Wie aus einem Zwei-Mann-Unternehmen ein führender Technologieanbieter mit 2.000 Beschäftigten wurde – und wie TQ das Verständnis als Systemlieferant innovativ weiterdenkt.
Wo alles begann: Die erste Elektronikfertigung von TQ befindet sich am Firmenhauptsitz in Gut Delling. Heute verfügt das Unternehmen über acht Fertigungsstätten – fünf in Deutschland und jeweils eine in Slowenien, China und den USA.
(Bild: TQ-Group)
Die Geschichte des Technologieunternehmens TQ beginnt 1994 im beschaulichen Oberbayern inmitten einer für die Elektronikbranche schwierigen Zeit. Die Kosten am Standort Deutschland stehen in der Kritik, erste Produktionsverlagerungen nach Osteuropa und Asien zeichnen sich ab, und viele Unternehmen beginnen, ihre Wertschöpfung neu zu ordnen. Wer in diesem Umfeld ein Elektronikunternehmen gründet, braucht entweder eine robuste Zuversicht – oder ein ziemlich klares Bild davon, was der Markt künftig verlangen wird.
Detlef Schneider und Rüdiger Stahl haben so ein Bild, als sie sich in eben diesem Jahr dazu entschließen, TQ im oberbayerischen Seefeld nahe des Ammersees zu gründen. Mit dem Ohr am Markt sind sie davon überzeugt, dass man das Angebot neu denken muss: nicht als reine EMS-Dienstleistung und auch nicht als isolierte Elektronikentwicklung oder -fertigung, sondern exakt die Kombination daraus. Mitgedacht werden dabei nicht nur Testing und Produktzulassung oder Serienüberleitung, sondern auch der gesamte Produktlebenszyklus darüber hinaus. Dieser ganzheitliche Ansatz bildet bis heute das Grundgerüst des Systemanbieters. Die Vorzüge davon liegen auf der Hand: weniger Reibungsverluste an den Schnittstellen, kürzere Wege von der Entwicklung in die Serie, mehr Sicherheit bei Qualität, Zulassung und Beschaffung – und damit am Ende robustere Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg.
Die TQ-Group wurde 1994 als 2-Mann-Unternehmen gegründet und besteht heute aus rund 2.000 Mitarbeitenden an 15 Standorten in Deutschland, Ungarn, Slowenien, den USA und in China. Als einer der größten Technologiedienstleister und Elektronik-Spezialisten in Deutschland realisiert die TQ-Group maßgeschneiderte, innovative Lösungen für unterschiedliche Branchen, sowohl in Hardware, Software wie auch der Mechanik – von der Entwicklung über die Produktion und weitere Dienstleistungen bis hin zum Produktlebenszyklus-Management.
Die frühe Logik des Systemanbieters
Diese Haltung ist Mitte der 1990er-Jahre alles andere als selbstverständlich. Damals werden Entwicklungsdienstleister, EMS-Anbieter und Produkthersteller meist noch klar voneinander unterschieden. TQ beginnt dagegen früh damit, genau diese Trennlinien aufzuweichen.
Dass diese Logik von Anfang an im Unternehmen steckt, lässt sich an einem frühen Meilenstein ablesen: TQM166, das erste TQ-Minimodul. Es markiert den Einstieg in das Embedded Computing zu einer Zeit, in dem noch nicht einmal der Begriff gängig war. Zugleich steht das Modul für eine Überzeugung, die TQ bis heute prägt. Immer das große Ganze mitzudenken – mechanische Systeme intelligent zu machen, Steuerungen nicht nur zu bauen, sondern auch zu programmieren, und mit Ready-to-integrate-Produkten Entwicklungsaufwand zu verkürzen, weil sie direkt in Anwendungen eindesignt werden können. Aus diesem Umfeld geht die TQ-Components GmbH hervor, die das Modulgeschäft für eigenständige und kundenspezifische Embedded-Lösungen weiter ausbaut.
Wachstum entlang der Wertschöpfung
Die folgenden Jahre lassen sich als Expansion lesen. Interessanter ist jedoch die Frage, wie TQ wächst. Denn die Entwicklung folgt keinem beliebigen Muster, sondern einer klar erkennbaren industriellen Logik: Neue Standorte, Gebäude und Geschäftsbereiche entstehen dort, wo zusätzliche Tiefe in der Wertschöpfung gebraucht wird. So eröffnet TQ bereits 1996 – zwei Jahre nach der Gründung – ein Werk in Murnau. Später folgen unter anderem das Werk in Wetter (2004), der Standort Durach im Allgäu (2013) sowie neue Entwicklungsstrukturen in Chemnitz (2010) und Leipzig (2013). Mit TQ-Shanghai folgt 2007 der strategische Schritt nach Asien und 2018 wird TQ-USA gegründet, beides mit dem Ziel, die Lieferketten für die Auslandsgeschäfte der europäischen Kunden auch in die internationalen Märkte zu optimieren. 2023 übernimmt TQ dann die FTA in Slowenien – um nur einige der wichtigen Meilensteine in der Entwicklung des Unternehmens zu nennen.
