomen Transport von Menschen und Gütern mittel- bis langfristig dominant werden. Klassische OEM in Europa und den USA dürften es zunehmend schwer haben, gegen diesen Gegner anzukommen: Sowohl bei Schlüsselkomponenten wie Batterie, Elektronik, Einsatz von Künstlicher Intelligenz und dem autonomen Fahren scheinen die Chinesen teilweise nicht nur weiter, sondern vor allem schneller zu sein. Wenn die klassischen OEM ihre Innovationsagilität nicht dramatisch steigern können, wird China mittel- bis langfristig große Teile des Kuchens für sich abschneiden können.

Was verspricht das Jahr 2023?

In den USA wird der „Inflation Reduction Act“ ab 2023 die Entwicklung, Produktion und den Absatz von E-Fahrzeugen und den Bau großer Batterieproduktionskapazitäten ankurbeln. In Europa erwarten wir weitreichende neue Initiativen, um die europäische Industrie gegen die USA und China wettbewerbsfähig zu halten – nicht nur für Pkw, sondern verstärkt auch für Nutzfahrzeuge, Busse und Lkw.

China wird sich zu einem der größten Märkte und Exportländer für E-Fahrzeuge entwickeln und daher seine eigene Industrie mit Anreizen dazu bringen, Innovation und Produktion von E-Fahrzeugen und Batterien noch schneller zu steigern. Es ist wirklich ein globaler Wettlauf um die Vorherrschaft bei der nächsten Generation der Mobilität im Gange.

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