Europäischer Erfinderpreis 2024 Wie Computer dank maschinellem Lernen „sehen“ lernen

Von Kristin Rinortner 3 min Lesedauer

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Die deutsche Informatikerin Cordelia Schmid ist von einer internationalen Jury als Finalistin für den Europäischen Erfinderpreis 2024 für ihre Arbeit zu dynamischen, selbstregulierenden Modellen für maschinelles Lernen nominiert worden. Sie tritt in der Kategorie „Forschung“ gegen ein maltesisches und ein französisches Team an. Die Gewinner werden am 9. Juli 2024 bekannt gegeben.

Europäischer Erfinderpreis 2024: Die Informatikerin Cordelia Schmid ist in der Kategorie „Forschung“ nominiert. Schmid entwickelt KI-Lösungen, die eine erweiterte maschinelle Wahrnehmung ermöglichen, die der menschlichen visuellen Interpretation sehr ähnlich ist.(Bild:  marc josse)
Europäischer Erfinderpreis 2024: Die Informatikerin Cordelia Schmid ist in der Kategorie „Forschung“ nominiert. Schmid entwickelt KI-Lösungen, die eine erweiterte maschinelle Wahrnehmung ermöglichen, die der menschlichen visuellen Interpretation sehr ähnlich ist.
(Bild: marc josse)

Cordelia Schmid hat eine klare Mission: die maschinelle Wahrnehmung so weit zu verbessern, dass KI das Leben erleichtert. Dabei geht sie an die Grenze dessen, wie KI unsere Welt interpretiert. „Verantwortungsvoll entwickelt hat die KI das Potenzial, unsere Gesellschaft zu revolutionieren, auf die gleiche Weise, wie es die Dampfmaschine und der elektrische Strom in der Vergangenheit getan haben“, erklärt sie.

„Die KI kann uns bei der Bewältigung einiger der dringendsten Probleme auf der Welt helfen, von Nachhaltigkeit bis zur Gesundheitsvorsorge. Ich persönlich bin begeistert von den Forschungsmöglichkeiten, die sie uns eröffnet“, freut sie sich.

Die Informatikerin, die Forschungsdirektorin am französischen Nationalen Institut für Forschung in digitaler Wissenschaft und Technologie (INRIA) ist, gehört zu den drei Finalisten in der Kategorie „Forschung“ des diesjährigen Europäischen Erfinderpreises, die aus über 550 Kandidaten ausgewählt wurden. Die anderen Nominierten sind die Malteser Tonio Sant und Daniel Buhagiar für ihre nachhaltige Offshore-Energiespeicherlösung und das französische Duo David Devos und Caroline Moreau für ihre innovativen Parkinson-Therapien.

Das Europäische Patentamt (EPA) wird die Gewinnerinnen und Gewinner am 9. Juli 2024 im Rahmen einer per Livestream übertragenen Preisverleihung aus Malta bekannt geben. Zusätzlich zu den einzelnen Kategorien wird das EPA dann auch die Sieger des per Online-Abstimmung ermittelten Publikumspreises bekannt geben. Die Stimmabgabe ist bis zum Tag der Preisverleihung möglich.

Künstliche Intelligenz, die „sehen“ kann

Schmid entwickelt Algorithmen, die Computer helfen, Bilddaten zu verstehen und zu interpretieren. Ihre Innovationen schließen die Lücke zwischen theoretischer KI-Forschung und praktischen Anwendungen, mit wichtigen Auswirkungen auf autonome Systeme, das Gesundheitswesen und viele andere Bereiche.

Ihre Arbeit zur Nutzung von maschinellem Lernen für die maschinelle Wahrnehmung wird bereits heute in verschiedenen Bereichen wie autonome Fahrzeuge, Diagnostik im Gesundheitswesen und interaktiver Robotik eingesetzt. Sie verspricht, die menschliche Interaktion mit Technologie zu revolutionieren.

Maschinelles Lernen und Computervision

Schmids innovative Herangehensweise an maschinelles Lernen und Computervision hat zur Entwicklung von Algorithmen geführt, mit denen die KI „sehen“ kann, indem sie große Mengen von Bilddaten gleichzeitig interpretiert. Diese Technologie ist unverzichtbar für Anwendungen, die eine schnelle und exakte Reaktion erfordern, wie autonome Fahrzeuge und interaktive Roboter.

„Ein Algorithmus ist eine Folge von Anweisungen an eine Maschine, die mit bestimmten Bedingungen der Reihe nach ausgeführt werden“, erklärt Schmid. „Bis jetzt wurden die Extrahierung der Merkmale und die anzuwendenden Bedingungen für die Reaktion der Maschine manuell festgelegt, doch das ist nun nicht mehr der Fall“, womit sie auf den Wechsel hin zu dynamischen, selbstregulierenden Modellen für maschinelles Lernen verweist.

Diese Modelle verbessern ihre Genauigkeit und Anpassbarkeit ständig selbst weiter, in dem sie aus neuen Daten lernen. So ist sichergestellt, dass die Möglichkeiten der KI sich weiterentwickeln und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zuverlässig funktionieren.

Diese Innovation verschiebt die Grenzen von Technologie und Wissenschaft. Schmids Algorithmen verbessern Suchmaschinen für Bilder und Videos oder auch die von Speichersystemen. Sie ermöglichen Suchvorgänge, die optischen Hinweisen Vorrang gegenüber Text einräumen. Schmids Arbeit bereitet außerdem den Weg für intelligente Roboter und KI-Systeme, die für sinnvolle Interaktion mit dem Menschen maßgeschneidert sind, was Dienstleistungen und Lebensqualität verbessert. Mögliche Anwendungen hierfür sind Assistenzroboter für die Altenpflege, Verbesserungen im Automobilbereich sowie Entertainment-Innovationen.

Zur Person Cordelia Schmid

Cordelia Schmidt: Bei der Informatikerin, die Forschungsdirektorin am französischen Nationalen Institut für Forschung in digitaler Wissenschaft und Technologie (INRIA) ist und nebenberuflich für Google Research arbeitet, verschmelzen akademische Theorien und industrielle Praxis. (Bild:  marc josse)
Cordelia Schmidt: Bei der Informatikerin, die Forschungsdirektorin am französischen Nationalen Institut für Forschung in digitaler Wissenschaft und Technologie (INRIA) ist und nebenberuflich für Google Research arbeitet, verschmelzen akademische Theorien und industrielle Praxis.
(Bild: marc josse)

Nach ihrem Master-Abschluss vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und ihrer Promotion in Informatik am Institut National Polytechnique de Grenoble forschte Cordelia Schmid zunächst am Oxford Robotics Institute. In ihrer aktuellen Position als Forschungsdirektorin am französischen Nationalen Institut für Forschung in digitaler Wissenschaft und Technologie (INRIA) und ihrer nebenberuflichen Arbeit für Google Research verschmelzen akademische Theorien und industrielle Praxis.

Über den Europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Innovationen in Industrie, mittelständischen Unternehmen und Forschung. Der 2006 vom Europäischen Patentamt ins Leben gerufenen Preis zeichnet Einzelpersonen und Teams aus, die Lösungen für einige der größten Herausforderungen unserer Zeit gefunden haben.

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Die Jury besteht aus Erfindern, die alle bereits Finalist waren. Bei der Evaluation der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihr umfangreiches Fachwissen in den Bereichen Technik, Wirtschaft und geistiges Eigentum. Im Jahr 2024 sitzt Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, der Jury vor. Alle Erfinder müssen für ihre Erfindung ein europäisches Patent erhalten haben. (kr)

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