Auf der SID Display Week 2026 zeichnet sich ein klarer Trend ab: OLEDs müssen heller und langlebiger werden. Doch um dieses Ziel zu erreichen, wählen die Branchengrößen unterschiedliche Ansätze. Während Samsung Display mit PSF auf neue fluoreszierende Materialien setzt, treibt LG Display die mehrschichtige Tandem-Architektur für Fahrzeuge und IT voran.
Sichtbarer Unterschied bei Spitzenhelligkeit: Die Gegenüberstellung auf der SID 2026 zeigt Samsungs neues Flex-Chroma-Pixel-OLED im direkten Vergleich. Dank der neuen PSF-Emittermaterialien bleibt die Farbsättigung (96 Prozent BT.2020) auch bei extremen Leuchtdichten erhalten, ohne dass die Farben auswaschen.
(Bild: Samsung Display)
Für Hardware-Entwickler, Systemintegratoren und das thermische Management von Endgeräten bringt die aktuelle Display-Generation technische Vorteile. Auf der SID Display Week 2026 in Los Angeles adressiert die Branche intensiv zwei klassische Schwachpunkte der OLED-Technik: den Verlust an Farbsättigung bei extremen Helligkeiten (Color Washout) sowie die Degradation der organischen Schichten unter dauerhafter thermischer Belastung (Burn-in). Interessant dabei ist, dass die großen Panel-Hersteller zur Lösung dieser Probleme völlig unterschiedliche Wege einschlagen.
SF und LEAD für mobile Endgeräte
Samsung Display fokussiert sich bei seinem neuen Flex-Chroma-Pixe.-Panel, das speziell für Smartphones und Wearables ausgelegt ist und dabei auf Innovationen auf der Material- und Optikebene setzt. Kernstück ist der erste Einsatz von PSF (Phosphorescent Sensitized Fluorescence) als Emitter-Material.
Sichtbarer Unterschied bei Spitzenhelligkeit: Die Gegenüberstellung auf der SID 2026 zeigt Samsungs neues Flex-Chroma-Pixel-OLED im direkten Vergleich. Dank der neuen PSF-Emittermaterialien bleibt die Farbsättigung (96 Prozent BT.2020) auch bei extremen Leuchtdichten erhalten, ohne dass die Farben auswaschen.
(Bild: Samsung Display)
PSF nutzt phosphoreszierende Materialien als sogenannte Sensibilisatoren, um die intern generierten Triplett-Exzitonen einzufangen und ihre Energie hocheffizient auf einen fluoreszierenden Emitter zu übertragen. Das messtechnische Resultat: Das Display erreicht 3.000 Nits im High Brightness Mode (HBM) und deckt dabei 96 Prozent des riesigen BT.2020-Farbraums ab. Das ist das 1,7-fache des heute gängigen DCI-P3-Standards. Wie stark sich dieser erweiterte Farbraum und die Verhinderung des typischen Color Washouts bei hoher Leuchtdichte in der Praxis auswirken, zeigte Samsung auf der Messe anhand direkter Bildvergleiche
Kombiniert wird PSF mit Samsungs LEAD-Architektur (Low Energy Advanced Display), die ohne klassische Zirkularpolarisatoren auskommt. Da Polarisatoren oft über 50 Prozent der Lichtausbeute schlucken, erhöht der Wegfall die Lichtauskopplung. Das Display erreicht 3.000 Nits im High Brightness Mode (HBM) und deckt dabei 96 Prozent des BT.2020-Farbraums ab. Das ist das 1,7-fache des heute gängigen DCI-P3-Standards.
Zudem zeigte Samsung Fortschritte bei der Sensor-Integration. Smartphone-Panels integrieren organische Fotodioden (OPDs) mit einer Dichte von 500 ppi flächendeckend direkt in das Pixelraster. Dadurch wird das gesamte Display zum biometrischen Scanner, der auch Vitalparameter wie Herzfrequenz und Blutdruck erfassen kann.
Tandem-OLEDs der 3. Generation für Automotive
LG Display zeigt die 3. Generation seiner Tandem-OLED-Technologie.
(Bild: LG Display)
Einen völlig anderen Weg schlägt LG Display ein. Statt primär auf neue Emitter-Moleküle zu setzen, skaliert LG die Architektur. Auf der Messe stellte das Unternehmen die 3. Generation seiner Tandem-OLED-Technologie vor. Der primäre Zielmarkt: Automotive und Software Defined Vehicles (SDVs).
Bei einem Tandem-OLED werden mehrere organische, lichtemittierende Schichten übereinander gestapelt aufgetragen. Die Last der Lichterzeugung wird somit auf zwei Schichten verteilt. Die 3. Generation bringt massive Sprünge bei der Lebensdauer: LG spricht von über 15.000 Stunden Betrieb bei Raumtemperatur ohne Degradation. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zur Vorgängergeneration.
Auf physikalischer Ebene hat LG Display zudem die Ladungsträgerbalance im Panel verbessert. In organischen Halbleitern ist die Mobilität der positiven Löcher (Defektelektronen) meist höher als die der Elektronen, was zu Rand-Rekombinationen, Hitzeentwicklung und Materialdegradation führt. Durch eine neue Materialdotierung in den Transportschichten konnte LG die Bewegungsgeschwindigkeit von Löchern und Elektronen synchronisieren.
Die Rekombination zu Exzitonen findet nun exakt in der Mitte der Emitterschichten statt. Das Resultat dieser verbesserten internen Quanteneffizienz: Das Automotive-Panel erreicht eine Helligkeit von 1.200 Nits, senkt den Stromverbrauch um 18 Prozent und verringert den thermischen Stress im Bauteil signifikant. Für Entwickler von Automotive-Displays löst die Tandem-Struktur das größte OLED-Problem im Auto: die geringe Haltbarkeit unter dem Einfluss von extremen Temperaturen und direkter Sonneneinstrahlung.
LG wird die Massenproduktion dieser Panels für den Automotive-Markt noch Ende 2026 starten und demonstrierte das Potenzial direkt an einem 57 Zoll breiten Pillar-to-Pillar- (P2P-)Konzept-Display.
Stand: 08.12.2025
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Zwei Lösungen, ein Ziel
Die SID 2026 zeigt, dass die OLED-Technologie zwar ausgereift, aber noch lange nicht ausentwickelt ist. Für Systementwickler im Mobile-Sektor (Smartphones, Smartwatches) werden die Sensibilisierung von Fluoreszenz-Emittern (PSF) und die polarisationsfreie Bauweise der Schlüssel zu mehr Effizienz sein. Im Automotive- und IT-Sektor (Laptops, Monitore), in dem langlebige statische Anzeigen und extreme Betriebstemperaturen vorherrschen, setzt sich dagegen die robuste, mehrschichtige Tandem-Architektur als Industriestandard durch. (heh)