Von den Anfängen der Digitalisierung Als digitale Messtechnik noch Zukunft war

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 4 min Lesedauer

Industrie 4.0 und KI-Anwendungen basieren auf digitalen Messdaten. Der Blick ins Archiv zeigt, wie bereits vor Jahrzehnten die Grundlagen dafür gelegt wurden – mit den ersten Datenerfassungssystemen und Wandlern, die analoge Signale in digitale Informationen verwandelten.

Blockschaltbild: 
Datenerfassungsanlage zur digitalen Protokollierung von Messwerten.(Bild:  Peter Müller, Karlsruhe)
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Datenerfassungsanlage zur digitalen Protokollierung von Messwerten.
(Bild: Peter Müller, Karlsruhe)

Heute erfassen Sensoren Messwerte in hoher Dichte und liefern die Daten direkt an Steuerungen, Cloud-Plattformen oder KI-Systeme. Ein Blick ins ELEKTRONIKPRAXIS-Archiv zeigt, wie die digitale Messtechnik mit den ersten A/D-Wandlern und Datenerfassungssystemen ihren Siegeszug begann. So wurde der Grundstein für die heutige digitale Messtechnik gelegt.

In einem historischen Beitrag über „Darstellung von Messwerten für digitale Datenverarbeitung" wird beschrieben, wie Messwerte erstmals systematisch digital erfasst und weiterverarbeitet wurden. Der Artikel erklärt die Grundlagen der Analog-Digital-Wandlung und zeigt anhand eines Blockschaltbilds eine Datenerfassungsanlage zur digitalen Protokollierung von Messwerten.

Die Vorteile der Digitalisierung mussten damals noch erklärt werden

Aus heutiger Sicht wirkt es selbstverständlich, Messgrößen digital zu erfassen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war dies jedoch keineswegs Standard. Der Beitrag erläutert ausführlich, warum digitale Verfahren gegenüber analogen Messinstrumenten Vorteile bieten: höhere Genauigkeit, bessere Weiterverarbeitung der Daten und die Möglichkeit, Messwerte automatisch zu speichern oder für Regelungsaufgaben zu nutzen.

Der Autor Peter Müller aus Karlsruhe sieht die digitale Messtechnik vor allem als Werkzeug zur Automatisierung von Fertigungsprozessen. Bereits damals wird deutlich, dass die Erfassung, Speicherung und Auswertung ein wichtiger Faktor für Produktionsanlagen sein wird.

A/D-Wandler als Herzstück der Datenerfassung

Im Mittelpunkt stehen Analog-Digital-Umsetzer, die analoge Messgrößen in digitale Werte überführen. Beschrieben werden verschiedene Verfahren wie Spannungs-Frequenz-Umsetzer, Rampen-Umsetzer oder Sukzessive-Approximations-Umsetzer (im Originaltext als „Stufenumsetzer" bezeichnet). Viele dieser Konzepte finden sich in moderner Form noch heute in Mess- und Steuerungssystemen wieder.

Während damals einzelne Baugruppen für Wandlung, Anzeige und Speicherung erforderlich waren, integrieren heutige Mikrocontroller leistungsfähige A/D-Wandler direkt auf dem Chip. Messdaten können dadurch mit hoher Geschwindigkeit und – je nach Anwendung – deutlich reduziertem Energieverbrauch verarbeitet werden.

Wenn Störungen wichtiger waren als Rechenleistung

Aus heutiger Sicht wirkt es überraschend, wie intensiv sich der historische Beitrag mit Störungen auf Messleitungen beschäftigt. In vielen Anwendungen der Wärme-, Prozess- und Verfahrenstechnik befanden sich die Messstellen weit entfernt von den zentralen Auswerteanlagen. Temperaturen, Drücke, Füllstände oder Durchflussmengen wurden daher zunächst als analoge elektrische Signale übertragen, bevor sie in einer zentralen Einrichtung digitalisiert werden konnten.

Genau darin lag jedoch ein Problem. Lange Leitungswege machten die Messsignale anfällig für elektromagnetische Störungen, Spannungsabfälle und andere Einflüsse, die die Messgenauigkeit beeinträchtigen konnten. Entsprechend großen Raum nimmt im Artikel die Frage ein, wie sich Messwerte möglichst störungsfrei und präzise übertragen lassen.