Auffällig ist dabei, dass das Wachstum nicht dem Selbstzweck dient. TQ verdichtet konsequent Kompetenzen. Entwicklung, Industrialisierung und Fertigung rücken näher zusammen. Genau daraus entsteht über die Jahre jenes Profil, das den Begriff E2MS bei TQ glaubwürdig macht.
Von der Elektronik zur Antriebstechnik
2012 markiert den Grundstein für einen weiteren wichtigen Schritt: Der Aufbau des Geschäftsbereichs TQ-Drives für hochtechnologische Antriebe. Bevor daraus später der Einstieg in die E-Bike-Branche wird und TQ zu einem Hersteller von E-Bike-Antrieben macht, sind diese Motoren zunächst für Robotik und Automatisierung gedacht. Diese Sparte ist bekannt als TQ-RoboDrive. Die Technologie dahinter hat ihre Ursprünge tatsächlich im Weltall – zumindest wurde sie genau dafür entwickelt. Das Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entwickelte einen Servomotor, der sich aufgrund seines hohen Kupferfüllfaktors durch extrem hohe Leistungs- und Drehmomentdichte bei geringem Bauraum auszeichnet. Er gilt bis heute als der absolute Maßstab in der Branche. Damit unterstützt er Eigenschaften, auf die es in der Robotik besonders ankommt – Gleichlauf, Dynamik und thermische Anbindung. Seine Praxistauglichkeit bewies der Motor nicht nur im Labor, sondern auch im robotischen Arm ROKVISS auf der Internationalen Raumstation, wo die Technologie zwischen 2005 und 2010 rund 500 Tests absolvierte.
Bemerkenswert daran ist nicht nur die Technologie selbst, sondern auch das Prinzip dahinter. Denn im Kern geht es erneut um ein Produkt, das sich möglichst schnell und effizient in anspruchsvolle Anwendungen integrieren lässt. Dieser Gedanke ist in der Geschichte von TQ nicht neu.
TQ-Embedded: Rechenleistung als Systembaustein
Hier stellt sich fast zwangsläufig die Frage, was aus den frühen Minimodulen und der TQ-Components GmbH geworden ist. Über die Jahre hat TQ den Embedded-Bereich konsequent ausgebaut und überführt die Sparte 2013 offiziell in den Geschäftsbereich TQ-Embedded.
Heute umfasst das Portfolio System-on-Modules beziehungsweise Computer-on-Modules, Single Board Computer, Industrie-PCs, Carrier Boards und komplette Systemlösungen. Technologisch setzt TQ dabei auf Prozessorplattformen führender Halbleiterhersteller wie NXP, Texas Instruments, Renesas und Intel. Gleichzeitig verfolgt TQ-Embedded einen bewusst flexiblen Ansatz bei den Formfaktoren – mit Standards wie COM Express, COM-HPC Mini, SMARC oder OSM, aber auch mit löt- oder steckbaren Varianten in kundenspezifische Designs.
Auch hier liegt der Vorteil solcher Embedded-Lösungen vor allem in der Entlastung des gesamten Entwicklungsprozesses. Zeit und Kosten lassen sich deutlich senken, weil ein Embedded-Modul als fertige Komponente dient, die sich über definierte Schnittstellen per Stecker oder Lötung in die Applikation integrieren lässt. Hinzu kommt: Standardisierte Module können bei steigenden Anforderungen auf leistungsfähigere Varianten migriert werden, ohne jedes Mal ein vollständiges Redesign auszulösen. TQ koppelt dieses Modulgeschäft zudem eng an technische Designunterstützung, Field-Application-Support sowie Produktlebenszyklus- und Obsolescence-Management.
