Der weltweite Mangel an Chips und Bauteilen hat massive Auswirkungen auf die hiesige Produktion. Unternehmen suchen daher händeringend nach neuen Lieferanten, um Produktionsausfälle und hohe Lagerkosten zu vermeiden. Besonders gefragt sind Anbieter wichtiger Komponenten, die nicht nur schnell und zuverlässig liefern können, sondern auch Alternativen bieten.
Geschäftsbeziehungen: Die Karten werden neu gemischt.
In puncto Bauteile- und Komponentenverfügbarkeit ist die derzeitige Situation vielerorts angespannt. Denn zahlreiche Branchen wie etwa die Automatisierungsindustrie haben stark damit zu kämpfen, dass ein globaler Mangel an bestimmten Bauteilen zu großen Verzögerungen in der Produktion führt. Mitunter stehen Maschinen und ganze Werke komplett still oder laufen zumindest mit drastisch reduzierter Kapazität.
Die globale Knappheit an bestimmten Gütern hat in den letzten Jahren und Monaten dazu geführt, dass die meisten Unternehmen ihre Lagerkapazitäten teils drastisch erhöht haben. Laut einer Untersuchung des ifo Instituts haben 87 Prozent der deutschen Industrieunternehmen wegen Störungen ihrer bisherigen Lieferketten ihre Beschaffungsstrategie bereits geändert. Neben der Aufstockung der eigenen Lagerbestände – was in der Regel zu deutlich höheren Betriebskosten führt – setzen rund zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland zudem auf alternative oder zumindest zusätzliche Lieferanten. Bei größeren Unternehmen liegt der Prozentsatz sogar noch höher.
Die Karten werden neu gemischt
Vielerorts werden die Karten nun also neu gemischt. Selbst Lieferanten, die über jahrelange Geschäftsbeziehungen verfügen, müssen jetzt darum bangen wichtige Aufträge zu verlieren. Wer nicht schnell liefern kann, ist schnell geliefert. Schließlich kann es sich kein Hersteller leisten, die Produktion von kompletten Maschinen und Anlagen auszusetzen, weil ein Chip oder Verteilerstecker fehlt. Und so verwundert es nicht, dass die ifo-Untersuchung zu dem Ergebnis kommt, dass die große Mehrheit an Unternehmen die Risiken in der Lieferkette neu bewertet und auf eine „verstärkte Diversifizierung von Lieferketten“ setzt.
Verlässliche Lieferungen zählen mehr als lange Geschäftsbeziehungen
Wie diese Diversifizierung die Branche verändert, ließ sich etwa auf der Messe SPS erkennen. So konnte sich beispielsweise der deutsche Ableger von Elco Automation vor Aufträgen kaum retten. „Noch vor wenigen Jahren wäre es für uns deutlich schwieriger gewesen, in Deutschland neue Partner zu finden“, sagt Ralf Matthews, Geschäftsführer der Elco Automation GmbH. „Bis vor kurzem waren wir vor allem in China bekannt. Doch jetzt, da eine verlässliche Lieferung von Bauteilen wichtiger ist als langjährige Geschäftsbeziehungen, rennen uns selbst etablierte Marktführer regelrecht die Türe ein“, so Matthews.
Den Erfolg führt Matthews auch darauf zurück, dass sein Unternehmen auf individuelle Kundenwünsche eingeht, wenn es beispielsweise um die Länge von Kabeln oder um die Zusammenstellung von verschiedenen Produkten geht, die unter einer Auftragsnummer bestellt werden können. Entscheidender dürfte jedoch sein, dass Elco offenbar überhaupt liefern kann.
Abhängigkeiten zu reduzieren hat Priorität
Dass dem so ist, liegt auch daran, dass Elco sich mit anderen Unternehmen zusammengetan hat, um eine Alternative zu Siemens Profinet Protokoll anbieten zu können. Denn aktive Verteiler – also Verteilerstecker mit Chip – werden bei der Automatisierung überall benötigt. Ohne sie lassen sich weder Verpackungsmaschinen noch Windkrafträder vernetzen und somit auch nicht betreiben. Lieferanten, die allein auf Profinet setzen und hier derzeit aufgrund des limitierten Angebots nicht liefern können, haben somit ein großes Problem.
Als Alternative zu Profinet sind die aktiven Verteiler für Elco und die anderen Unternehmen im Konsortium Gold wert. Denn all jene Unternehmen, die i/o-Link im Konsortium entwickelt haben, sind nun weitgehend unabhängig von Siemens und der Verfügbarkeit von Profinet. Für Lieferanten, die nicht frühzeitig gehandelt haben und sich lediglich auf ihre ehemals etablierten Geschäftsbeziehungen verlassen haben, brechen dagegen schwere Zeiten an. Denn Zulieferer, die nicht liefern können, bringen den Auftraggebern wenig. Somit bewahrheitet sich in der aktuellen Lage, in der es auf jeden Chip und Verteiler ankommt, einmal mehr die Devise: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen.
Stand: 08.12.2025
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(mk)
* Tillmann Braun ist Journalist und Kommunikationsberater für Non-Profit-Organisationen. Sein Fachgebiet sind IT-Lösungen, etwa für die Vernetzung von Menschen und Maschinen, Machine-to-Machine-Kommunikation und Kommunikationssysteme.