AMD will das KI-Start-up World Labs übernehmen. Der 8,2 Milliarden Dollar schwere Aktiendeal soll AMD bei KI-Modellen, Robotik und künftiger Recheninfrastruktur stärken.
AMD-CEO Lisa Hsu (links) und World-Labs-Gründerin Dr. Fei-Fei Li (rechts) bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung. AMD plant, das auf KI-„Weltmodelle“ spezialisierte Startup World Labs für 8,2 Mrd. US-Dollar zu übernehmen.
(Bild: World Labs)
Der US-Chipkonzern AMD will das KI-Unternehmen World Labs übernehmen. Beide Unternehmen haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die ausschließlich mit Aktien bezahlte Transaktion hat einen Wert von rund 8,2 Milliarden US-Dollar und soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Voraussetzung sind die Zustimmung der zuständigen Behörden und weitere übliche Abschlussbedingungen.
Mit dem Zukauf will AMD seine Kompetenzen nicht nur bei Prozessoren und Beschleunigern, sondern auch bei KI-Modellen, Software und kompletten Rechensystemen ausbauen. Nach Darstellung des Konzerns soll die Forschung von World Labs dabei helfen, besser zu verstehen, welche Anforderungen neue KI-Anwendungen künftig an die zugrunde liegende Hardware stellen.
World Labs wurde 2024 gegründet und hat seinen Sitz in San Francisco. Das Unternehmen beschäftigt sich vor allem mit sogenannter räumlicher Intelligenz. Seine Modelle können aus Texten, Bildern und Videos dreidimensionale Umgebungen erzeugen, rekonstruieren und simulieren. Solche virtuellen Welten sollen unter anderem für Design, wissenschaftliche Anwendungen und das Training von Robotern eingesetzt werden.
KI soll die räumliche Welt verstehen
Im Mittelpunkt der Forschung steht die Idee, dass leistungsfähige KI-Systeme nicht nur Sprache verarbeiten, sondern auch Aufbau und Verhalten der physischen Welt erfassen müssen. World Labs entwickelt dafür Grundlagenmodelle, die räumliche Zusammenhänge erkennen und neue Ansichten einer Umgebung erzeugen können.
Zu den jüngeren Entwicklungen des Unternehmens gehört das Modell Atlas. Es soll aus zweidimensionalen Bildern weitere Kameraperspektiven vorhersagen und dabei generative KI mit Verfahren der Mehrbildgeometrie verbinden. World Labs sieht dafür Einsatzmöglichkeiten unter anderem in Robotiksimulationen, Konstruktion, Immobilien, Unterhaltung und Forschung.
Besonders für die Robotik sind solche Modelle interessant, weil Maschinen bestimmte Abläufe zunächst in simulierten Umgebungen erlernen können. Die erzeugten 3D-Welten können beispielsweise als Trainingsumgebung dienen, bevor ein Roboter Aufgaben in einer realen Fabrik ausführt. Wie weit sich die Technik darüber hinaus für die direkte Navigation in realen Umgebungen eignet, ist bislang nicht umfassend belegt.
AMD und World Labs arbeiten bereits seit einiger Zeit zusammen. Nach Angaben des Start-ups begann im vergangenen Jahr eine intensivere technische Kooperation, bei der unter anderem das Training und die Ausführung von KI-Modellen auf AMD-Grafikprozessoren optimiert wurden. Aus dieser Zusammenarbeit sei schließlich die Entscheidung entstanden, Hardware, Software, Modelle und Anwendungen enger zusammenzuführen.
Gründerin und Googles Ex-KI-Patin Fei-Fei Li wechselt in AMDs Führung
Eine zentrale Rolle bei der Übernahme spielt World-Labs-Mitgründerin Fei-Fei Li. Die Informatikerin und Stanford-Professorin gilt als eine der prägenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Computer Vision. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihre Arbeit an ImageNet, einer umfangreichen Bilddatenbank, die für die Entwicklung moderner Bilderkennungssysteme große Bedeutung erlangte. Vor der Gründung von World Labs war Chefwissenschaftlerin bei Google, wo sie als „Godmother of AI“ („Patin der KI“) bezeichnet wurde.
Nach Abschluss der Transaktion soll Li als Executive Vice President und Chief Scientist zu AMD wechseln. In dieser Funktion wird sie direkt an Konzernchefin Lisa Su berichten. Die World-Labs-Mitgründer Justin Johnson und Ben Mildenhall sollen gemeinsam mit Li die bisherige Forschungsarbeit des Unternehmens innerhalb von AMD fortführen.
AMD betont, dass es bei dem Zukauf vor allem um die Verbindung von Modellforschung und Recheninfrastruktur geht. Je genauer der Konzern verstehe, wie sich KI-Modelle und Anwendungen entwickelten, desto gezielter könne er künftige Hardware, Software und Systeme auf deren Anforderungen ausrichten. Das Unternehmen verweist dabei auch auf KI-Anwendungen jenseits klassischer Sprachmodelle, etwa bei Simulationen und sogenannter physischer KI.
Stand: 08.12.2025
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Ausbau des KI-Ökosystems
Mit World Labs verstärkt AMD zugleich seine Bemühungen, ein breiteres KI-Ökosystem rund um die eigenen Prozessoren und Beschleuniger aufzubauen. Neben der reinen Rechenleistung gewinnen dabei Software, Entwicklungsplattformen und Modelle an Bedeutung. Konkurrent Nvidia verfolgt mit eigenen Plattformen für KI und Robotiksimulation bereits seit Jahren einen vergleichbaren Ansatz.
AMD und World Labs wollen nach eigenen Angaben an einem offenen KI-Ökosystem arbeiten, das von Hardware und Software über Plattformen bis zu möglichst breit verfügbaren Modellen reicht. World Labs soll dabei auch nach der Übernahme weiter an grundlegenden KI-Modellen forschen. Für AMD ist die Transaktion mit 8,2 Milliarden Dollar zugleich einer der größten Zukäufe der vergangenen Jahre.
Ob und in welchem Umfang sich die Investition wirtschaftlich auszahlt, dürfte wesentlich davon abhängen, wie schnell Anwendungen für räumliche KI und Robotik in größerem Maßstab eingesetzt werden. Zunächst steht jedoch der Abschluss der Übernahme an. Stimmen die Regulierungsbehörden zu und werden die weiteren Bedingungen erfüllt, soll World Labs noch vor Ende 2026 Teil von AMD werden.(sg)