Höchste Qualität für höchst anspruchsvolle Märkte
2016 übernahm TQ die Flugfunksparte von Dittel Avionik, woraus der Geschäftsbereich TQ-Aviation hervorging. Mit der Übernahme erweiterte TQ sein Portfolio um Produkte für einen Markt, in dem Zulassung, Dokumentation und Prozesssicherheit besonders hoch gewichtet werden. Dass das Unternehmen in solchen regulierten Branchen bestehen kann, ist auch formell hinterlegt: Bereits 2008 erfolgte die Zertifizierung nach EN 9100 als Lieferant der Luftfahrtindustrie, 2009 kam die ISO 13485-Zertifizierung für die Medizintechnik hinzu. Darüber hinaus wird sichtbar, in welchen Märkten sich TQ über Jahre positioniert hat – in der Industrieelektronik, Bahntechnik und anderen sicherheitskritischen Anwendungen mit langen Produktlebenszyklen und hohen Nachweispflichten. In solchen Branchen entscheidet nicht der niedrigste Stückpreis, sondern die Fähigkeit, Qualität, Rückverfolgbarkeit und Verlässlichkeit über viele Jahre hinweg sicherzustellen.
Compliance als Teil des Geschäftsmodells
Ein weiterer Baustein dieses Systemansatzes ist die Eröffnung des TQ-Product-Compliance-Centers 2020 in Augsburg. Mit dem neuen, von Fujitsu übernommenen Standort holt TQ nicht nur Prüftechnik, sondern auch zusätzliches erfahrenes Personal ins eigene Haus. Das akkreditierte Prüflabor blickt seinerseits auf über 30 Jahre Bestehen zurück und begleitet seither Kunden auf dem Weg zu nationalen und internationalen Produktzulassungen. Dafür prüft es in Bereichen wie EMV, Funk, Produktsicherheit, Umweltsimulationen und mehr. Auch der Schwerpunkt Cybersecurity wird vom Unternehmen abgedeckt, in dem sich die Normenlage gerade laufend verändert – zuletzt mit der EN 18031 zur Radio Equipment Directive und perspektivisch mit dem deutlich umfassenderen Cyber Resilience Act.
Der strategische Wert der Inhouse-Testkapazität ist eine entscheidende Ergänzung der ganzheitlichen Betreuung bei TQ. Denn wenn Anforderungen an EMV, Produktsicherheit und Co. früh in ein Projekt eingebunden werden, sinken Entwicklungsrisiken und unnötige Zulassungsschleifen lassen sich vermeiden.
Die Zeichen stehen auf Wachstum
Ein weiteres Beispiel in der Geschichte von TQ zeugt von den Absichten, Kunden ganzheitlich zu betreuen: Zum 1. Oktober 2025 übernimmt das Unternehmen Mitarbeiter und Geschäftsbetrieb der enders GmbH in Landshut. Das etablierte Ingenieursbüro zeichnete sich vor allem durch Expertise im Anlagen- und Maschinenbau aus. So gewinnt TQ vor allem erfahrene Entwickler hinzu und stärkt die Kompetenz im Bereich Mechanik. Das Ergebnis: zusätzliches Know-How und mehr Kapazität für Kundenprojekte mit über 300 Entwicklern inhouse.
Ein innovativer Pionier, der seinen Wurzeln treu bleibt
Vieles hat sich also verändert: Aus dem Zwei-Mann-Unternehmen ist eine international aufgestellte Technologiegruppe mit rund 2.000 Beschäftigten geworden; auch in der Führung steht TQ heute breiter da als in den Anfangsjahren – 2017 folgt Stefan Schneider seinem Vater und TQ-Mitgründer Detlef Schneider in die Geschäftsführung nach und etabliert so die nächste Generation an der Spitze. Gleich geblieben ist jedoch das Grundprinzip, mit dem das Unternehmen 1994 angetreten ist: Elektronik nicht in Silos, sondern als zusammenhängendes System aus Entwicklung, Industrialisierung, Fertigung und Lifecycle-Verantwortung zu denken. Genau darin liegt die eigentliche Pionierleistung von TQ. Der E²MS-Gedanke und das damit verbundene Systemverständnis wurde hier nicht nachträglich adaptiert, sondern lange praktiziert, bevor er in der Branche zum gängigen Schlagwort wurde. Und weil dieses Verständnis schon vor so vielen Jahren da war, erklärt vielleicht gerade das, warum TQ trotz aller Expansion seinen Wurzeln treu geblieben ist: als mittelständisch geprägtes, ingenieurgetriebenes Unternehmen mit Sinn für technische Tiefe, technologische Exzellenz, Entdeckergeist und langfristiger Verantwortung. In einer Zeit, in der alles komplexer, schneller, wettbewerbsintensiver wird, ist das keine nostalgische Haltung, sondern eine bemerkenswert zukunftsfähige.
(ID:50833944)
Stand: 08.12.2025
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