Heute hat sich die technische Lösung grundlegend verändert. Viele Sensoren verfügen über integrierte Mikrocontroller und A/D-Wandler, sodass die Digitalisierung direkt am Messpunkt erfolgt. Statt empfindlicher Analogsignale werden digitale Datenpakete über Feldbusse, Industrial Ethernet oder drahtlose Kommunikationssysteme übertragen.

Das zugrunde liegende Problem ist allerdings bis heute dasselbe geblieben: Messinformationen müssen zuverlässig von der Quelle zur Auswertung gelangen. Während die Ingenieure damals um die Qualität analoger Signale auf langen Leitungen kämpften, sorgen heute intelligente Sensoren und digitale Kommunikationsnetze dafür, dass die Daten möglichst unverfälscht ihr Ziel erreichen. Damit wurde das Problem nicht beseitigt, sondern durch neue Technologien weitgehend an die Messstelle verlagert.

Von Puls-Code-Fernmesssystemen zu modernen Feldbussen

Erstaunlich modern wirken die im Artikel beschriebenen Puls-Code-Fernmesssysteme. Bei diesen Anlagen wurden Messwerte nicht erst in einer zentralen Auswerteeinheit digitalisiert. Stattdessen erfolgte die Umwandlung von analogen Messgrößen wie Druck, Temperatur oder Durchfluss bereits direkt an der Messstelle. Die so gewonnenen digitalen Informationen wurden anschließend als sogenannte Codewörter über die Übertragungsstrecke weitergeleitet.

Dieser Ansatz bot entscheidende Vorteile. Während analoge Signale auf langen Leitungen durch elektrische Störungen, Spannungsabfälle oder Alterungseffekte verfälscht werden konnten, ließ sich ein digital codierter Messwert deutlich zuverlässiger übertragen. Solange die einzelnen Impulse eindeutig erkannt wurden, blieb die Information unverändert erhalten.

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Das Grundprinzip erinnert stark an heutige Feldbusse und Ethernet-basierte Sensorsysteme. Auch moderne Sensoren wandeln Messgrößen möglichst früh in digitale Daten um und übertragen diese anschließend störsicher über industrielle Kommunikationsnetze. Die technische Umsetzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert, die dahinterstehende Idee ist jedoch dieselbe geblieben: Je früher ein Messwert digital vorliegt, desto robuster, genauer und zuverlässiger lässt er sich verarbeiten und übertragen.

Von der Betriebsstatistik zur Industrie 4.0: Der lange Weg zur datengetriebenen Fabrik

Besonders interessant ist, dass der historische Beitrag weit über die reine Messtechnik hinausblickt. Die Autoren sprechen von automatischer Betriebsprotokollierung, Betriebsstatistik und selbsttätiger Fertigungskontrolle. Damit beschreiben sie bereits Grundideen, die heute unter Schlagworten wie Industrie 4.0, Predictive Maintenance oder datengetriebene Produktion zusammengefasst werden.

Natürlich standen damals weder Cloud-Plattformen noch Künstliche Intelligenz zur Verfügung. Doch die zentrale Erkenntnis war bereits vorhanden: Wer Prozesse verstehen und optimieren will, muss Daten erfassen, speichern und auswerten.

Die Technik hat sich gewandelt, die Grundidee bleibt bis heute dieselbe

Die technischen Möglichkeiten haben sich seitdem stark erweitert. Moderne Sensoren, leistungsfähige Mikrocontroller, schnelle Kommunikationsnetze und nahezu unbegrenzte Speicherkapazitäten haben die digitale Messtechnik auf ein völlig neues Niveau gehoben.

Die Grundaufgabe ist jedoch unverändert geblieben: Physikalische Größen zuverlässig erfassen, in digitale Informationen umwandeln und daraus nutzbares Wissen gewinnen. Genau darin liegt die Verbindung zwischen den ersten Datenerfassungssystemen und den vernetzten Fabriken von heute. (mr)

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