Widersprüchliches China Weg zum Chip-Selbstversorger: Kommunisten setzen auf Kapital

Von Henrik Bork

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China will zum Chip-Selbstversorger werden. Für den raschen Aufbau seiner Halbleiterindustrie inklusive Zulieferer setzt Peking auf das Kapital – und gemeint ist nicht die Lektüre des gleichnamigen Buchs von Karl Marx.

Nicht nur staatliche Förderung: Um den Aufbau der heimischen Halbleiterindustrie voranzutreiben setzt das kommunistische China auf kapitalistische Mechanismen: das Auflegen von Investmentfonds.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Nicht nur staatliche Förderung: Um den Aufbau der heimischen Halbleiterindustrie voranzutreiben setzt das kommunistische China auf kapitalistische Mechanismen: das Auflegen von Investmentfonds.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

China wird politisch von der Kommunistischen Partei mit straffer Hand und engen Leitplanken geführt – doch beim Aufbau der eigenen Halbleiterindustrie setzt das Land auf die ursprünglichen Feinde von Marx und Engels: die Kapitalisten. Chinas Tech-Konzerne gründen eigene Investmentfonds, um sämtliche Segmente der bislang stark internationalisierten Lieferketten für Chips Schritt für Schritt zu „lokalisieren“.

Der Telekom-Ausrüster Huawei, von der US-Regierung der Industriespionage beschuldigt und mit Sanktionen belegt, ist in dieser Hinsicht besonders aktiv. Sein speziell für diesen Zweck gegründeter Investmentfonds „Hubble Technology Investment Co.” hat seit seiner Gründung vor drei Jahren bis jetzt in 56 chinesische Unternehmen investiert – in allen Bereichen vom Chip-Design über EDA, Packaging und Materialien bis hin zu Spezialausrüstung für die Halbleiterfertigung. Dies zeigen Daten des Marktforschungsinstituts Pitchbook.

Offene Investmentsfonds liefern Geld für Chipindustrie

Der auf Halbleiter und Zubehör spezialisierte Investmentfonds, eine Tochter der Holding-Gesellschaft Huawei Technologies Co., Ltd., hat am 14. Januar eine Lizenz erhalten, um auch mit externem Kapital arbeiten zu dürfen. Damit ist Hubble offiziell als Fondsmanager für PE- und Venture-Kapital zugelassen und nicht mehr länger nur auf Eigenkapital angewiesen.

Die kommunistische Führung in Peking antwortet also nicht nur mit patriotischer Industriepolitik und staatlichen Subventionen auf die Halbleiter-Sanktionen aus Washington, sondern setzt auch gezielt auf das Lebenselixier moderner Volkswirtschaften: „Money“ von privaten Investoren.

Arbeiten mit externem Geld: Kapitalengpass beseitigt

Mit drei Milliarden Yuan (rund 420 Millionen Euro) Eigenkapital war der Investmentarm von Huawei für die Verhältnisse der kapitalintensiven Halbleiterindustrie bislang eher bescheiden ausgestattet. Doch dieser Engpass ist nun beseitigt worden. Und das Modell macht in China schnell Schule: Auch die Handy-Produzenten Xiaomi und Oppo sowie der PC-Hersteller Lenovo haben eigene Investmentfonds für Chips gegründet.

Was da ab jetzt so alles möglich wird, das lässt sich an dem bislang schon prall gefüllten „Deal Book“ von Hubble ablesen. Gegründet wurde der Huawei-Investmentarm 2019, ungefähr zur gleichen Zeit, als der Mutterkonzern zur Zielscheibe von US-Präsident Donald Trump wurde. Die erste Investition von Hubble floss an 3Peak, einem chinesischen Hersteller von analogen Chips.

Investitionen in Chip-Fab-Ausrüster und Design-Firmen

Dann stieg Hubble in den Markt für Produktions-Ausrüstung ein, investierte in die heimische ArF-Laser-Firma Keyi Hongyuan. Später richteten die strategischen Investoren ihr Augenmerk unter anderem auf Halbleiter-Materialien und optoelektronische Chips, statteten Unternehmen wie North Ocean Photonics oder Haoda Electronics mit Kapital aus. Viele der mit Geld versorgten Unternehmen werden zu Lieferanten von Huawei.

Anschliessend flossen Gelder von Huawei an EDA-Unternehmen wie IC9Cube, Feipu Electronics und LEDA Technology. Hersteller von Halbleiter-Materialien wie Bonotec Adhesives, Suzhou Ginet New Material oder Xuzhou Bokang Cemicals wurden ebenfalls von der Huawei-Tochter finanziert, heißt es in einem Bericht das Fachmagazins Dianzi Gongcheng Zhuanji.

Ziel: „Lokalisierung der chinesischen Produktion von Halbleiter-Anlagen”

Eine der jüngsten Investitionen von Hubble war kurz vor dem Jahreswechsel der Erwerb von Anteilen an der Jingtuo Semiconductor Technology Co., ein Hersteller aus Suzhou, spezialisiert auf Spezialausrüstung, die Chips während ihrer Fertigung sauber halten. Das Unternehmen wolle „zur Lokalisierung der chinesischen Produktion von Halbleiter-Anlagen” beitragen, steht auf seiner firmeneigenen Webseite.

Während Chinas Regierung den Aufbau einer heimischen Halbleiter-Industrie vorantreibt und während Halbleiter zum zentralen Bestandteil von immer mehr Produkten werden, investieren ständig neue private chinesische Großkonzerne wie Alibaba, Tencent, Baidu und Meituan in die Entwicklung und Produktion eigener Halbleiter.

Noch liegt China bei Highend-Halbleitern hinten – doch wie lange noch?

Analysten betonen, dass China bei den fortschrittlichsten Halbleitern noch immer Jahre hinter führenden Produzenten in Taiwan oder Südkorea herhinkt. „Vermutlich drei bis vier Generationen” sei China im Rückstand, wenn von Chips unterhalb des 16- oder 14-Nanometer-Bereich die Rede sein, heißt es etwa bei IDC.

Doch das ist eben genau der Grund für die massive Aufholjagd, die in China begonnen hat und die nun durch den Einsatz von privatem Kapital einen neue Booster-Shot bekommt. Der Pyrrhussieg von Donald Trump und seinem Nachfolger Joe Biden, denen es gelungen ist, die Profite von Huawei vorübergehend zu schmälern, könnte sich langfristig als gewaltiges Eigentor erweisen.

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China baut systematisch am Aufbau eigener, vor allem von den USA unabhängiger Halbleiter-Lieferketten. Dafür wird sehr viel Kapital gebraucht. Genau deshalb hat die Kommunistische Partei Chinas nun begonnen, auch den Profitwunsch privater Investoren als zusätzlichen Hebel im Technologiekrieg mit Washington zu nutzen.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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